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Ein Jahr OB Renner: Meißen baut, doch noch nicht alles läuft rund

Markus Renner (links) und Olaf Raschke lächeln in die Kamera und halten gemeinsam eine aufgeklappte grüne Mappe mit einer Plakette.
Markus Renner (l.) mit seinem Vorgänger Olaf Raschke. Foto: privat
Vor einem Jahr nahm Markus Renner in Meißen die Amtskette von Olaf Raschke entgegen, jetzt zieht eine Fraktion Bilanz. Doch hinter der Aufbruchstimmung stehen noch Herausforderungen.

Ein Bericht von Ulf Mallek

Meißen. Wie die Zeit vergeht. Vor einem Jahr, am 28. Oktober 2025, hat Markus Renner sein Amt als Oberbürgermeister von Meißen angetreten. Der damals 45-Jährige nahm bei einer Feier im Theater Meißen die Amtskette aus Meissener Porzellan von seinem Vorgänger Olaf Raschke entgegen. Raschke ging in den Ruhestand. Zum Jahrestag hat die Stadtratsfraktion ULM eine Bilanz auf Facebook veröffentlicht.

Wahl mit klarer Mehrheit

Renner war zuvor Bürgermeister der Stadt. Am 7. September 2025 wählten ihn die Meißnerinnen und Meißner mit 58,50 Prozent der gültigen Stimmen zum Stadtoberhaupt, das sind 6.864 von 11.733 Stimmen. René Jurisch (AfD) kam auf 30,43 Prozent, Martin Bahrmann (FDP) auf 11,07 Prozent. Weil Renner (parteilos) mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen erhielt, war kein zweiter Wahlgang nötig. Die Wahlbeteiligung lag bei 52,27 Prozent. In seiner Antrittsrede sagte Renner: „Die Zukunft Meißens ist eine gemeinsame Aufgabe und ich bin stolz darauf, sie mit Ihnen allen gemeinsam anzugehen.“ Die Vereidigung im Stadtrat war für den 5. November 2025 angesetzt.

Die Sicht der Fraktion ULM

Nach Darstellung der Fraktion wird in Meißen „fast überall“ gebaut, „kommunal und privat“. Das Thema Lebensqualität habe „einen richtigen Schub bekommen, was Planungen und konkrete Investitionen angeht“. Der Stadtrat, zu dem auch die vier ULM-Räte gehören, habe diese Entwicklungen „engagiert begleitet“. Die drei großen Themen aus dem Wahlkampf sind die neue Sporthalle am Franziskaneum, den Tierpark in Siebeneichen und das Freibad.

Sporthalle am Franziskaneum: Der Bau hat begonnen

Am 6. Oktober 2026 wurde am Gymnasium Franziskaneum der erste Spatenstich für die neue Dreifeldsporthalle gesetzt. Die Stadt beziffert die Kosten auf rund 10,43 Millionen Euro. Das Land fördert das Vorhaben mit 5,8 Millionen Euro, aus dem Sondervermögen „Infrastruktur und Klimaneutralität“ des Bundes kommen pauschal 2,79 Millionen Euro. Rechnerisch bleiben gut 1,8 Millionen Euro bei der Stadt. Den Rohbau vergab der Stadtrat im August für rund 3,0 Millionen Euro an die Karl Köhler Bauunternehmung aus Heidenau. Die Vertragslaufzeiten reichen bis Februar und März 2028, die Halle könnte demnach im Frühjahr 2028 fertig sein. Einen offiziellen Fertigstellungstermin hat die Stadt nicht genannt. Bis dahin gehen die Schülerinnen und Schüler für den Sportunterricht in sieben verschiedene Hallen im Stadtgebiet. Schulleiterin Heike Zimmer sagte: „Das ist logistische Schwerstarbeit.“ Den Neubau hatte der Stadtrat bereits 2019 beschlossen.

Tierpark Siebeneichen: Eröffnung auf 2027 verschoben

Ende Dezember 2025 erteilte das Kreisumweltamt die Tierparkgenehmigung. Renner sagte damals: „Mit der noch Ende Dezember erteilten Tierparkgenehmigung steht der Eröffnung unseres Familientierparks 2026 rechtlich nichts mehr im Wege.“ Tierparkleiter Timo Stephany nannte im Mai 2026 die zweite Jahreshälfte als Termin. Doch daraus wurde nichts. Im Juli 2026 hieß es plötzlich, der Park bleibe in diesem Jahr noch geschlossen. In einem Kommentar auf diesachsen.de schrieb Bürgerjournalistin Ostara Jasmin Hennig, Renner habe eingeräumt, dass die Stadt das Gelände unterschätzt habe. Ein weiterer Grund für die Verzögerung sei auch das Auswechseln des Planungsbüros. Dazu gehört auch ein Streit um Kosten und Bauverzug mit dem beauftragten Spielplatzbauer. Die Fraktion ULM nennt als neuen Termin den „nächsten Spätsommer“. Betreiber des Parks sind die Städtischen Dienste Meißen.

