Bürgerbusse im Vogtland: Ehrenamtlich unterwegs durch den Herbst
Der Weg zum Arzt führt über mehrere Stationen, der nächste Supermarkt liegt außerhalb des Ortsteils und die Busverbindung passt nicht zu den eigenen Terminen: Gerade im ländlichen Raum kann es ohne Auto kompliziert werden, alltägliche Wege zu erledigen. Im Herbst, wenn es früher dunkel wird und das Wetter häufig ungemütlich ist, macht sich das besonders bemerkbar.
Unterwegs im Auftrag der Gemeinschaft
In Adorf, Bad Elster und Lengenfeld ergänzen Bürgerbusse den regulären Nahverkehr. Sie bringen Fahrgäste zu wichtigen Zielen und verbinden Orte, die von großen Linienbussen nicht oder nur eingeschränkt angefahren werden. Besonders für ältere Menschen erleichtert das Angebot den Alltag und hilft ihnen, selbstständig unterwegs zu sein.
Dass der Fahrdienst nicht nur Mobilität ermöglicht, sondern auch persönliche Begegnungen schafft, hat Sabine Seidel aus Mechelgrün erlebt. Die Diplom-Ingenieurin für Maschinenbau ging im Oktober 2023 in Rente und wollte ihre freie Zeit sinnvoll nutzen. Auf die Idee, BürgerBus-Fahrerin zu werden, brachte sie ein Vereinsmitglied, das von der Suche nach Verstärkung erzählte.

Nach den erforderlichen Untersuchungen und der Ausbildung ging es für Sabine Seidel Anfang 2024 auf ihre erste Schicht in Bad Elster. 14 Fahrgäste brachte sie an diesem Tag ans Ziel. Ihr Fazit: „Die Dankbarkeit der Leute tut gut. Es ist ein wunderbares Gefühl, wenn man helfen kann.“
Auch Joachim Hendel, der seit mehr als vier Jahren für die Bürgerbus-Flotte fährt, kennt die Bedeutung des Angebots. Viele ältere Menschen seien darauf angewiesen und richteten ihren Tagesablauf nach den Fahrzeiten. Zugleich lerne man bei der Arbeit immer wieder neue Menschen kennen, berichtet er.
Seit 2017 auf Vogtlands Straßen
Die Geschichte der Bürgerbusse im Vogtland begann 2016 mit den Planungen für ein ergänzendes Nahverkehrsangebot. Die Städte Adorf, Bad Elster und Lengenfeld arbeiteten dafür mit dem Verkehrsverbund Vogtland und beteiligten Busunternehmen zusammen. Im selben Jahr wurde der Bürgerbus Vogtland e. V. gegründet. Seit März 2017 sind die Kleinbusse in den drei Städten unterwegs.
Das Konzept: Kleine, achtsitzige Niederflurbusse fahren nach festem Fahrplan und ergänzen den öffentlichen Nahverkehr. Die Fahrzeuge ermöglichen auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität den Einstieg. Finanziell unterstützt wird der Betrieb unter anderem durch den Zweckverband Öffentlicher Personennahverkehr Vogtland.
Der Verein organisiert den Fahrbetrieb und ist auf ehrenamtliche Fahrerinnen und Fahrer angewiesen. Auch organisatorische Aufgaben gehören zum Vereinsleben. Wie wichtig das Angebot ist, zeigen die Fahrgastzahlen: Seit Aufnahme des Fahrbetriebs nutzten fast 95.000 Menschen dieses Angebot.
Verstärkung für die Bürgerbus-Teams gesucht
Damit die Bürgerbusse auch künftig in den drei Städten nach Fahrplan unterwegs sein können, braucht es weitere Ehrenamtliche. Wer gerne Auto fährt, zuverlässig ist und Freude am Umgang mit Menschen hat, kann sich als Fahrerin oder Fahrer einbringen. Wer noch keinen Personenbeförderungsschein besitzt, kann sich bei den jeweiligen Stadtverwaltungen über Unterstützung beim Erwerb informieren, aber auch zur Mitgliedschaft im Verein.
Weitere Informationen gibt es auf der Ehrenamtsplattform ehrensache.jetzt in den jeweiligen Gesuchen: Mitmachangebot für Bad Elster und im Gesuch für Adorf; für Lengenfeld gibt es die Informationen in der dortigen Stadtverwaltung.
Für Sabine Seidel steht fest, dass sich der Einsatz lohnt. „Gerade, wenn man als Rentner noch fit ist, finde ich, dass man sich ein wenig ehrenamtlich engagieren sollte“, sagt sie. Ob bei Regen oder Sonnenschein: Wer Bürgerbus fährt, bringt Menschen ans Ziel und schenkt ihnen ein Stück Unabhängigkeit.