Auf den Spuren seines Romans: Jan Štifter taucht zur versunkenen Vltavice
Dolní Vltavice/Untermoldau. Erst schrieb Jan Štifter einen Roman über den versunkenen Ort, dann tauchte er selbst hinab: Der tschechische Schriftsteller hat am Sonnabend, 24. Oktober, Überreste von Dolní Vltavice im Lipno-Stausee erkundet. Wie die Nachrichtenagentur ČTK bei ČeskéNoviny berichtet, untersuchte er eine erhaltene Kirchenmauer und eine alte Straße. Bei etwa acht Grad Wassertemperatur betrug die Sicht nur rund 30 Zentimeter. Für den Autor war der Tauchgang ein Abschluss seiner Arbeit am Roman „Vltavice“.
Auch bei der Sicherung des früheren Friedhofs gibt es Fortschritte. Das Regionalmuseum in Český Krumlov hat nach Angaben seines Direktors Martin Nechvíle in der vergangenen Woche den Transport von mehr als 90 Grabsteinen abgeschlossen. Die Steine kamen nach Černá v Pošumaví, wohin bereits in den 1950er-Jahren die sterblichen Überreste umgebettet worden waren. Wie die Grabmale auf dem dortigen Friedhof präsentiert werden, ist noch offen. Das Museum will darüber mit der Gemeinde und gegebenenfalls mit Nachkommen der früheren Bewohner sprechen. Auch die Umstände der Friedhofsauflösung sollen weiter erforscht werden.
Über die durch Trockenheit freigelegten Grabsteine in Untermoldau hatten wir am 6. Oktober berichtet. Damals waren zunächst zwölf steinerne Relikte geborgen worden. Der Fund erinnert an einen Ort, dessen Geschichte bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die überwiegend deutschen Bewohner vertrieben; später mussten auch die neu angesiedelten Menschen dem Bau des Stausees weichen. Der historische Ortskern wurde überflutet.
Štifter hatte die Verbindung zwischen Literatur und wieder sichtbarer Vergangenheit bereits in einem Radiobeitrag vom 22. Oktober beschrieben: Kurz nach dem Erscheinen seines Romans habe der sinkende Wasserstand jene Grabsteine freigelegt, die auch in der Handlung eine Rolle spielen. Der Autor machte auf die notwendige Sicherung der Funde aufmerksam. Sein Buch verknüpft die Erinnerung an das verschwundene Dorf mit der Suche nach Spuren unter Wasser.