Freibad: Förderzusage für das Umfeld

Für das Gelände des früheren Freibads in Bohnitzsch beschloss der Stadtrat am 4. Juni 2025 den Entwurf des Bebauungsplans „Freibad Bohnitzsch“. Die öffentliche Auslegung endete am 25. Juli 2025. Nach Angaben der Stadt soll der Plan die Voraussetzungen für das Anbaden 2029 schaffen. Im September 2026 teilte die Stadt außerdem eine Förderzusage über rund 1,9 Millionen Euro für das Fördergebiet Bohnitzsch und Nassau mit. Renner sagte, die Aufnahme in das Bund-Länder-Programm gebe der Stadt finanziellen Spielraum für weitere Planungen. Rund um das Freizeitbad „Wellenspiel“ könnten ein Außenschwimm- und Planschbecken, Sport- und Freizeitanlagen und Liegewiesen entstehen. Bis 2040 kann die Stadt für die beantragten Maßnahmen insgesamt mit 13,7 Millionen Euro rechnen.

Kita Regenbogen schließt 2027

Zu den konfliktreichen Themen zählt die Kita-Landschaft. Der Stadtrat beschloss am 1. Juli 2026 mit knapper Mehrheit, die Kita „Regenbogen“ zum 31. Juli 2027 zu schließen. Die Verwaltung hatte ursprünglich die kleinere Kita „Meißner Spatzen“ vorgeschlagen. Ein Änderungsantrag der AfD-Fraktion führte zur Schließung der „Regenbogen“. Die Stadt begründet den Schritt mit stark sinkenden Kinderzahlen. Weniger Kinder bedeuten nach dem Sächsischen Kita-Gesetz weniger Personal, und die Betriebskosten pro Kind steigen. Mit der Schließung fehlen laut Stadt zwölf Integrationsplätze. Sollte es nach den Prognosen für 2028 nötig sein, soll die Schließung der „Meißner Spatzen“ erneut geprüft werden.

Stadtteilrundgänge und Baustelle am Bahnhof

Zum ersten Amtsjahr gehören auch Stadtteilrundgänge. Am 7. Oktober 2026 ging Renner gemeinsam mit Bürgermeister Sebastian Schöne und Mitarbeitern der Verwaltung durch Meißen-Cölln. Laut Bericht der Fraktion ULM waren Verkehrssicherheit am neuen Kreisverkehr Fabrikstraße und Elisabethstraße, zusätzliche Parkplätze und ein sicherer Fußgängerüberweg am früheren Landkrankenhaus die großen Themen. Die Stadt sei dazu mit dem Land wegen einer Förderung im Gespräch, der Überweg werde geprüft. Am Bahnhof entstehen vor dem Eingang ein Wasserspiel, einige  Parkplätze und viel Grün. Fertig werden soll der Bahnhofsvorplatz spätestens im zweiten Quartal 2027, die Kosten liegen bei rund einer Million Euro. Die Stadt hatte den Umbau in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn angekündigt.

Jubiläum 2029 und Tag der Sachsen

Renner ist Vorstandsvorsitzender des Vereins 1.100 Jahre Meißen. Die Stadt arbeitet auf das Jubiläumsjahr 2029 hin. Am 23. September 2026 beschloss der Stadtrat mit großer Mehrheit, sich um den Tag der Sachsen 2029 zu bewerben. Er soll vom 13. bis 15. Juli 2029 im Stadtteil Cölln und auf den Elbwiesen stattfinden. Die Stadt rechnet mit rund 300.000 Euro Eigenmitteln und zwei zusätzlichen Projektstellen für 2028 und 2029. Die Fraktion Bürger für Meißen enthielt sich mehrheitlich. Sie nennt Gesamtausgaben von 2,7 Millionen Euro und einen Eigenanteil von 350.000 Euro, sie warnt vor einem finanziellen Risiko bei angespannter Haushaltslage. Das Kuratorium entscheidet voraussichtlich Anfang Dezember 2026 über den Zuschlag.

Für Renner sei es entscheidend, die Meißnerinnen und Meißner mitzunehmen. „Eine gute Vorbereitung und ein sachlicher Austausch von Argumenten ist auf diesem Weg sehr wichtig.“ Verlässlichkeit und Bürgerbeteiligung quer durch alle Generationen seien sein Ziel. Bis 2029 werde es dafür „viele Angebote und Gelegenheiten“ geben.