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Drogen, Millionen Zigaretten und Milliarden: Rekord-Bilanz beim Zoll Dresden

Ein Zollbeamter in dunkelblauer Uniform mit der Aufschrift „ZOLL“ auf dem Rücken steht an einem Tisch und kontrolliert Dokumente. Neben ihm steht ein weiterer Kollege im Profil.
Kontrolle im Visier: Neben dem Schmuggel von Tabak und Drogen bildete die Bekämpfung von Schwarzarbeit mit über 3.500 eingeleiteten Strafverfahren einen Schwerpunkt der Zoll-Arbeit. Foto: Hauptzollamt Dresden
Von: Cornelius de Haas
Steuern eintreiben, Schmuggler stoppen, Schwarzarbeit aufdecken – und das alles bei 330 Kilometern Grenze und vermutlich zu wenig Kaffee. Das Hauptzollamt Dresden hat 2025 wieder ganze Arbeit geleistet.

Dresden. 2,8 Milliarden Euro an Steuern und Abgaben eingenommen, 38,5 Millionen Warenpositionen abgefertigt, 2,8 Tonnen Rauschgift sichergestellt: Die Jahresbilanz des Hauptzollamtes Dresden liest sich wie die Kurzfassung eines sehr langen Arbeitstages, wie die Behörde jüngst Mai mitteilte. Rund 1.300 Zöllnerinnen und Zöllner sind im Zuständigkeitsbereich tätig, der neben Dresden auch Leipzig umfasst. 12.300 Quadratkilometer, begrenzt von 330 Kilometern Außengrenze zu Tschechien und Polen. Wer also glaubt, der Zoll sitze gemütlich am Schlagbaum und winke Autos durch, hat die Rechnung ohne die Dresdner gemacht.

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Zehn Millionen Zigaretten und die Hoffnung, dass es keiner merkt

Manchmal braucht es nur einen Moment der Unachtsamkeit - oder einen LKW, der bei der Einreise aus Polen etwas zu tief auf den Achsen liegt. Im März 2025 stoppten Zollbeamte einen Transporter, der knapp zehn Millionen unversteuerte Zigaretten geladen hatte. Allein dieser Fund erklärt, warum die Gesamtzahl sichergestellter Zigaretten im Zuständigkeitsbereich von 3,6 auf 13,2 Millionen Stück stieg. Generell unterlägen solche Zahlen stets starken Schwankungen, betont das Hauptzollamt trocken - was in diesem Fall eine ausgesprochen zurückhaltende Formulierung ist.

Mehrere Packungen von illegalen Feuerwerkskörpern und Böllern mit osteuropäischer Aufschrift, aufgereiht auf einem Tisch bei einer Pressemitteilung des Zolls.
Gefährliche Importe: Nicht zertifizierte Pyrotechnik und illegale Sprengkörper aus Osteuropa werden bei den Grenzkontrollen des Hauptzollamtes Dresden regelmäßig aus dem Verkehr gezogen. Foto: Hauptzollamt Dresden

Ebenfalls sichergestellt: 1.833 Kilogramm illegale Pyrotechnik, rund 600 Kilogramm mehr als im Vorjahr. Was damit gemeint ist, weiß spätestens seit dem vergangenen Jahreswechsel in vielen deutschen Städten fast jeder. Die Nachfrage scheint ungebrochen.

Cannabis kommt per Luftpost – und aus den USA

Weniger ein Drama, mehr eine logistische Pointe: Die sichergestellten Cannabisprodukte stiegen von 532 auf fast 2.400 Kilogramm. Wer jetzt an waghalsige Drogenringe denkt, liegt nur halb richtig. Der Großteil stamme aus Kontrollen von Luftfrachtsendungen am Zollamt Flughafen Leipzig, erklärt die Behörde - 160 der rund 200 Aufgriffe waren Transitsendungen, die Ware also nicht mal für Deutschland bestimmt. Schuld sei ein weltweiter Preisverfall durch Überproduktion, unter anderem in den USA. Cannabis ist billiger geworden, was den Schmuggel in industriellen Mengen attraktiver macht. Der Markt grüßt.

Ein querliegendes, poliertes Gehäuse einer Nautilus-Muschel mit der charakteristischen, spiralförmigen Kammerung im Querschnitt, präsentiert auf einer grauen Oberfläche als Beschlagnahmungsobjekt des Zolls.
Verstoß gegen das Washingtoner Artenschutzübereinkommen: Diese fossilierten Nautilus-Gehäuse wurden vom Zoll Dresden beschlagnahmt, da die erforderlichen Einfuhrgenehmigungen fehlten. Foto: Hauptzollamt Dresden
Eine silberne Halskette mit einem markanten, organischen Anhänger aus einem tierischen Material, das auf einem dunklen Untergrund für die Beweissicherung des Zolls fotografiert wurde.
Teures Souvenir ohne Papiere: Schmuckstücke aus Teilen geschützter Wildtierarten, wie dieses vom Zoll sichergestellte Ketten-Unikat, landen ohne CITES-Zertifikat direkt in der Asservatenkammer. Foto: Hauptzollamt Dresden

Krokodil, Koralle, Kofferinhalt

Wer am Flughafen Leipzig Fracht kontrolliert, erlebt mitunter eine Art Wildtierkunde in Kurzform. Knapp 1.500 Exemplare artgeschützter Tiere, Pflanzen und daraus hergestellter Waren beschlagnahmte der Zoll 2025 - vor allem bei Luftfrachtkontrollen. Auf der Liste: Erzeugnisse aus Krokodil- und Schlangenleder, Produkte aus Adlerholz und Steinkorallen. Was klingt wie der Lagerraum eines dubbiosen Souvenirladens, ist in Wirklichkeit ein ernstes Geschäft. Und für die betroffenen Arten oft eine Frage des Überlebens.

Eine Zahl, die aussieht wie ein Tippfehler – ist aber keiner

Wer die Statistik aufmerksam liest, reibt sich an einer Stelle die Augen: Der Vollstreckungsdienst trieb 2025 insgesamt 193 Millionen Euro ein, im Vorjahr waren es noch 44 Millionen. Kein Druckfehler, kein Versehen - sondern der Abschluss eines einzelnen Großverfahrens, das die Jahresbilanz ordentlich aufpoliert. Ähnliches gilt für die Tabaksteuer, die von 432.000 auf 151 Millionen Euro hochschnellte. Auch hier schlagen Verfahrensabschlüsse und Einzelfälle durch. Steuereinnahmen verliefen eben nie in gleichmäßigen Bahnen, erklärt das Hauptzollamt – was klingt wie ein Satz aus einem Lehrbuch, aber in diesem Fall schlicht stimmt.

Schwarzarbeit blieb ein Dauerbrenner: Über 3.500 Strafverfahren wurden eingeleitet, die Schadenssumme lag bei knapp 14 Millionen Euro. Amtsleiter Franz Horak zog am Ende dennoch ein zufriedenes Fazit - seine Kolleginnen und Kollegen seien „auch 2025 mit viel Engagement und Fachkompetenz im Einsatz" gewesen. Angesichts von 2,8 Milliarden Euro, zehn Millionen Zigaretten auf einem einzigen LKW und fast drei Tonnen sichergestellter Drogen klingt das fast schon untertrieben.

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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