Goethestraße: Riesas Verwaltung setzt auf Radweg und hält Umfrageergebnis zurück
Riesa. Schwierige Gemengelage. Wie Meißen News am 2. November berichtet hat, liegt dem Stadtrat für seine Sitzung am Mittwoch, 11. November 2026, eine Beschlussvorlage zum Ausbau der Goethestraße (Staatsstraße S 87) vor. Die Verwaltung schlägt darin nicht mehr die bisherige Variante 1 vor, sondern die weiterentwickelte Variante 1a mit Radweg. Das bestätigte die Pressestelle der Stadtverwaltung am 3. November auf Anfrage. Es heißt: „Die Entscheidung fällt zwischen Variante 1a oder Variante 9, die auch in der Umfrage zur Abstimmung standen.“
Was sich hinter den beiden Varianten verbirgt, zeigt das Ergänzungsblatt des Stadtbauamts zur Vorlage. Die Variante 1a sieht eine 5,50 Meter breite Einbahnstraße vor, dazu einen zwei Meter breiten Radweg in eine Richtung auf der linken Seite sowie Parkstände und eine Baumreihe auf der rechten Seite. Der separate Radweg ist nur zwischen Alexander-Puschkin-Platz und Dr.-Scheider-Straße geplant. Danach bis zur Dr.-Külz-Straße orientiert sich der Ausbau am Bestand. Die Variante 9 erneuert dagegen die Straße im Bestandsquerschnitt mit einer 4,50 Meter breiten Einbahnstraße, Parkbuchten und Grünflächen auf beiden Seiten und Radfahrern im Mischverkehr. Einen Detailplan gibt es für die Variante 9 bislang nicht.
Eine Zusammenstellung in der Ergänzung zum Bericht des Büros Zscheile + Krause nennt für beide Varianten diese Zahlen:
- Parkstände: heute 155, nach Variante 1a 112, nach Variante 9 172
- Bäume: heute keine, nach Variante 1a 41, nach Variante 9 77
Das dürfte auch erklären, warum die Bezeichnungen 1a und 9 im Beteiligungsportal der Stadt nicht auftauchten. Dort standen bis zum 2. November 2026 die Variante 1 mit Radweg und die Variante 2 ohne Radweg zur Wahl. Ein Blick auf die Maße zeigt, dass sie im Kern den beiden Varianten der Vorlage entsprechen: 5,50 Meter Fahrbahn mit zwei Meter breitem Radweg auf der einen Seite und Parken auf der anderen, dagegen 4,50 Meter Fahrbahn und Parken auf beiden Seiten ohne eigenen Radweg. Ob die Stadt das so meint, sagte sie nicht ausdrücklich.
Für den Radweg führt die Verwaltung grundsätzliche Gründe an. Aus ihrer Sicht sei die Verbesserung der Radverkehrssituation bei allen größeren Infrastrukturmaßnahmen ein wesentlicher Faktor. Die Stadt schreibt dazu: „Gerade eine Straße von hoher Bedeutung innerhalb der Innenstadt könnte zur Komplettierung des Netzes einen bedeutsamen Beitrag leisten.“ Das Büro Zscheile habe dies in Punkt 4.2 der Variantenuntersuchung „recht ausführlich begründet“. Dort heißt es, nur ein gesonderter Radweg decke sich mit dem Ziel des Stadtentwicklungskonzepts, eine radfahrerfreundliche Stadt zu werden. In der Ergänzung nennen die Planer rund 3.200 Fahrzeuge am Tag, etwa sechs Prozent Schwerverkehr und Linienbusse. Sie empfehlen deshalb „aus verkehrstechnischer Sicht dringend“ eine gesonderte Radverkehrsführung. Eine zwingende Notwendigkeit lasse sich aus den Regelwerken allerdings nicht ableiten.
Wie die Bürger abgestimmt haben, verrät die Stadt nicht. Die Fragen nach der Verteilung der Stimmen und nach der Rolle der Variante 1a bei der Auswertung ließ sie unbeantwortet. Wie viel Gewicht die Umfrage hat, bleibt ebenfals offen. Entscheiden würden „einzig und allein die gewählten Stadträte“. Die Ergebnisse der Umfrage flössen in die nichtöffentliche Vorberatung der Ausschüsse ein. „Im Interesse einer unvoreingenommenen Diskussionsgrundlage für die Stadträte geben wir vorher keine öffentlichen Wasserstandsmeldungen ab.“ Laut Vorlage berät der Bauausschuss am 5. November 2026 nichtöffentlich über die Goethestraße.
Der Stadtrat Riesa berät am Mittwoch, 11. November 2026, ab 17 Uhr im Ratssaal im Kloster-Nordflügel, Rathausplatz 1, über den Ausbau der Goethestraße. Der Tagesordnungspunkt steht im öffentlichen Teil der Sitzung. Die Vorlage mit der Nummer BV/170/2026 und ihren Anlagen ist im Ratsinformationssystem der Stadt abrufbar. Die Online-Umfrage lief vom 23. Oktober bis 2. November 2026 auf dem Beteiligungsportal der Stadt unter www.mitdenken.sachsen.de/1069651 und war nach Angaben der Stadt ein erstes Stimmungsbild ohne bindende Wirkung. Insgesamt beteiligten sich 1.035 Menschen.