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So werden Sachsens Stromnetze geschützt

So werden Sachsens Stromnetze geschützt
In Ostsachsen fand die Polizei insgesamt 21 pyrotechnische Sprengvorrichtungen an Hochspannungstrassen. (Archivbild) / Foto: Jürgen Lösel/dpa
Von: DieSachsen News
Wie sichern Betreiber und Regierung Sachsens 82.000 Kilometer Stromnetz gegen Angriffe? Ein Überblick zu aktuellen Maßnahmen und Plänen.

Nach den Sabotage-Angriffen auch auf das sächsische Stromnetz steht die Sicherheit der Versorgung im Fokus. Allein im Freistaat versuchte der 48-jährige mutmaßliche Täter mit 21 Sprengvorrichtungen für großflächige Stromausfälle zu sorgen. Als die Polizei sie entdeckte, waren einige bereits gezündet, ein Schaden am Netz entstand aber nicht. Doch wie gut ist das Stromnetz gegen solche Angriffe gewappnet – und was passiert, wenn tatsächlich Teile der Versorgung ausfallen?

Wie groß ist das sächsische Stromnetz?

Das Stromnetz setzt sich aus einer Verteil- und einer Übertragungsnetzebene zusammen. Das Stromnetz der regionalen und lokalen Verteilnetzbetreiber, die beispielsweise Privathaushalte versorgen, hat laut Angaben des Energieministeriums eine Gesamtlänge von 82.000 Kilometern. Versorgt wird dieses vom Übertragungsnetz mit etwa 1.000 Kilometern Länge. 

Der größten Netzbetreiber in Sachsen sind SachsenNetze, die für etwa 25.000 Kilometer des Netzes in der Region um Dresden und Ostsachsen zuständig sind, und Mitnetz mit insgesamt 71.000 Kilometern Leitungen in Sachsen sowie den Nachbarländern Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Hinzu kommen die kommunalen Netzbetreiber wie Stadtwerke.

Wie wird das Stromnetz gesichert?

Der Energiesektor zählt zur kritischen Infrastruktur, also zu den Einrichtungen, die wichtig sind für das Funktionieren eines Gemeinwesens. Der Schutz vor Sabotage besteht vor allem aus technischen Vorkehrungen, Notfall- und Wiederanlaufplänen. Regelmäßig finden dazu Risikobewertungen der physischen Sicherheit von Stromnetzen und Anlagen statt, wie der Betreiber SachsenNetze mitteilte. 

Teil der Analyse sind Auswirkungen und Wahrscheinlichkeiten von Gefahren oder Störungen. Aus den Ergebnissen werden gezielte Schutzmaßnahmen abgeleitet, die Risiken minimieren und die Widerstandsfähigkeit gegen externe Einflüsse erhöhen sollen.

Die konkreten Maßnahmen hängen laut SachsenNetze von der einzelnen Anlage und dem Umfeld ab. Dazu gehören sowohl aktive als auch passive Sicherheitsvorkehrungen wie Zäune, Überwachungssysteme und Zugangskontrollen. Auch technische Maßnahmen wie Firewalls, Verschlüsselungen und regelmäßige Sicherheitsupdates für IT-Systeme sind Teil des Schutzsystems.

Wie häufig sind Stromausfälle?

Zu konkreten Sicherheitsvorfällen sowie zu deren Anzahl mache man grundsätzlich keine Angaben, teilte SachsenNetze mit. Das deutsche Stromversorgungssystem zähle aber grundsätzlich zu den sichersten und zuverlässigsten weltweit. 

Das zeigt auch ein Blick in die Statistik zu Versorgungsunterbrechungen der Bundesnetzagentur. In Sachsen mussten Verbraucher demnach im gesamten Jahr 2024 lediglich rund 9 Minuten ohne Strom auskommen. Seit 2008 hat sich dieser Wert in etwa halbiert.

Wie bereiten sich die Netzbetreiber auf Krisenfälle vor?

