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Zugzusammenstoß in der Lausitz: Über 1.000 Kräfte proben den Ernstfall

Luftaufnahme von Rettungswagen, Feuerwehrfahrzeugen und Einsatzkräften auf einem Übungsgelände
Rettungsfahrzeuge und Einsatzkräfte auf dem Übungsgelände bei MURE 26. Fotos (3): Sächsisches Staatsministerium des Innern
Ein Personenzug und ein Güterzug mit Bundeswehr-Technik prallen zusammen, es gibt viele Verletzte, und das Mobilfunknetz ist tot. Über 1.000 Einsatzkräfte üben Crash-Szenarien in der Oberlausitz.

Weißkeißel. Zwei Züge stoßen zusammen, es gibt viele Verletzte, und das Mobilfunknetz fällt komplett aus. Diesen Ernstfall spielen Einsatzkräfte vom 27. bis 29. Oktober auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz bei Weißkeißel im Landkreis Görlitz durch. Nach Angaben des Sächsischen Staatsministeriums des Innern (SMI) kommen dafür über 1.000 Einsatzkräfte zusammen.

Die Großübung heißt MURE 26, die Abkürzung steht für Mutuality/Reciprocity. Im Mittelpunkt stehen resiliente Kommunikationssysteme, vor allem der Digitalfunk BOS, das bundesweit einheitliche Funknetz der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben. Wenn die Mobilnetze ausfallen, entscheidet die Verständigung abseits davon über den Einsatzerfolg.

Feuerwehrleute stehen auf einem umgekippten Schienenfahrzeug bei der Übung MURE 26

Feuerwehrleute auf einem umgekippten Schienenfahrzeug im Übungsszenario.

Ein Unfall mit vielen Verletzten

Das Szenario: Ein Personenzug und ein Güterzug mit Bundeswehr-Technik kollidieren. Es gibt einen Massenanfall von Verletzten, im Unglücksgebiet ist der Mobilfunk vollständig ausgefallen. Wie Radio Lausitz berichtet, ereignet sich der Unfall während einer Truppenverlegung der Bundeswehr an die NATO-Ostflanke.

Feuerwehr, Rettungsdienst, Landes- und Bundespolizei und die Bundeswehr müssen die Lage gemeinsam bewältigen. Beteiligt sind unter anderem Feuerwehren des Landkreises Görlitz, die Polizeidirektion Görlitz, die Bundespolizeidirektion Pirna und Feldjäger der Bundeswehr. Geprüft wird laut Bundeswehr, ob klare Kommunikationswege, ein verlässliches Netz, standardisierte Schnittstellen und gemeinsame Kommunikationskonzepte tragen. Auch die gemeinsame Führung der Einsatzkräfte über den Digitalfunk steht auf dem Prüfstand.

Ein Notarzt in orangener Jacke sitzt bei Verletzten auf einer Wiese, im Hintergrund ein Rettungswagen

Ein Notarzt versorgt gemeinsam mit Rettungskräften Verletzte im Übungsszenario.

Die Bundeswehr ist mittendrin

Die Übung ist ausdrücklich zivil-militärisch angelegt. Federführend geplant haben sie das Bundesministerium des Innern (BMI) und das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) gemeinsam mit weiteren Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben. Mit im Boot sind laut THW außerdem der Freistaat Sachsen und der Landkreis Görlitz.

Die Bundeswehr beteiligt sich unter anderem mit Kräften des Unterstützungsbereichs, darunter das Feldjägerregiment 1 und das Landeskommando Sachsen. Schauplatz ist mit dem Truppenübungsplatz ein militärisches Gelände, für Medienvertreter gilt eine Akkreditierung für den Zutritt zum militärischen Sicherheitsbereich. Auch inhaltlich steht die Truppe auf der Agenda: Gesucht werden die Anforderungen an eine künftige breitbandige Einsatzkommunikation der BOS und der Bundeswehr.

Besuchertag mit Ministern

Am heutigen Donnerstag, 29. Oktober, findet auf dem Truppenübungsplatz ein Besucher- und Medientag statt. Hochrangige Vertreterinnen und Vertreter der federführenden Bundesministerien, des Freistaats Sachsen und des Landkreises Görlitz wollen sich von der Leistungsfähigkeit der Kommunikationssysteme überzeugen. Pressestatements mit der Möglichkeit zu Nachfragen sind vorgesehen. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt wird am Nachmittag gegen 14 Uhr auf dem Truppenübungsplatz erwartet. Angekündigt ist zudem der Staatssekretär im BMVg, Nils Hilmer.

Warum gerade jetzt

Das SMI verweist auf die geopolitischen Entwicklungen. Der Bevölkerungsschutz gewinne immer mehr an Bedeutung, der Freistaat bereite sich auf verschiedene Krisenszenarien vor. Die Übung läuft im Rahmen des Paktes für den Bevölkerungsschutz. Der Bund will bis 2029 insgesamt zehn Milliarden Euro in den Bevölkerungsschutz investieren, unter anderem in moderne Warn- und Kommunikationssysteme. Im BMI entsteht zudem ein Steuerungsstab Kommando Zivile Verteidigung, der die zivile und die militärische Planung enger verzahnen soll. In den Eckpunkten des Pakts nennt der Bund den russischen Angriff auf die Ukraine als konkrete Bedrohung der Sicherheit in Deutschland und Europa.

Verteidigungsminister Boris Pistorius nennt Deutschland das „logistische Herz der NATO in Europa“. Im Ernstfall verliefen durch das Land „die Lebensadern der Bündnisverteidigung – auf Straßen, Schienen, durch Häfen und Flughäfen“. Der Operationsplan Deutschland, mit dem die Bundeswehr ihren militärischen Beitrag zur Gesamtverteidigung leistet, beschreibt nach seinen Worten unter anderem die Unterstützung des Aufmarsches deutscher und verbündeter Streitkräfte, die sogenannte Drehscheibe Deutschland. Er lege außerdem fest, was die Armee von der zivilen Seite braucht. Notfallpläne dürften nicht nur erstellt werden, sie müssten auch beübt werden, so Pistorius. Innenminister Dobrindt sagte im Bundestag, Bevölkerungsschutz und Bundeswehr seien „zwei Seiten ein und derselben Medaille“.

Zur Übung: Die zivil-militärische Kommunikationsübung Mutuality/Reciprocity 2026 (MURE 26) läuft vom 27. bis 29. Oktober 2026 auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz bei Weißkeißel im Landkreis Görlitz. Veranstalter sind das BMI, das BMVg, der Freistaat Sachsen und der Landkreis Görlitz. Das Motto lautet „Gemeinsam dienen. Vernetzt retten. Sicher kommunizieren.“ Wegen der Übung kann es bis Freitag, 30. Oktober, zeitweise zu Verkehrsbehinderungen kommen, vor allem auf der B 115 und Teilen der B 156.