Hafthäuser und Gefängnismauer der neuen JVA in Zwickau ragen in die Höhe, doch in einigen Bauten des künftigen Großgefängnisses steckt erheblicher Pfusch. Von mehr als 200 Mängeln spricht der technische Geschäftsführer des Sächsischen Immobilien- und Baumanagements, Falk Reinhardt. Einige seien so gravierend, dass zurückgebaut werden müsse. Als Beispiele nennt er den Estrich in Gebäuden und die horizontale Elektroverkabelung. An den Fassaden gebe es Feuchtigkeit in der Dämmung. Inwieweit auch hier Rückbau erforderlich ist, werde gutachterlich geprüft.
Thüringen sieht Schmerzgrenze erreicht
Zugleich behält sich Thüringen vor, seinen Anteil an dem Projekt zu verringern oder ganz auszusteigen, sollten die Kosten und der Zeitplan erneut aus dem Ruder laufen. Die Summe sei für Thüringen die «Schmerzgrenze», betonte der Staatssekretär des Erfurter Bauministeriums, Tobias Knoblich. Das Land muss sich laut Staatsvertrag bisher anteilig an den Kosten beteiligen.
Für den immensen Kostenanstieg verwies Sebastian Hecht, Staatssekretär im sächsischen Finanzministerium, auf die deutliche Teuerung bei Energie- und Materialkosten. Eine umfangreiche Analyse habe jedoch ergeben, dass das Vorhaben weiterhin wirtschaftlich sei. Die Kosten pro Haftplatz lägen bei etwa 580.000 Euro. Bei Neubauprojekten in anderen Bundesländern werde inzwischen mit mehr als 1 Million Euro pro Haftplatz kalkuliert, sagte Hecht. Es gebe aber weiterhin Risiken in der Finanzierung, räumte er ein. Für 20 Prozent des Vorhabens seien die Kosten heute nicht genau abzuschätzen.