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Drohnen aus Tschechien orientieren sich an Vogelschwärmen

Drohnen aus Tschechien orientieren sich an Vogelschwärmen
Die neue Drohnentechnik aus Prag setzt auf Schwarmintelligenz und kommt ohne GPS aus. Foto: Tomáš Plíšek, FEL ČVUT
Von: News aus Tschechien
Am Montag stellten Forscher der Technischen Universität Prag neue Drohnenprojekte vor. Die Systeme sollen ohne GPS im Schwarm fliegen und kritische Infrastruktur schützen. Erste Tests zeigen deutliche Fortschritte.

Forscher der Multi-Robot Systems Gruppe (MRS) an der Fakultät für Elektrotechnik der Tschechischen Technischen Universität in Prag treiben die Entwicklung einer neuen Generation autonomer Drohnen voran. Das teilte die Fakultät für Elektrotechnik mit. Die Projekte wurden am Montag, 13. April, im südböhmischen Temešvár präsentiert und zeigen, wie sich moderne Robotik an natürlichen Vorbildern orientiert.

Im Zentrum stehen zwei parallel laufende Forschungsprojekte. Zum einen entwickeln die Wissenschaftler besonders sichere Drohnen zur Überwachung kritischer Infrastruktur wie Kraftwerke, Industrieanlagen oder militärische Einrichtungen. Zum anderen arbeiten sie an Drohnenschwärmen, die ohne GPS, zentrale Steuerung oder direkte Kommunikation mit einem menschlichen Operator auskommen.

Das Team um Martin Saska setzt dabei gezielt auf europäische Technologien. Ziel ist eine vollständig unabhängige Plattform, deren Hard- und Software ausschließlich aus europäischen Quellen stammt. Hintergrund sind Sicherheitsbedenken, da Drohnen potenziell sensible Daten erfassen. Einzelne Komponenten könnten missbraucht werden, um Informationen unbemerkt weiterzuleiten.

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Die entwickelte Plattform ist modular aufgebaut und kann flexibel mit Sensoren, Kameras und Rechnern ausgestattet werden. Bereits integriert sind ein sicherer Flugcontroller sowie ein Kommunikationssystem auf Basis sogenannter Mesh-Netzwerke, das eine direkte Vernetzung mehrerer Drohnen ermöglicht. Gerade bei großflächigen Einsätzen ist diese Technologie entscheidend. Erste Tests fanden unter realistischen Bedingungen in Tagebauen in Nordtschechien statt, wo Staub, unübersichtliches Gelände und eingeschränkter GPS-Empfang besondere Herausforderungen darstellen.

Parallel dazu erforschen die Wissenschaftler das koordinierte Verhalten von Drohnenschwärmen. In Zusammenarbeit mit der Czech Academy of Sciences und der University of Konstanz analysieren sie Bewegungsmuster von Vogelschwärmen. Diese Daten werden genutzt, um künstliche neuronale Netze zu trainieren, die das Verhalten der Drohnen steuern.

Ein zentrales Ergebnis: Drohnen können deutlich effizienter und dynamischer fliegen, wenn sie nicht nur die aktuelle Position anderer Geräte berücksichtigen, sondern auch deren zukünftige Bewegungen vorhersagen. In ersten Experimenten konnte die Manövrierfähigkeit dadurch um bis zu 60 Prozent gesteigert werden.

Langfristig sehen die Forscher vielfältige Einsatzmöglichkeiten – von der Überwachung kritischer Infrastruktur über Katastrophenschutz bis hin zur Erkundung schwer zugänglicher Gebiete.

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