Für verschiedene Krisenszenarien liegen laut SachsenNetze Notfallpläne vor, die auch die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen einschließen. Der Umgang mit Störungen sowie der Netzwiederaufbau bei Ausfällen wird demnach regelmäßig mit den Mitarbeitern trainiert. Oberstes Ziel ist dabei eine schnelle Wiederversorgung und Vorbeugung durch gute Vorbereitung. 

Rund um die Uhr besetzte Leitstellen, ein Bereitschaftssystem und ein Krisenmanagementsystem sorgen dafür, dass im Fall einer Störung Mitarbeiter schnell vor Ort sein können.

Um die Versorgung auch im Krisenfall zu sichern, ist das Netz redundant aufgebaut. Es gibt also mehr Kapazitäten als im Normalfall nötig, die bei Ausfällen genutzt werden können. Darüber hinaus gibt es laut SachsenNetze Netzersatzanlagen, um die Wiederversorgung zu unterstützen. 

Was hat sich seit dem mehrtägigen Stromausfall in Berlin Anfang des Jahres geändert?

Bereits im vergangenen Jahr habe man über die veränderte Bedrohungslage gesprochen, sagte Energieminister Dirk Panter (SPD) in der vergangenen Woche in Dresden. Der Vorfall in Berlin sei dann ein Katalysator für eine nähere Betrachtung der Energienetze gewesen. 

Panters Ministerium erarbeitete eine Kabinettsvorlage mit 18 Einzelpunkten für einen besseren Schutz der Versorgungssicherheit, über die nun schnell entschieden werden soll. Dabei geht es etwa um Verantwortung im Krisenfall und abgestimmtes Handeln von Vorsorge, Gefahrenabwehr und Katastrophenschutz. 

Im März war auf Bundesebene das Gesetz zur Stärkung der physischen Resilienz kritischer Anlagen (Kritis-Dachgesetz) in Kraft getreten, das die gesetzlich geregelten Pflichten für Betreiber kritischer Infrastruktur verschärft. Das gilt sowohl für den Schutz vor Cyberattacken als auch für den physischen Schutz. Etwa sind Risikoanalysen vorgeschrieben, Sicherheitsvorfälle müssen gemeldet werden. Darauf aufbauend prüft Sachsen aktuell ein eigenes Gesetz, um etwa festzulegen, ab welcher Größe Unternehmen und Betreiber unter die Regelungen fallen.

Für den Krisenfall will die sächsische Regierung außerdem ein zusätzliches Gremium einrichten. Darin sollen alle relevanten Sektoren, etwa Ernährung, Gesundheit und Energie, mit Staatssekretären und Verantwortlichen der betroffenen Organisationen vertreten sein.

Wie kann das Netz besser geschützt werden?

Der Schutz muss laut Energieminister Panter neu ausgerichtet werden. Das Stromnetz sei in der Vergangenheit auf die Verhinderung und die schnelle Behebung von Havarien ausgerichtet gewesen. «Da waren auch Kosten und Energieeffizienz ein Maßstab.» Jetzt gehe es aber um Angriffe inländischer Terroristen oder feindlicher staatlicher Einrichtungen, daher müsse es mehr um Schutz gehen. 

Innenminister Armin Schuster (CDU) sprach sich etwa dafür aus, den Betreibern mehr Spielräume bei der Überwachung ihrer eigenen Anlagen mit Drohnen einzuräumen. Sie sollen auch intelligente Videoüberwachung mit Alarmanlagen einsetzen dürfen. Ähnlich sieht das auch der Betreiber SachsenNetze. Man brauche eine umfänglichere und rechtssichere Handhabe, die Anlagen zu schützen, teilte die Sprecherin mit.

Ein weiterer Aspekt ist die öffentliche Verfügbarkeit der Informationen über das Stromnetz. Wegen umfassender Transparenzverpflichtungen sind sämtliche Angaben zu Standortdaten, Netzverbindungen und Leistungen online zu finden. Schuster wie auch der Branchenverband BDEW fordern auch hier Anpassungen von der EU und dem Bund.

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