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Inside Wilder Osten – Folge 1: Zwischen DDR-Nostalgie und Simson-Kult

YouTuber Tomatolix steht lächelnd an einer Landstraße vor einem Gebäude mit blauem Schild „Sex Shop“, daneben parkt ein alter Bus; gelb-schwarzer Schriftzug-Einblender „INSIDE SEX-SHOP IM OSTEN“.
Auf Spurensuche im Osten: Reporter Tomatolix besucht für seine YouTube-Reihe „Inside Wilder Osten“ außergewöhnliche Orte in Sachsen – darunter einen ländlichen Sexshop mit Zierfischverkauf und DDR-Nostalgie. Screenshot: www.youtube.com/@tomatolix
Tomatolix begibt sich auf eine Reise durch Ostdeutschland. In der ersten Folge seiner Dokumentationsreihe trifft er auf einen ungewöhnlichen Sexshop, leidenschaftliche Simson-Schrauber und einen Engländer, der in Sachsen ein ehemaliges Gefängnis betreibt. Dabei geht es um DDR-Nostalgie, politische Unzufriedenheit und die Frage, was den Osten eigentlich ausmacht.

Sachsen. Ein alter Subaru, eine Reise quer durch Ostdeutschland und Begegnungen, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Mit seiner YouTube-Reihe „Inside Wilder Osten“ will Tomatolix herausfinden, wie das Leben im Osten abseits der bekannten Schlagzeilen aussieht.

Wer ist Tomatolix?

Tomatolix ist ein YouTuber mit mittlerweile rund 2,5 Millionen Abonnenten. Er ist vor allem für seine Selbstexperimente und Reportagen bekannt, mit denen er verschiedene gesellschaftliche Themen beleuchtet und zur Aufklärung beiträgt.

2025 veröffentlichte er die erste Staffel seiner Dokumentationsreihe „INSIDE“, in der er sich mit dem Frankfurter Bahnhofsviertel beschäftigte. 2026 folgte die zweite Staffel mit dem Titel „INSIDE: WILDER OSTEN“. 

Der YouTuber ist selbst in Westdeutschland aufgewachsen und hat die DDR nicht erlebt. Sein eigenes Bild von Ostdeutschland sei deshalb vor allem durch Medien und Erzählungen anderer geprägt. Das möchte er ändern. „Ich will offen an das Thema rangehen und einfach Leute kennenlernen“, erklärt er zu Beginn der Reise.

Statt sich ausschließlich mit politischen Konflikten und Vorurteilen zu beschäftigen, sucht er den direkten Kontakt zu Menschen. Seine ersten Stationen führen ihn zu einem ungewöhnlichen Familienbetrieb, in eine Simson-Werkstatt und schließlich in ein ehemaliges Gefängnis in Sachsen.

Ein Sexshop zwischen DDR-Nostalgie und Politikfrust

Der erste ungewöhnliche Zwischenstopp liegt mitten auf dem Land. Dort betreibt eine Familie seit August 1990 einen Sexshop, in dem neben Erotikartikeln und älteren Pornofilmen auch Scherzartikel angeboten werden. Im hinteren Teil des Geschäfts werden zudem Zierfische verkauft.

Die Einrichtung ist ebenso ungewöhnlich wie das Sortiment. Zwischen Verkaufsregalen hängen DDR-bezogene Schilder und ein Bild von Erich Honecker. Für Tomatolix ist der Laden eine Überraschung: Mitten auf einer Landstraße hatte er mit einer solchen Mischung nicht gerechnet.

Der Betreiber Patrick erzählt von seinem Geschäft, seinen Stammkunden und den Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte. Dabei wird schnell deutlich, dass es ihm nicht nur um den Verkauf von Waren geht. Er kritisiert vor allem die aus seiner Sicht zunehmende Bürokratie und staatliche Bevormundung.

Auf die Frage, ob die DDR die „gute alte Zeit“ gewesen sei, antwortet er zustimmend. Er begründet seine Sichtweise mit den heutigen Vorschriften, die er als belastender empfindet als zu DDR-Zeiten.

