Gerhart-Hauptmann-Theater gerettet – aber zu welchem Preis?
Beschluss mit weitreichenden Folgen für das Theater
Der Kreistag des Landkreises Görlitz hat am Nachmittag in einer Sondersitzung mehrheitlich die Zukunftskonzeption für die Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau GmbH beschlossen. Mit der Entscheidung für die Handlungsoption A werden die finanziellen Rahmenbedingungen bis weit in die kommenden Jahre festgelegt. Gleichzeitig verlangt der Beschluss spürbare strukturelle Veränderungen im Theaterbetrieb.
Landrat Dr. Stephan Meyer sprach von einem Bekenntnis zum Theater und seinen vier Sparten. Doch hinter der politischen Absicht steht vor allem eine harte Realität: Das Haus soll erhalten bleiben, aber unter deutlich engeren finanziellen Vorgaben. Damit verschiebt sich die Debatte von der Frage des Erhalts hin zur Frage, was das Theater künftig noch leisten kann.
Finanzielle Obergrenze statt offener Zukunft
Der Landkreis begrenzt seinen Zuschuss ab 2029 auf 4,5 Millionen Euro jährlich, ab 2030 soll er um drei Prozent steigen. Für die Jahre 2027 und 2028 sind Liquiditätsdarlehen vorgesehen. Das schafft zwar Planungssicherheit, setzt das Theater aber zugleich unter erheblichen Anpassungsdruck.
Steigende Kosten müssen künftig durch mehr Eigenerträge, Effizienzsteigerungen oder eine veränderte Angebotsstruktur aufgefangen werden. Genau hier liegt die kritische Stelle des Beschlusses: Kulturelle Aufgaben werden an wirtschaftliche Kennzahlen gebunden, ohne dass klar ist, wie dies ohne Qualitätsverlust gelingen soll.
Mehr Eigenwirtschaftlichkeit, weniger Spielraum
Die Geschäftsführung soll auf eine Eigenwirtschaftsquote von 15 Prozent verpflichtet werden. Außerdem stehen ein Haustarifvertrag, eine mögliche Verkleinerung des Orchesters und ein reduziertes Musiktheaterensemble im Raum. Auch eine gemeinsame kulturraumweite Struktur wird geprüft, allerdings nur bei zusätzlicher Finanzierung durch andere Partner.
Der Beschluss macht deutlich, dass der Landkreis keine zusätzliche Belastung über die neue Grenze hinaus akzeptieren will. Für Beschäftigte und Publikum bedeutet das: Die Zukunft des Hauses bleibt zwar gesichert, aber unter der stillen Vorbedingung, dass weniger Ausgaben, weniger Personal oder ein kleineres Angebot in Kauf genommen werden.
Kulturpolitisch wichtig, wirtschaftlich angespannt
Das Gerhart-Hauptmann-Theater bleibt eine zentrale kulturelle Einrichtung der Oberlausitz. Es prägt die Lebensqualität, die kulturelle Bildung und die regionale Attraktivität. Gerade deshalb ist der Kurs des Kreistags ambivalent: Er schützt das Theater, begrenzt aber zugleich dessen Entwicklungsmöglichkeiten.
Nun müssen konkrete Maßnahmen ausgearbeitet und mit den Mitgesellschaftern abgestimmt werden. Ob die Zukunftskonzeption am Ende mehr Stabilität oder vor allem schmerzhafte Einschnitte bringt, wird sich erst in den kommenden Verhandlungen zeigen.