Zuse-Stiftung Hoyerswerda: Auflösung soll drohende Insolvenz verhindern
Ein Bericht von Ulf Mallek
Hoyerswerda. Die geplante Auflösung der Stiftung des Zuse-Computer-Museums soll nach Angaben des Stiftungsratsvorsitzenden Steffen Markgraf eine drohende Insolvenz verhindern. Ab dem 1. Januar 2027 stünden nach den bisher gefassten Beschlüssen keine weiteren liquiden Mittel für den operativen Museumsbetrieb zur Verfügung, erklärte Markgraf auf Anfrage von Meißen News.
Deshalb hätten Stiftungsrat und Stiftungsvorstand „formaljuristisch alles Notwendige in die Wege leiten“ müssen, um eine Insolvenz wegen drohender Zahlungsunfähigkeit beziehungsweise Zahlungsunfähigkeit abzuwenden.
Hintergrund ist eine Beschlussvorlage für die gemeinsame Sitzung von Stiftungsvorstand und Stiftungsrat am 11. November. Sie sieht vor, die ZCOM-Stiftung zum 31. Dezember 2026 aufzulösen. Das Konrad Zuse Forum Hoyerswerda lehnt dies ab und wirft den Verantwortlichen vor, den Verein über die Pläne getäuscht zu haben. Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh hatte diesen Vorwurf bereits zurückgewiesen. Auch Markgraf kann den Täuschungsvorwurf nach eigenen Angaben nicht nachvollziehen. Die entsprechenden Beschlüsse seien 2025 und 2026 gefasst worden und sowohl dem früheren Vereinsvorsitzenden Wolfgang Kunde als auch dessen Nachfolger Walter bekannt.
Kunde sei als damaliger Vorstandsvorsitzender des Konrad Zuse Forums und Mitglied des Stiftungsrates bei den entsprechenden Sitzungen anwesend gewesen und habe die Beschlüsse mitgetragen beziehungsweise grundsätzlich dafür gestimmt. Damit stützt Markgraf die Darstellung des Oberbürgermeisters. Ruban-Zeh hatte erklärt, bereits im Juli sei der Vorsitzende des Stiftungsrates einstimmig damit beauftragt worden, alle stiftungsrechtlichen Fragen einschließlich einer möglichen Auflösung mit der Stiftungsbehörde zu klären.
Auch Markgraf kritisiert - wie der OB - Walter persönlich. Während Gesprächen am Rande einer Sitzung habe dieser „permanent sein Smartphone“ benutzt, abwesend gewirkt und deshalb möglicherweise dem Gespräch nicht vollständig folgen können. Walter hatte diesen Vorwurf gegenüber Meißen News bereits zurückgewiesen. Er erklärte, sein Smartphone während der Sitzungen für digitale Mitschriften zu verwenden. Auch der Darstellung, die Kommunikation mit seinem Vorgänger Kunde habe nicht funktioniert, widerspricht Walter. Der Austausch zwischen beiden sei ausgezeichnet.
WH: Mehr als eine Million Euro für das ZCOM
Markgraf ist zugleich Geschäftsführer der WH Hoyerswerda. Nach seinen Angaben hat die städtische Wohnungsgesellschaft das ZCOM etwa zehn Jahre lang unterstützt und gemeinsam mit der Stadt und Kulturraummitteln finanziert. Allein die WH Hoyerswerda habe in diesem Zeitraum mehr als eine Million Euro für den Museumsbetrieb zur Verfügung gestellt, erklärt Markgraf.
Dass die Wohnungsgesellschaft ihre bisherige Unterstützung beendet, gehört zu den wesentlichen Gründen für die finanziellen Schwierigkeiten des Museums. Auch die Stadt hatte entschieden, ihren bisherigen jährlichen Zuschuss von 25.000 Euro ab 2027 einzustellen. Das Museum ist seit dem 1. September für den regulären Besucherverkehr geschlossen.
Für den Fall, dass ein anderer Stifter künftig die Finanzierung übernehmen würde, hatte die WH Hoyerswerda laut Markgraf angeboten, sich selbst aus dem Stiftungsrat zurückzuziehen. Damit sollte ein Neubeginn ermöglicht werden. Sollte die Stiftung nun tatsächlich aufgelöst werden, stelle sich diese Frage allerdings nicht mehr.
Anderes Museum zeigt Interesse an der Sammlung
Neu ist auch, was Markgraf über die Zukunft der umfangreichen Sammlung berichtet. Nach der derzeitigen Planung sollen die Museumsbestände nach Bekanntgabe der Stiftungsauflösung zunächst für ein Jahr in den bisherigen Räumlichkeiten verbleiben. Gleichzeitig gebe es bereits Gespräche und Schriftverkehr mit einem anderen Museum in Deutschland. Dieses habe „ein ernsthaftes Interesse an den Museumsgütern“ bekundet. Welches Museum das ist und ob es um die komplette Sammlung oder nur um Teile davon geht, teilte Markgraf nicht mit. Vermutlich handelt es sich um das Konrad-Zuse-Museum Hünfeld in Hessen. Zuse lebte von 1957 bis zu seinem Tod 1995 in Hünfeld.
Parallel arbeite Ruban-Zeh daran, eine Lösung in Hoyerswerda zu finden. Nach Darstellung Markgrafs geht es darum, geeignete Räumlichkeiten zu finden, das Gedenken an Konrad Zuse zu bewahren und museale Stücke in der Stadt zu halten. Dafür müsse allerdings eine dauerhafte Finanzierung gefunden werden.
Der Oberbürgermeister selbst verfolgt bislang einen Übergang von Museumsgut in die Energiefabrik Knappenrode und hat dazu Gespräche mit dem Landkreis angekündigt.
Das Konrad Zuse Forum verfolgt einen anderen Weg. Der Verein möchte eine gemeinnützige GmbH gründen und zugleich die bestehende Stiftung erhalten. Markgraf will diesen Vorschlag derzeit nicht bewerten.