Auch die politische Stimmung auf dem Land kommt zur Sprache. Patrick erklärt die Unzufriedenheit vieler Menschen unter anderem mit finanziellen Belastungen und politischen Vorgaben. Als Beispiel nennt er mögliche Kosten rund um Heizung und Gebäude. Viele Menschen hätten Angst, ihr über Jahre aufgebautes Eigentum nicht mehr halten zu können.

Tomatolix widerspricht nicht grundsätzlich, hinterfragt aber, ob Regeln und Kontrollen nicht auch sinnvoll sein können, wenn sie Verbraucher schützen sollen. Im Gespräch prallen damit unterschiedliche Vorstellungen von staatlicher Verantwortung aufeinander.

Der Besuch zeigt einen Menschen, der seine persönliche Lebensrealität zum Ausgangspunkt seiner politischen Kritik macht. Seine Aussagen stehen dabei für seine eigene Sichtweise und lassen sich nicht pauschal auf ganz Ostdeutschland übertragen.

Simson statt Hightech: Warum die Mopeds im Osten Kult sind

Am nächsten Morgen wartet bereits das nächste Problem. Der alte Subaru springt nicht mehr an. Der Youtuber ist ratlos und vermutet zunächst einen Fehler an der Batterie. Hilfe bekommt er von Mario, der sich mit motorisierten Zweirädern und insbesondere mit Simson-Mopeds auskennen.

Was als Pannenhilfe beginnt, entwickelt sich zu einem Einblick in eine lebendige Schrauberszene. Mario zeigt seine Werkstatt und seine Sammlung – darunter originale Fahrzeuge und aufwendig umgebaute Modelle.

Für ihn ist die Simson mehr als ein Fortbewegungsmittel. „Das ist hier natürlich so unser kleines Kulturgut“, sagt er über die Mopeds.

Die Fahrzeuge sind in Ostdeutschland bis heute verbreitet und werden von vielen Besitzern liebevoll gepflegt, repariert und individuell umgebaut. In der Werkstatt wird deutlich, wie viel Zeit, Geld und Leidenschaft in diesem Hobby stecken kann. Nach Angaben von Mario können aufwendige Umbauten weit in den fünfstelligen Bereich gehen.

Doch nicht allein der materielle Wert macht den Reiz aus. Die Szene lebt vom Austausch, von gegenseitiger Hilfe und der Freude am Selbermachen. Schrauber unterstützen sich bei Reparaturen, tauschen Teile und treffen sich zu gemeinsamen Ausfahrten.

Tomatolix darf schließlich selbst auf einer Simson fahren. Nach einer kurzen Einführung gelingt ihm die erste Runde. „Ist schon verrückt. Ich fahr jetzt gerade einfach auf der Simson durch Ostdeutschland“, kommentiert er seine Fahrt.

Der Ausflug wird zu einem der unbeschwerten Momente der ersten Folge. Gleichzeitig bekommt der Youtuber einen Eindruck davon, wie eng die Fahrzeuge mit der regionalen Identität verbunden sind.

Mario beschreibt die Begeisterung für das Hobby als etwas, das Menschen zusammenbringt. Wer selbst schraube, fahre und Erfahrungen teile, werde Teil einer Gemeinschaft.

Die Simson steht damit auch für ein Stück ostdeutscher Alltagsgeschichte, das bis heute weiterlebt.

Ein Engländer betreibt ein Gefängnis für Rollenspiele

Der nächste Stopp führt Tomatolix nach Großenhain in Sachsen. Dort lebt der Engländer Nick, der ein ehemaliges Gefängnis übernommen hat und darin sogenannte Gefängnisrollenspiele anbietet.

Das Gebäude wurde im späten 19. Jahrhundert errichtet und hat verschiedene Epochen deutscher Geschichte erlebt. Heute können Besucher dort eine nachgestellte Gefängnissituation erleben. Dazu gehören unter anderem Aufnahmeprozeduren, Durchsuchungen, Handschellen und der Aufenthalt in einer Zelle.

