Margo Junique: Die Görlitzerin bei "The Voice of Germany"
Draußen Spätsommer, drinnen eine junge Frau, die gerade im Fernsehen zu sehen war. Margo Junique ist 19, kommt aus Frankreich, lebt seit zwölf Jahren in Görlitz – und steht in der aktuellen Staffel von „The Voice of Germany“. Ihre Blind Audition lief am 2. Oktober auf Sat.1. Gebuzzert hat nur Rea Garvey – also ist Margo im Team Rea. Damit hat sie die erste Hürde genommen. Die Ausstrahlung der Battles beginnt am 17. Oktober auf ProSieben oder online auf Joyn.
Wir haben Margo Junique zu uns ins Podcaststudio eingeladen, um mit ihr über ihren Weg zu sprechen. Sie erzählt von ihrer Kindheit zwischen Frankreich und Deutschland, von einem Klavier, das ihr in einer schwierigen Zeit Halt gab, und von einem Song, der als Geburtstagsgeschenk begann.
„Mir geht’s gut, aber ich bin immer noch sehr aufgeregt“, sagt sie. „Es ist so ein Schock gewesen, mich selbst im Fernsehen zu sehen, dass ich kurz noch Ruhe brauche, um mich davon zu erholen.“
Dabei begann alles viel früher. Mit acht Jahren kam sie nach Görlitz – ohne ein Wort Deutsch zu sprechen. „Es war eine große Challenge. Ich konnte Hallo sagen und ein kleines Kinderlied singen, aber es war ein kultureller Schock. Das größte Problem war die Kommunikation. Ich habe nicht verstanden, was Lehrer mir gesagt haben oder Mitschüler. Es war wirklich kompliziert, auch meine Familie in Frankreich zu lassen. Ich hatte das Glück, dass es an meiner ersten Grundschule DaZ gab – Deutschunterricht für Ausländer. Nach zwei Monaten konnte ich schon vieles verstehen und kommunizieren. Ich hatte das Glück, dass ich nur acht war. Man lernt so viel schneller.“
Ein Vater, eine Gitarre, viele Akkorde
Musik begleitete sie von Anfang an. „Mein Papa hatte so diesen Traum, als er jung war, in einer Band zu spielen, was er auch gemacht hat, aber er hat es nicht weitergeführt. Für mich dachte er, dass es eine Möglichkeit wäre, zu kommunizieren. Erst hatten meine Eltern mich zum Klavierunterricht geschickt – klassisches Klavier. Aber in meiner Familie sind wir alle sehr kreativ und mein Papa dachte sofort: Nee, sie muss ihre eigenen Sachen auch schreiben können. Dann haben wir angefangen, die Akkorde zusammenzulernen. Er an der Gitarre, ich am Klavier. Das hat mich sehr motiviert. Er hat mir auch immer Challenges gegeben: Am Ende der Woche musst du das spielen können.“
Ihre ersten Auftritte waren Musikschulpodien im Ratscafé, später Südfrankreich vor 600 Leuten. „Die stressigsten Momente waren erst mal bei den Musikschulpodien. Vielleicht 70 bis 100 Leute – nicht so viele. Aber es waren die ersten Male, wo ich tatsächlich vor Fremden gesungen habe. In Frankreich habe ich auch meinen eigenen Song gesungen. Da war ich irgendwie freier, in einer Safe Place, obwohl es mehr Leute gab. Auf einer größeren Bühne hat man mehr Abstand zum Publikum. Im Ratscafé ist man sehr nah dran. Es ist sehr beeindruckend.“
Musik sei wie ein Ventil gewesen, sagt sie. „Als ich nach Deutschland gekommen bin, konnte ich nicht so gut kommunizieren. Ich war ziemlich allein, weil meine Familie in Frankreich war. Die Möglichkeit, die ich gefunden habe, mich auszudrücken, war das Klavier. Ich dachte, niemand versteht, was ich durchlebe. Die anderen Kinder wissen gar nicht, wie es sich anfühlt. Und das Klavier hat mich immer verstanden.“
Von Südfrankreich über Berlin zurück nach Görlitz
Nach dem Abitur am Annengymnasium ging es für ein Jahr an eine Gesangsschule nach Südfrankreich, danach nach Berlin – Straßenmusik, Open-Mic-Veranstaltungen. Heute arbeitet sie im Marketing des Maschinenbauunternehmens ihrer Eltern. „Ich habe das Glück, dass meine Familie mich unterstützt und an mich glaubt. Würde ich allein sein in dieser ganzen Sache, wäre es viel schwerer, an mich zu glauben und das durchzuziehen.“
Ein Song als Geburtstagsgeschenk
Am 31. Juli veröffentlichte sie ihre erste Single. „Das Lied heißt ‚Stuck in my Mind‘. Er entstand 2024, als ich in Frankreich war. Ich habe meine Familie und meinen Freund so vermisst und kam dann zurück für die Ferien. Dann war der Geburtstag von meinem Freund und ich hatte kein Geschenk. Ich dachte: Was geht jetzt schnell …? Ich habe eine Nacht geschrieben und es entstand ein toller Pop-Song. Es geht darum, dass man seine geliebten Menschen vermisst, aber sich immer an die schönen Momente erinnern kann. Es ist ein Liebessong, aber auch ein Song, der Kraft gibt für schwierige Momente.“
Auf die Frage, in welcher Sprache sie denkt, wenn sie Songs schreibt, sagt sie: „Selbst in meinem Alltag weiß ich nicht, in welcher Sprache ich denke. Es hängt von der Situation ab. Wenn ich Akkorde spiele, die jazzy sind, höre ich Englisch. Wenn Sänger ein Lied schreiben, singt man irgendwas drauf und bei mir kommt immer Englisch raus.“
Wie würde ein Song für Görlitz klingen? „Ein melancholischer, nostalgischer Song mit einem kleinen Zwiespalt, vielleicht ein Mix von zwei Genres. Für mich ist Görlitz meine Heimat, aber irgendwie auch nicht. Ich habe mir immer die Frage gestellt: Wo komme ich eigentlich her, zwischen Frankreich und Görlitz? Ich fühle mich wohl, aber es fühlt sich nicht 100-prozentig wie zu Hause an, weil ich eben zwei zu Hause habe. Deswegen wäre es vielleicht ein spezieller Song, eine Mischung.“
Wie läuft „The Voice of Germany“ ab?
