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Protest für die Energiewende: Am 24. April demonstriert Fridays for Future in ganz Deutschland

Fridays for Future Demo in Deutschland
Symbolbild Fridays for Future / pixabay dmncwndrlch
Von: Eberhard Grün
Eine Woche nach den bundesweiten Großdemos mit über 80.000 Teilnehmenden ruft Fridays for Future für den 24. April 2026 zu dezentralen Aktionen in Dutzenden Städten auf – auch in Sachsen. Hintergrund ist eine sich zuspitzende Debatte über die Zukunft der deutschen Energiepolitik.

Motivation: 80.000 Menschen auf der Straße – und jetzt erst recht

Am vergangenen Samstag, dem 18. April 2026, gingen unter dem Motto „Erneuerbare Energien verteidigen!" in vier deutschen Großstädten gleichzeitig Menschen auf die Straße. Laut Angaben der Veranstalter – einem breiten Bündnis aus Campact, Deutsche Umwelthilfe, Fridays for Future, Greenpeace, Germanwatch, GermanZero und WWF Deutschland – nahmen bundesweit rund 80.000 Menschen an den Protesten teil. Allein in Berlin kamen nach Veranstalterangaben 24.000 Demonstrierende zusammen, in München waren es demnach rund 12.000.

Anlass für die Proteste war die Energiepolitik der Bundesregierung, konkret der Kurs von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), die den Ausbau erneuerbarer Energien nach Einschätzung der Organisatoren aktiv bremst. Zeitgleich treibt der anhaltende Iran-Krieg die Öl- und Gaspreise in die Höhe und macht für viele Menschen die Abhängigkeit von fossilen Energien spürbar greifbar – an der Zapfsäule, auf der Heizkostenabrechnung, im Supermarkt. Das Bündnis sieht darin ein Argument mehr für eine konsequente Energiewende: Wer auf erneuerbare Energien setzt, macht sich unabhängig von Kriegen und Autokraten.

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Diesen Schwung will Fridays for Future eine Woche später in die Fläche tragen. Am 24. April soll der Protest aus den Metropolen in alle Regionen des Landes getragen werden – mit dem erklärten Ziel, in möglichst jedem Wahlkreis eine sichtbare Aktion zu organisieren.

Die Demos am 24. April in Sachsen

In Sachsen sind bisher bereits drei Veranstaltungen geplant:

  • Dresden – 14:00 Uhr, Schlossplatz (Laufdemo; mehr Infos: fffdd.de)
  • Freiberg – 17:00 Uhr, Petriplatz
  • Leipzig – 16:00 Uhr, Kleiner Wilhelm-Leuschner-Platz (Kundgebung mit Energierechnung und Benzin-Cocktails; mehr Infos: fffleipzig.de)

Bundesweit sind Aktionen in über 50 Städten geplant, von Aachen bis Würzburg. Das Format reicht von klassischen Laufdemos über Kundgebungen bis hin zu kreativen Aktionsformen wie Kreidemalerei oder symbolischen Trauerkundgebungen.

Was Fridays for Future fordert

Fridays for Future erhebt sowohl langfristige Grundsatzforderungen als auch konkrete Anforderungen an die aktuelle Bundesregierung. Im Kern geht es um Klimaneutralität bis 2035, den Kohleausstieg bis 2030 und eine vollständig erneuerbare Energieversorgung bis 2035. Darüber hinaus fordert die Bewegung das Ende der Subventionen für fossile Energieträger sowie eine CO₂-Steuer in Höhe von 180 Euro pro Tonne – ein Wert, der laut Umweltbundesamt den tatsächlichen gesellschaftlichen Schäden durch Treibhausgasemissionen entspricht.

In ihren aktuellen Forderungen für die laufende Legislatur – den sogenannten 100-Tage-Forderungen 2025 – verlangt FFF von der CDU/SPD-Bundesregierung konkret: die Wiedereinführung verbindlicher Sektorziele im Klimaschutzgesetz, einen klaren Plan für den Gasausstieg bis 2035 sowie Sofortprogramme für eine sozial gerechte Wärmewende, den Ausbau des Schienennetzes und ein bezahlbares Deutschlandticket. Fossile Subventionen sollen sofort gestrichen werden.

Den Beweggrund benennt FFF-Sprecher Yasin Hinz deutlich: Die Klimakrise sei keine ferne Prognose mehr, sondern eine täglich erfahrbare Realität. Jede neue Investition in fossile Infrastruktur verlängere diese Krise – und widerspreche dem, was wissenschaftlich notwendig wäre.

