Wacker verdoppelt fast sein Betriebsergebnis
Nünchritz/München. Aus einem Millionen-Minus wird ein Millionen-Plus: Der Chemiekonzern Wacker, zu dem das große Werk in Nünchritz gehört, hat das dritte Quartal deutlich besser abgeschlossen als vor einem Jahr. Das teilte das Unternehmen am Donnerstag mit.
Der Umsatz stieg auf 1,47 Milliarden Euro, nach 1,34 Milliarden Euro im Vorjahresquartal. Das sind 9 Prozent mehr. Alle Geschäftsbereiche lagen beim Umsatz über dem Vorjahr, vor allem wegen höherer Preise und teilweise wegen höherer Absatzmengen. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) kletterte auf 217 Millionen Euro und hat sich damit nahezu verdoppelt (Q3 2025: 112 Millionen Euro). Das gelang nach Unternehmensangaben trotz höherer Rohstoff- und Energiepreise. Als wichtigsten Grund nennt Wacker das Kosten- und Effizienzprogramm PACE, das im Oktober 2025 startete. Hinzu kamen Währungseffekte, ein vorteilhafter Produktmix und ein Sondereffekt von rund 35 Millionen Euro aus einer Vertragsauflösung im Geschäftsbereich Polysilicon.
Zu diesem Bereich gehört auch Nünchritz. Der Umsatz von Polysilicon lag bei 225 Millionen Euro (Q3 2025: 197 Millionen Euro), das EBITDA bei 44 Millionen Euro (Q3 2025: 18 Millionen Euro). Während das Geschäft mit Solar-Polysilicium herausfordernd blieb, entwickelte sich das mit Halbleiter-Polysilicium weiter positiv. Die Silicone-Sparte kam auf 729 Millionen Euro Umsatz und 116 Millionen Euro EBITDA, die Polymers-Sparte auf 381 Millionen Euro Umsatz und 75 Millionen Euro EBITDA.
Konzernchef Christian Hartel sagt: „Unser Quartalsergebnis zeigt, dass die Kosten- und Effizienzmaßnahmen, die wir vor einem Jahr eingeleitet haben, greifen. Das wirtschaftliche Umfeld ist nach wie vor herausfordernd. Wacker hat sich angesichts dessen gut behauptet.“ Mit PACE will Wacker ab 2028 jährlich über 300 Millionen Euro einsparen. Eine nachhaltige Trendwende der Konjunktur sei noch nicht erkennbar, so Hartel. Die Nachfrage aus vielen Abnehmerbranchen wie Automobil und Bau bleibe verhalten, für zusätzliche Unsicherheit sorge der Konflikt im Nahen Osten.
Weltweit arbeiteten zum Stichtag 30. September 15.916 Menschen für den Konzern, Ende Juni waren es 16.084. An den deutschen Standorten sank die Zahl von 10.548 auf 10.368. Der Netto-Cashflow lag im Quartal bei 476 Millionen Euro (Q3 2025: 19 Millionen Euro), unter anderem wegen des Verkaufs weiterer Siltronic-Anteile mit Mittelzuflüssen von rund 170 Millionen Euro. Die Investitionen sanken auf 71 Millionen Euro (Q3 2025: 111 Millionen Euro).
Die Jahresprognose bleibt für Umsatz und Ergebnis unverändert. Wacker rechnet mit einem Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich und einem EBITDA zwischen 625 und 750 Millionen Euro, aller Voraussicht nach in der oberen Hälfte der Spanne. Nur für die Nettofinanzschulden erwartet das Unternehmen nun rund 200 Millionen Euro statt der bisher prognostizierten 500 Millionen Euro.
Wacker hat das Werk in Nünchritz 1998 übernommen. Nach Unternehmensangaben arbeiten dort mehr als 1.500 Menschen, damit ist es der größte Chemiearbeitgeber in Sachsen. Produziert werden unter anderem rund 200 verschiedene Silicone, pyrogene Kieselsäuren und hochreines polykristallines Silicium. Seit 2025 entstehen dort außerdem Hybridpolymere für Kleb- und Dichtstoffe, dafür schuf Wacker rund 50 neue Arbeitsplätze. Seit 1. Oktober leitet Georgia Wollmann das Werk, sie folgte auf Jutta Matreux. Über das zweite Quartal berichtete Meißen News bereits. Die vollständige Mitteilung steht auf wacker.com.