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Glück auf zum Tag des offenen Denkmals in Freiberg

Wasserrad in alter Bergbaustätte Turmhofschacht
aktives Vereinsmitglied Dr. Eulenberger in der Pochradanlage Turmhofschacht I Foto: Albrecht Holländer Artworks
Von: ehrensache.jetzt Bürgerstiftung Dresden
Was haben ein historisches Wasserrad, ein gewaltiges Gebläse und ein Silberbergwerk gemeinsam? Sie erzählen von der Zeit, als der Bergbau die Stadt Freiberg und die Region prägte – und sie werden bis heute von engagierten Menschen erhalten. Zum Tag des offenen Denkmals am 13. September 2026 können Besucher drei besondere Zeugnisse der Freiberger Bergbaugeschichte entdecken.

Am 13. September öffnen in ganz Sachsen zahlreiche Denkmale ihre Türen und machen Geschichte vor Ort erlebbar. Mehr als 600 Bauwerke können in Sachsen entdeckt werden. Darunter sind auch viele Orte, die ihre Türen sonst nur selten für Besucher öffnen. Unter dem Motto „NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur“ rückt der Aktionstag in diesem Jahr Verbindungen in den Mittelpunkt.  Historische Gebäude, technische Anlagen, Kirchen, Industrie- und Kulturerbestätten geben Einblicke in vergangene Zeiten. Wer sich einen Überblick über die geöffneten Denkmale und Veranstaltungen verschaffen möchte, findet ihn auf der offiziellen Webseite des Tags des offenen Denkmals.

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Bergbaugeschichte im Mittelpunkt

Auch in Freiberg und Umgebung lässt sich an diesem Tag tief in die Geschichte eintauchen. Denn der historische Bergbau war selbst ein großes Netzwerk: Silber und andere Erze wurden nicht einfach aus dem Berg geholt. Bergleute folgten den Erzadern immer tiefer in den Untergrund, während Schächte, Stollen, Wasseranlagen, Pochwerke und Hütten zusammenspielen mussten. Wasser wurde genutzt, um Gruben zu entwässern und Maschinen anzutreiben, Erz zerkleinert und anschließend in den Hütten weiterverarbeitet. Über Jahrhunderte entstand rund um Freiberg ein weit verzweigtes technisches Netz, dessen Spuren bis heute sichtbar sind. Der Bergbau war deshalb nie nur eine Angelegenheit unter Tage – er prägte die Landschaft und erforderte eine umfangreiche technische Infrastruktur. Viele dieser Anlagen sind heute wichtige Zeugnisse der Montangeschichte.

Dass sie erhalten geblieben sind und ihre Geschichte weiterhin vermittelt werden kann, ist vielfach dem Engagement von Vereinen und ehrenamtlich Aktiven zu verdanken. Drei Beispiele zeigen am Tag des offenen Denkmals, wie unterschiedlich die historischen Orte sind und auf wie vielfältige Weise sich Menschen für ihren Erhalt einsetzen.

Unter Tage: das Silberbergwerk Freiberg

Am Anfang des Weges stand das Erz. Wie es gewonnen wurde, lässt sich im Silberbergwerk „Reiche Zeche“ Freiberg unmittelbar erleben. Neben der Nutzung als Lehr- und Forschungsbergwerk der TU Bergakademie Freiberg kümmert sich der Förderverein Himmelfahrt Fundgrube Freiberg/Sa. e.V. um die touristische Betreuung des Bergwerks, die Denkmal- und Traditionspflege sowie die Nachwuchsförderung. Die historische Himmelfahrt Fundgrube war im 19. Jahrhundert sogar die größte Grube des sächsischen Silberbergbaus – um 1865 arbeiteten hier fast 2.900 Menschen. 

Damit diese Geschichte nicht nur erhalten bleibt, sondern auch vermittelt werden kann, bietet der Förderverein Führungen, Bildungsangebote für Schulen und Ferienprogramme an. Auch die Pflege bergmännischer Traditionen und die Denkmalpflege gehören zur Vereinsarbeit. Zum Tag des offenen Denkmals gibt es Führungen im Stundentakt von 10 bis 16 Uhr durch die Übertage-Anlagen.

Silberberwerk "Reiche Zeche"
Silberbergwerk "Reiche Zeche" I Foto: Albrecht Holländer Artworks

Kraft aus dem Wasser: das Turmhofer Pochwerksrad

Vom Abbau führte der Weg des Erzes zur Aufbereitung. Welche Rolle dabei die Wasserkraft spielte, zeigt das Turmhofer Pochwerksrad. Die Arbeitsgemeinschaft Turmhofer Pochwerksrad kümmert sich um das historische Wasserrad, das 1846 in Betrieb genommen wurde. Mit seinen 84 Schaufeln gehört es zu den eindrucksvollen technischen Zeugnissen der Zeit, in der Wasserkraft für die Arbeit im Bergbau genutzt wurde.
Pochwerke dienten dazu, Erz zu zerkleinern und damit für die weitere Verarbeitung aufzubereiten. Das Wasserrad steht damit für einen wichtigen Schritt zwischen Erzgewinnung und Verhüttung – und zugleich für das technische Netzwerk, das den historischen Bergbau überhaupt erst möglich machte.

