Lügenmuseum: Betreiber veröffentlicht Experten-Brief für den Erhalt erneut
Radebeul. Reinhard Zabka, Betreiber des Lügenmuseums, hat am Sonnabend auf Facebook erneut einen Brief von Matthias Flügge veröffentlicht. Flügge war von 2012 bis 2022 Rektor der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Das Schreiben richtet sich an Oberbürgermeister Bert Wendsche und die Stadträte und ist auf den 14. März 2026 datiert.
Das Lügenmuseum sei „ein im besten Sinne politisches Kunstwerk in sich“, schreibt Flügge. Es sei ein Museum, das seinen Gegenstand „nicht vorzeigt, sondern selbst der Gegenstand ist“. Er bittet Wendsche, „im Rahmen Ihrer Möglichkeiten noch einmal zu prüfen, ob nicht doch, quasi in letzter Minute, noch Wege gefunden werden können, die Zukunft dieses Wunder(kammer)werks zu sichern“. Das ist nicht passiert.
Karl Uwe Baum aus Radebeul nennt die Schließung in einem handschriftlichen Eintrag vom 27. September ein „beispielloses Kulturverbrechen“. Er schreibt: „Die Stadtverwaltung sollte sich schämen, keinen besseren Weg gefunden zu haben, als zu Gericht zu gehen und die Zabkas aus dem Gebäude zu klagen.“
In Kommentaren auf Facebook gehen die Meinungen auseinander. Manche fragen, warum Zabka so kompromisslos gewesen sei, und bedauern vertane Chancen für die Kulturszene. Andere schreiben, Umzüge müssten manchmal stattfinden. Nach vielen Jahren Aufschub sei es noch immer nicht gelungen, ein geeignetes Objekt zu finden.
Nach Medienberichten sehen Stadt und Zabka den Streit unterschiedlich. Im Oktober 2024 erklärte Wendsche, eine Übergangslösung sei „allein an Herrn Zabka“ gescheitert. Gemeint war ein Mietvertrag bis Ende März 2025 zur Einlagerung des Museumsguts. Zabka sagt, seine Berater hätten von der Unterschrift abgeraten, weil Rechte aus dem alten Vertrag verloren gegangen wären. Im Oktober 2025 sagte Wendsche, Zabka habe „den Käufer vom Hof gejagt“. Der Kaufinteressent, der Berliner Mäzen Ruprecht Frieling, habe sich laut Zabka in die Ausrichtung des Museums einmischen wollen. Im Mai 2025 entschied sich der Stadtrat gegen Miete und Erbbaurecht für Zabka und will verkaufen. Im September sagte Zabka, er habe sich bereits über 50 neue Standorte angesehen. Zwei Angebote mit Kommunen seien „noch nicht ausgehandelt“.
Die Stadt hatte dem Museum 2024 den Mietvertrag gekündigt. Seit Mai ist das Räumungsurteil rechtskräftig, Zabka hatte seine Berufung zurückgenommen. Seit Anfang Oktober ist das Museum geschlossen. Die Stadt hat die Zwangsräumung eingeleitet.
Reinhard Zabka gründete das Lügenmuseum 1990 im brandenburgischen Babe. Seit 2012 ist es im Gasthof Serkowitz an der Kötzschenbrodaer Straße 39 in Radebeul zu Hause. Das denkmalgeschützte Haus gehört der Stadt.