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Museumschef wirft May-Kritikern Unwissenheit vor

Der Leiter des Karl-May-Hauses in Hohenstein-Ernstthal hat Kritikern der jüngsten Winnetou-Kinderbücher viel Unwissenheit und Oberflächlichkeit vorgeworfen. «Ich würde mir wünschen, dass diejenigen, die diese Debatte losgetreten haben, ein Karl-May-Buch zur Hand nehmen und lesen», sagte André Neubert der Deutschen Presse-Agentur. Dann würden sie mit Sicherheit zu einer anderen Einschätzung kommen. Er bedaure, dass die Firma Ravensburger die Bücher aus dem Verkauf genommen habe. Nach seiner Einschätzung handle es sich bei den Kritikern um eine kleine, lautstarke Gruppe, die sich Argumenten verschließe. Das Ganze komme einer Bevormundung anderer gleich. Ihn selbst nerve die Debatte, sagte Neubert.

Karl May sei ein Kritiker des Kolonialismus und ein Pazifist gewesen, betonte der Historiker. Er habe sich sehr für die Völkerverständigung eingesetzt. Das zeige sich besonders in der Blutsbrüderschaft zwischen den Romanfiguren Winnetou und Old Shatterhand. Angesichts der aktuellen Krisen und Kriege in der Welt, müsse eher mehr als weniger Karl May gelesen werden, sagte Neubert am Donnerstag.

Mays Werk sei in mehr als 40 Sprachen übersetzt worden. Darin zeige sich, dass es über nationale Grenzen hinweg Anklang finde, erklärte Neubert. Zudem verwies der Fachmann auf die vielen erfolgreichen Verfilmungen und Aufführungen. May sei kein Historiker, Politiker oder Geograf, sondern ein Schriftsteller gewesen. Er habe sich selbst stets als Märchen- und Geschichtenerzähler bezeichnet.

Nach Kritik hatte Ravensburger zwei Winnetou-Kinderbücher zu einem Kinofilm aus dem Verkauf genommen. Demnach hätten die Titel Gefühle anderer verletzt. Man sei angesichts der geschichtlichen Wirklichkeit und der Unterdrückung der indigenen Bevölkerung zu der Überzeugung gekommen, dass hier ein «romantisierendes Bild mit vielen Klischees» gezeichnet werde, hieß es. Eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov hatte derweil ergeben, dass gut zwei Drittel der Bundesbürger die Entscheidung für falsch halten.

Der Abenteuerschriftsteller Karl May (1842-1912) ist in Hohenstein-Ernstthal (Landkreis Zwickau) geboren. In seinem Geburtshaus befindet sich heute ein Museum samt Forschungsstätte. Das Museum hatte das kritisierte Kinderbuch «Der junge Häuptling Winnetou» zum Buch des Monats gekürt und als «sehr empfehlenswert» bezeichnet. Doch seien auch dort die letzten Exemplare inzwischen vergriffen, bedauerte Museumsleiter Neubert.

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