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Dresden in Geldnot! OB Hilbert warnt vor „dramatischer Situation“

Dresden in Geldnot! OB Hilbert warnt vor „dramatischer Situation“
Oberbürgermeister Dirk Hilbert (Mitte) erläuterte am Montag die Haushaltslage der Landeshauptstadt Dresden. Links neben ihm Stadtkämmerin Jeanette Rißmann, rechts Stadtsprecher Daniel Heine. Foto: CdH
Von: Cornelius de Haas

„So eine finanziell dramatische Situation habe ich noch nicht erlebt“, sagte Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert am Montag. Was dahintersteckt, ist komplizierter als eine schlechte Schlagzeile — aber auch nicht so kompliziert, dass man es nicht erklären könnte.

Das Geld fehlt nicht wegen Verschwendung

Dresden gibt mehr aus, als es einnimmt. 239 Millionen Euro groß wäre das Minus am Jahresende geworden, hätte die Stadt gar nichts unternommen. Das klingt nach Misswirtschaft. Ist es aber nicht.

Der Grund ist ein anderer: Bund und Freistaat Sachsen übertragen den Städten immer mehr Aufgaben — Jugendhilfe, Pflege, Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung — ohne dafür ausreichend Geld mitzugeben. Diese Leistungen sind Pflicht, keine Kür. Dresden kann nicht einfach entscheiden, sie nicht mehr anzubieten. Und sie werden teurer: Die Kosten für Jugendhilfe stiegen zuletzt um fast zehn Prozent, die Eingliederungshilfe um fast dreizehn, die Hilfe zur Pflege um fast achtzehn — in einem einzigen Jahr.

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Das ist kein Dresdner Problem. München rechnet 2026 mit zwei Milliarden Euro Defizit. Im Januar tagten mehr als hundert Stadtoberhäupter in Dresden und forderten gemeinsam 30 Milliarden Euro Soforthilfe vom Bund.

Was die Stadt bisher dagegen getan hat

Im Herbst 2025 fror Hilbert die Hälfte aller nicht zwingend notwendigen Ausgaben ein. Alle Stadtämter erarbeiteten Sparvorschläge — zusammen 38,3 Millionen Euro. Dabei ist wichtig zu verstehen, wo dieses Geld herkommt: ausschließlich aus freiwilligen Leistungen der Stadt. Bei den Pflichtaufgaben, die das Defizit eigentlich verursachen, darf rechtlich nicht gekürzt werden. Gespart wird also genau dort, wo die Stadt eigentlich Spielraum für das hat, was über das gesetzliche Minimum hinausgeht — Kulturangebote, Sportförderung, Jugendtreffs. Dazu kommen 21,9 Millionen Euro aus dem neuen sächsischen Sachsenfonds.

Ergebnis: Das Defizit sinkt auf voraussichtlich 106,8 Millionen Euro. Besser — aber kein Ausgleich.

Gebaut wird vorerst weiter. Schulen, Straßen, Sanierungen — nichts davon ist gestrichen. Allerdings wurden Bauvorhaben für 216 Millionen Euro in spätere Jahre geschoben. Wenn zwischendurch Rechnungen fällig werden und das Konto knapp wird, greift die Stadt auf einen Kredit von bis zu 400 Millionen Euro zurück. Ein Instrument, das man kennt — aber keines, das man dauerhaft nutzen will.

Die schwierigen Entscheidungen kommen erst

Ende April stimmt der Stadtrat über den vorgelegten Plan ab. Danach geht die Vorlage zur Landesdirektion Sachsen — die Aufsichtsbehörde des Freistaates muss sie zur Kenntnis nehmen und kann, falls nötig, ihre Genehmigungsfähigkeit prüfen. Erst wenn auch dieser Schritt abgeschlossen ist, ist das Verfahren durch.

Aber selbst dann ist das eigentliche Problem nicht gelöst. Die harten Entscheidungen — konkret: was Dresden künftig nicht mehr anbietet — verschiebt Hilbert offen in die Haushaltsverhandlungen für 2027 und 2028. Dort, sagt er selbst, werde es „dramatische Einschnitte" im freiwilligen Bereich geben. Das ist derselbe Bereich, aus dem bereits jetzt die 38,3 Millionen Euro herausgepresst wurden. Wie viel dort noch zu holen ist, ohne dass Schwimmbäder schließen oder Kultureinrichtungen wegfallen, beantwortet die Stadtverwaltung bisher nicht.

Noch wichtiger als der Stadtratsbeschluss im April ist ein Termin, der bislang kaum öffentlich diskutiert wird: Im Juli entscheidet der Sächsische Landtag darüber, ob und wie er die Kommunen dauerhaft entlastet. Dresdens Finanzplanung für die nächsten Jahre geht davon aus, dass das passiert. Sicher ist es nicht. Wenn der Landtag im Juli nicht liefert, stehen die Zahlen für 2027 und 2028 — minus 164 beziehungsweise minus 187 Millionen Euro — auf einem Fundament, das noch nicht trägt.

Hilbert selbst bringt es auf den Punkt: „Gegen die strukturelle Schieflage in der kommunalen Finanzierung kommen wir mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln nicht an." Der Nachtragshaushalt ist damit kein Sanierungsplan. Er ist der Versuch, Zeit zu kaufen — für Entscheidungen, die Dresden allein nicht treffen kann.

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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