Auch hier stehen am 13. September von 10 bis 16 Uhr die Türen offen. Aufgrund eines Schadens an der Radwelle kann das Rad derzeit allerdings nicht in Betrieb genommen werden. Die Besichtigung und Vermittlung der Geschichte sind weiterhin möglich.

Modellwasserrad auf der Halde vor dem Pochwerksgebäude
Modellwasserrad auf der Halde vor dem Pochwerksgebäude I Foto: AG Turmhofer Pochwerksrad

Vom Erz zum Metall: das Zylindergebläse Muldenhütten

Nach dem Abbau und der Aufbereitung kam die Verhüttung. In Muldenhütten lässt sich dieser nächste Schritt anhand des historischen Zylindergebläses nachvollziehen. Die Historische Freiberger Berg- und Hüttenknappschaft e.V. öffnet das Zylindergebläse in Muldenhütten. Das technische Denkmal stammt aus dem Jahr 1827. Es versorgte die Schmelzöfen der Hütte mit der für die Verhüttung notwendigen Luft. Bis 1954 war das Gebläse in Betrieb. Es gilt als erstes eisernes Zylindergebläse im sächsischen Silberhüttenwesen und steht als einziges der drei ehemaligen sächsischen Zylindergebläse noch an seinem ursprünglichen Standort.

Zum Tag des offenen Denkmals ist das Zylindergebläse von 10 bis 16 Uhr geöffnet, Führungen finden nach Bedarf statt. Die Berg- und Hüttenknappschaft ist an diesem Tag außerdem an einem weiteren historischen Ort vertreten: In Oberschöna öffnet die Radstube der Grube Unverhofft Segen Gottes Erbstolln ihre Türen. Besonders interessant: Für die Führungen am Zylindergebläse sucht die Fachgruppe Hüttengeschichte noch Unterstützung aus den Reihen der Berg- und Hüttenkameraden.

„Am schönsten wäre für uns, wenn jemand nach dem Besuch sagt: Das ist spannend, da möchte ich mitmachen. Ehrenamt lebt davon, dass Menschen Freude an der Geschichte haben und Lust bekommen, sich einzubringen und ein Stück dieser Geschichte gemeinsam mit uns weiterzutragen“, sagt Heiko Götze, Vorsitzender des Vereins.

Zylindergebläse in Muldenhütten
Zylindergebläse in Muldenhütten I Foto: Historische Freiberger Berg- und Hüttenknappschaft e.V.

Geschichte bleibt nicht von allein erhalten

Ob großes Bergwerk, historisches Wasserrad oder technisches Denkmal: Die Anlagen erzählen von einer Zeit, in der Bergbau und Hüttenwesen die Entwicklung der Region entscheidend geprägt haben. Sie erzählen aber auch eine zweite Geschichte – die der Menschen, die sich heute um diese Zeugnisse kümmern.
Denn Denkmalpflege bedeutet nicht nur Sanieren und Reparieren. Ehrenamtliche recherchieren historische Zusammenhänge, führen Besucher, organisieren Veranstaltungen, pflegen Anlagen und geben ihr Wissen an jüngere Generationen weiter. Ohne dieses Engagement würden viele technische Denkmale zwar noch existieren, ihre Geschichte bliebe jedoch weitgehend stumm.

Auch die Saxonia-Freiberg-Stiftung ist Teil dieses Netzwerks zum Erhalt der Bergbau- und Hüttengeschichte. Sie unterstützt die Erforschung, Pflege und Erhaltung des berg- und hüttenmännischen Brauchtums sowie gemeinnützige Vereine und Institutionen. „Geschichte und Traditionen erhalten sich nicht von allein; sie leben durch die Menschen vor Ort, die sie bewahren. Ehrenamtliches Engagement macht dabei aus den Denkmalen lebendige Geschichte für kommende Generationen“, bringt Alexander Eisenblätter, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied den Anspruch der Stiftung auf den Punkt. Entsprechend fördert diese die Pflege von Denkmalen, historische Forschungsarbeiten und Bildungsangebote und bewahrt mit dem Lagerstättenarchiv und der Mineraliensammlung wertvolle Zeugnisse der Freiberger Bergbaugeschichte.

Der Tag des offenen Denkmals macht deshalb nicht nur historische Orte sichtbar. Er zeigt auch, wie wichtig Menschen sind, die sich für deren Erhalt einsetzen. Wer selbst Interesse an Geschichte, Technik, Heimat oder Vereinsarbeit hat, findet auf der Ehrenamtsplattform ehrensache.jetzt zahlreiche Möglichkeiten, sich in Sachsen freiwillig zu engagieren.

Vielleicht beginnt das eigene Ehrenamt ja mit einem Besuch am 13. September – und einem Gespräch mit den Menschen, die dafür sorgen, dass aus alten Anlagen lebendige Geschichte wird.

ehrensache.jetzt Bürgerstiftung Dresden
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