Nick beschreibt das Konzept als möglichst authentische Annäherung an den Gefängnisalltag. Die Teilnehmer können verschiedene Räume und Zellentypen erleben. Manche Angebote bewegen sich auch im Bereich erotischer Fantasien und BDSM.

Für Tomatolix ist die Kombination aus historischer Haftanstalt und freiwilligem Rollenspiel ungewöhnlich. Besonders die verschiedenen Räume und die Ausstattung des Gebäudes hinterlassen Eindruck.

Der Youtuber stellt auch die Frage, welche Rolle Sexualität bei solchen Rollenspielen spielt und warum Menschen sich freiwillig in eine Situation begeben, in der sie ihrer Freiheit beraubt zu sein scheinen. Die individuellen Motive können dabei unterschiedlich ausfallen – von Interesse an einer möglichst realistischen Erfahrung bis hin zu persönlichen Fantasien.

Doch der Besuch dreht sich nicht nur um das ungewöhnliche Geschäftsmodell. Nick spricht auch über seine politischen Ansichten. Der Engländer erklärt, warum er sich in Deutschland politisch zur AfD hingezogen fühlt, und kritisiert die etablierten Parteien.

Er vertritt die Auffassung, dass die Politik die Unzufriedenheit vieler Menschen verstärkt habe und dadurch die Zustimmung zur AfD gewachsen sei.

Tomatolix reagiert überrascht auf diese Haltung. Dass ein Engländer freiwillig nach Sachsen gezogen ist und die AfD unterstützt, findet er bemerkenswert. Zugleich macht er deutlich, dass er sich mit dem Thema Rechtsextremismus noch ausführlicher beschäftigen möchte.

Die Begegnung wirft damit eine Frage auf, die über das ungewöhnliche Gebäude hinausgeht: Welche politischen Erfahrungen und Überzeugungen bringen Menschen dazu, sich einer bestimmten Partei zuzuwenden?

Was macht den Osten eigentlich aus?

Die erste Folge von „Inside Wilder Osten“ zeigt verschiedene Facetten des Lebens in Ostdeutschland. Ein traditionsreicher Sexshop, eine leidenschaftliche Simson-Gemeinschaft und ein ehemaliges Gefängnis mit ungewöhnlicher Nutzung: Die Stationen haben wenig gemeinsam, machen aber deutlich, wie vielfältig die Geschichten hinter den Schlagzeilen sein können.

Dabei kommen auch Konflikte zur Sprache. Manche Gesprächspartner kritisieren staatliche Vorgaben und die etablierte Politik, andere bewahren regionale Traditionen oder verfolgen ganz persönliche Interessen.

Tomatolix möchte herausfinden, ob es den Osten überhaupt als einheitliche Region gibt. Schon die ersten Begegnungen zeigen, dass sich darauf keine einfache Antwort geben lässt. Einzelne Meinungen können Einblicke in persönliche Erfahrungen geben, stehen aber nicht automatisch für die gesamte Bevölkerung.

Der Youtuber zieht nach der ersten Etappe ein positives Fazit. Besonders die Begegnung mit den Simson-Schraubern habe ihm gezeigt, wie viel Begeisterung und Gemeinschaft in einem scheinbar einfachen Hobby stecken können.

Die Reise ist damit erst am Anfang. In den kommenden Folgen will sich Tomatolix weiteren Menschen und Themen widmen, um sein Bild von Ostdeutschland zu erweitern.

Die erste Folge macht vor allem eines deutlich: Wer den Osten verstehen möchte, muss mehr tun, als Schlagzeilen zu lesen. Er muss hinfahren, zuhören und sich mit den Menschen vor Ort auseinandersetzen.

Dies war allerdings erst die erste Folge der Serie. In den nächsten Folgen werden wir weitere Einblicke in „INSIDE: WILDER OSTEN“ bekommen. Am Ende wollen wir dann beurteilen, wie gut Tomatolix den Osten mit seiner Dokumentation tatsächlich getroffen hat und ob seine Darstellung die Lebensrealität der Menschen dort widerspiegelt.

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