Was die Wissenschaft sagt: PIK-Studie setzt Maßstäbe für Europa

Die Forderungen der Klimaschutzbewegung erhalten Rückendeckung aus der Forschung. Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) hat am 16. April 2026 eine umfangreiche Modellstudie in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht, die konkrete Zwischenziele auf dem Weg zur europäischen Klimaneutralität 2050 benennt.

Das Ergebnis: Um das 2050-Ziel kosteneffizient zu erreichen, müsste die EU ihre Netto-Treibhausgasemissionen bis 2040 gegenüber dem Stand von 1990 um rund 86 Prozent reduzieren. Der EU-Klimabeirat hatte sogar 90 bis 95 Prozent empfohlen, auch aus Gründen globaler Klimagerechtigkeit; die EU-Kommission schlug daraufhin ein Reduktionsziel von 90 Prozent vor. Laut PIK steht die mit diesem Ziel verträgliche EU-interne Reduktion von 85 Prozent im Einklang mit einer wirtschaftlich sinnvollen Transformation.

Konkret bedeutet das laut Studie: Die Stromerzeugung aus Wind und Sonne muss bis 2040 auf das Siebenfache des Niveaus von 2018 bis 2022 ansteigen (Bandbreite: vier- bis achtfach). Der Anteil von Strom am gesamten Endenergieverbrauch muss von etwa 20 Prozent auf rund 49 Prozent wachsen. Gleichzeitig würde die Nachfrage nach Erdgas und Erdöl im Referenzszenario um 60 Prozent sinken – was Europa strategisch unabhängiger von fossilen Exportländern machen würde.

PIK-Forscher Renato Rodrigues, Leitautor der Studie, betont: Eine konsequente Dekarbonisierung stärke Europa nicht nur klimatisch, sondern auch wirtschaftlich und geopolitisch. Zugleich weist sein Kollege Robert Pietzcker darauf hin, dass die 86-Prozent-Marke eine rein techno-ökonomische Untergrenze darstelle – Fragen der globalen Lastenteilung und Klimagerechtigkeit könnten höhere Ambitionsniveaus rechtfertigen.

Als ermutigend wertet das Forschungsteam, dass das notwendige jährliche Wachstum bei Wind- und Solarstrom im Zeitraum 2021 bis 2025 bereits einmal erreicht wurde – maßgeblich angetrieben durch politische Reaktionen auf die Energiepreiskrise. Das zeigt: Das Tempo ist machbar, wenn der politische Wille vorhanden ist.

Breiter gesellschaftlicher Rückhalt, politischer Gegenwind

Die aktuellen Klimaproteste finden in einem politisch angespannten Klima statt. Während die Wissenschaft klare Handlungspfade vorzeichnet und eine breite Zivilgesellschaft – von Umweltverbänden über Sozialorganisationen bis hin zu Wirtschaftsvertreterinnen und -vertretern – für mehr Tempo bei der Energiewende eintritt, sendet die Bundesregierung nach Einschätzung vieler Beobachter widersprüchliche Signale. Wirtschaftsministerin Reiche hat sich öffentlich für neue Gasinvestitionen ausgesprochen und Pläne vorgelegt, die nach Ansicht der Protestbewegung den Ausbau erneuerbarer Energien strukturell bremsen würden.

Die Zahlen der Demo vom 18. April zeigen: Das Thema mobilisiert weit über die klassische Klimaschutzcommunity hinaus. Solardachbesitzer, Handwerksbetriebe, Mieterinnen und Mieter, Wohlfahrtsverbände – sie alle sehen sich von steigenden Energiepreisen und fossiler Abhängigkeit direkt betroffen. Der 24. April ist der Versuch, diesen breiten Rückhalt auch abseits der Großstädte sichtbar zu machen.

Quellen

  • Fridays for Future Deutschland – Forderungen: fridaysforfuture.de/forderungen
  • Fridays for Future Deutschland – Aktionstag 24.4.2026: fridaysforfuture.de/aktionstag-24-4-2026
  • Fridays for Future Deutschland – Streiktermine: fridaysforfuture.de/streiktermine
  • Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) – „Was Europa bis 2040 schaffen sollte, um zehn Jahre später klimaneutral zu sein", 16.4.2026: pik-potsdam.de
  • Rodrigues et al. (2026): „2040 greenhouse gas reduction targets and energy transitions in line with the EU Green Deal." Nature Communications. DOI: 10.1038/s41467-026-71159-8
  • ZDFheute – „Zehntausende protestieren gegen Energiepolitik", 18.4.2026: zdfheute.de
  • Campact – Pressemitteilung zur Demo am 18.4.2026: campact.de
  • WWF Deutschland – „Erneuerbare Energien verteidigen": wwf.de/energiewende-demo
Eberhard Grün
Artikel von

Eberhard Grün

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