„Man bewirbt sich im Internet mit ein paar Videos, füllt ein Formular aus, dann gibt es Vorcastings – mit Videos, aber auch in Präsenz. Dann kommt man zu den Blind Auditions. Da gibt es vier Stühle, also vier Coaches. Dieses Jahr sind es Nico Santos, Shirin David, Rea Garvey und Michi und Smudo. Man singt auf dieser Bühne und hofft, dass sich jemand umdreht. Das ist der erste Schritt.“

Foto: Joyn / Richard Hübner
„Die Stimmung war so toll“
Was hat sie hinter den Kulissen überrascht? „Man könnte sich vorstellen, dass bei Gesangsshows Konkurrenz herrscht und man unter Kandidaten ein bisschen fies ist. Aber die Stimmung war so toll, wir haben uns alle gegenseitig unterstützt. Es gibt Momente, in denen man zweifelt, und wir waren alle füreinander da. Es war eine tolle Erfahrung, auch diese Leute kennenzulernen.“
Kennen die anderen Görlitz? „Viele kennen Görlitz gar nicht. Ich erzähle, dass es an der Grenze zu Polen ist, dass es eine Stadt mit wunderschöner Architektur ist und vor allem, dass es Görlywood ist – es werden Filme gedreht. Ich erzähle ein bisschen über die Region.“
Gab es einen intensivesten Moment? „Es war alles so intensiv. Bei ‚The Voice‘ öffnet sich eine Tür – man steht hinter einer großen Tür, sie öffnet sich und man läuft auf die Bühne. Bei mir hat es nicht funktioniert. Man hat mir gesagt: Okay, du kannst losgehen. Ich habe meine ganze Kraft zusammengesammelt und die Tür hat sich nicht geöffnet. Dann musste ich noch extra zwei Minuten warten. Das war ein Höhepunkt von Stress.“
„Mein großer Traum: von meiner Musik zu leben“
Was kommt als Nächstes? „Mein großer Traum wäre es, von meiner Musik zu leben. Ich plane eine EP – sehr akustisch, emotional, mit viel Klavier, hoffentlich Streichern. Die Lieder sind schon geschrieben, ich muss sie nur noch ausarbeiten und produzieren. Wann sie erscheint? Das ist ein Geheimnis, ich arbeite noch dran.“
Und wo findet man Margo Im Internet? „Mein Lied könnt ihr überall hören – YouTube, Spotify, Apple Music. Sonst bin ich auf Instagram, Facebook, TikTok, da gibt es auch kleine Covers und meine Abenteuer.“
„Das Wichtigste ist, an sich selbst zu glauben“
Was gibt sie jungen Menschen mit, die von der Musik träumen? „Das Wichtigste ist, an sich selbst zu glauben. Oft hat man keine Unterstützung. In der Schule hat niemand wirklich gesehen, was meine Ziele waren, meine Träume. Ich hatte das Glück, meine Familie zu haben. Aber das Wichtigste und Schwierigste ist, an sich selbst zu glauben und sich sein Ziel bildlich vorzustellen: Das will ich machen. Jeden Tag daran denken und jeden Tag so arbeiten, dass man es wirklich erreicht.“
„The Voice of Germany“ läuft freitags und samstags auf ProSieben und Sat.1, bei Joyn eine Woche früher. Der Podcast „Lausitz heute“ ist eine Produktion der Lausitzer Wortmanufaktur aus Bautzen. Die aktuelle Episode mit Margo Junique ist überall da zu hören, wo es Podcasts gibt und auf der Website der Lausitzer Wortmanufaktur.