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Zwei Antworten, kein Plan: CDU und Grüne reagieren auf Dresdens Haushaltskrise

Zwei Antworten, kein Plan: CDU und Grüne reagieren auf Dresdens Haushaltskrise
Dresdens Altmarkt mit Blick auf den Rathausturm und Kreuzkirche: Die Stadt steckt in einer strukturellen Haushaltskrise – mit Folgen für Vereine, Träger und Einrichtungen. Foto: pixabay/JoeBreuer
Von: Cornelius de Haas
Dresden hat ein Haushaltsproblem. Das ist bekannt. Was weniger diskutiert wird: Die Stadt wälzt die Ungewissheit darüber, was das konkret bedeutet, auf Hunderte Vereine, Träger und Einrichtungen ab — und das auf Monate hinaus.

Oberbürgermeister Dirk Hilbert hat am Montag bei der Vorstellung des Nachtragshaushalts keinen Hehl daraus gemacht, wo die eigentlichen Entscheidungen fallen: erst beim Doppelhaushalt 2027/28. Dort, so Hilbert wörtlich, werde es „dramatische Einschnitte" im freiwilligen Bereich geben. Wann genau, was genau, in welchem Umfang — dazu schweigt die Stadtverwaltung vorerst.

Das Defizit, das nicht dort entsteht, wo gespart wird

Das strukturelle Defizit Dresdens hat eine klare Ursache: Bund und Freistaat übertragen den Städten immer mehr Pflichtaufgaben — Jugendhilfe, Eingliederungshilfe, Pflege — ohne das nötige Geld dafür mitzugeben. Die Kosten für diese Bereiche sind zuletzt teils zweistellig gestiegen, die Einnahmen nicht. Dresden kann diese Leistungen nicht kürzen. Das ist rechtlich nicht möglich.

Gespart wird deshalb woanders: bei den freiwilligen Leistungen. Kulturförderung. Sportangebote. Jugendtreffs. Vereinsunterstützung. Bereits jetzt hat die Stadtverwaltung 38,3 Millionen Euro aus diesem Bereich herausgepresst. Für 2027/28 steht die nächste Runde an — und die wird nach allem, was Hilbert durchklingen ließ, deutlich härter.

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Planen ohne Boden

Das Problem für Träger und Vereine ist nicht allein die Kürzung selbst. Es ist der Zeitraum davor. Wer einen Mitarbeitervertrag verlängern, einen Mietvertrag unterschreiben oder ein Projekt für das nächste Jahr aufgleisen muss, braucht eine Antwort — und bekommt sie derzeit nicht. Die Stadt weiß selbst noch nicht, was sie streichen wird. Oder sagt es zumindest nicht.

Dabei sind die Fristen real. Entscheidungen, die Vereine und Träger im Frühjahr 2026 treffen, wirken sich auf 2027 aus. Wer jetzt wartet, riskiert zu spät dran zu sein. Wer jetzt handelt, baut womöglich auf einem Fundament, das im Herbst wegbricht.

Zwei Antworten aus dem Stadtrat — keine davon vollständig

Die Reaktionen aus dem Stadtrat laufen parallel aneinander vorbei. Die CDU-Fraktion fordert Strukturreformen: Personalabbau, Prozessmodernisierung, Abbau von Doppelstrukturen. Das klingt vernünftig, beantwortet aber nicht die Frage, was Dresdner Sportvereine oder Kulturträger im nächsten Jahr konkret zu erwarten haben.

Die Grünen wollen mit ihrem Antrag A0158/26 ein Bürgerhaushaltsverfahren für 2027/28 auf den Weg bringen — ein Bürgerforum, in dem Dresdnerinnen und Dresdner Empfehlungen zum Haushaltsplan abgeben können. Der Gedanke dahinter ist nicht falsch: Wer sparen muss, sollte transparent machen, worüber er eigentlich entscheidet. Aber ein Bürgerforum setzt voraus, dass es etwas gibt, worüber man reden kann. Solange die Stadtverwaltung keine Zahlen auf den Tisch legt, bleibt auch die Beteiligung ein Versprechen ohne Inhalt.

Was im Sommer passieren muss

Dresden kann dieses Problem nicht alleine lösen. Das hat Hilbert selbst so gesagt. Die Defizitprognosen für 2027 und 2028 — jeweils in dreistelliger Millionenhöhe — basieren auf der Annahme, dass der Freistaat Sachsen die Kommunen dauerhaft entlastet. Der Sächsische Landtag entscheidet darüber im Juli. Eine Garantie gibt es nicht.

Für Dresdens Vereine und Träger heißt das: Selbst wenn der Stadtrat im April den Nachtragshaushalt verabschiedet, ist damit nichts geklärt. Der April-Beschluss kauft Zeit. Wofür genau, das entscheidet sich anderswo — und später.

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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