Wahrzeichen an der A4 verschwunden: Was jetzt auf dem Dresdner Kult-Dach steht
Dresden. Wer auf der A4 an der Stadt vorbeifährt, hat den Schriftzug über Jahrzehnte im Blick gehabt: SIEMENS, in großen Lettern auf dem Dach der markanten Hochspannungshalle im Nordwesten. Seit Anfang September ist er weg. An seiner Stelle steht nun HIGHVOLT.

Dahinter stecken zwei Entwicklungen, die zufällig zusammenfallen. Die Dachfläche war über eine langjährige Vereinbarung an Siemens vergeben. Diese ist ausgelaufen, und damit setzt jetzt die Firma ihren Namen aufs Dach, die in der Halle tatsächlich arbeitet: die HIGHVOLT Prüftechnik Dresden GmbH. Der frühere Schriftzug gehörte zum Transformatorenwerk auf dem Gelände, das zu Siemens Energy zählt. Der Konzern wiederum legt den Namen Siemens ohnehin ab. Mitte Juli kündigte Siemens Energy an, künftig als Omterra aufzutreten, weil die Lizenz für die Siemens-Marke 2030 ausläuft. Der Wechsel spart dem Konzern nach Medienberichten rund 300 Millionen Euro Lizenzgebühren im Jahr und beginnt Ende 2026 schrittweise.
Der größte monolithische Industriebau Europas
Die Halle selbst ist eine Wucht. 55 Meter lang, 40 Meter breit, 29 Meter hoch, mit einer Montagegrube in der Mitte, die die nutzbare Höhe auf 34 Meter bringt. Als die Architekten Paul Michael und Paul Voges sie Anfang der 1950er Jahre errichteten, war sie der größte monolithische Industriebau Europas. Gebraucht wurde der Platz, um Prüfanlagen für die höchsten Spannungen ihrer Zeit zu bauen und zu testen. Heute steht das Gebäude als Industriedenkmal der Nachkriegszeit unter Denkmalschutz.

Unter den Beschäftigten hieß sie lange „Professor-Dr.-Stamm-Gedächtnishalle", benannt nach Hans Stamm, der das Werk von 1946 bis 1953 leitete. Auf dem Gelände lag ursprünglich der Kaditzer Flugplatz, bis kurz vor dem Zweiten Weltkrieg eine Fabrik für Röntgengeräte und Transformatoren einzog. Nach dem Krieg wurde daraus der VEB Transformatoren- und Röntgenwerk.
Was in der Halle passiert
Bekannt ist die Halle vielen, ihr Inhalt kaum. HIGHVOLT entwickelt und prüft hier Systeme, mit denen Transformatoren, Schaltanlagen und Hochspannungskabel ihre Bewährungsprobe bestehen, bevor sie ans Netz gehen. Rund 95 Prozent davon gehen laut Unternehmen in den Export. Die Firma wurde 1995 aus dem Siemens-Bereich Hochspannungsprüftechnik ausgegründet und gehört seit 2002 zur Reinhausen-Gruppe. Mit einem neuen Produktionsstandort in Klipphausen und zusätzlichem Personal wächst sie mit der weltweiten Energiewende.
Der Schriftzug ist auch eine Stellenanzeige
Den neuen Schriftzug versteht das Unternehmen ausdrücklich als Einladung. HIGHVOLT sucht Ingenieure, Monteure, Wickler und Servicetechniker, wer an der Energiewende mitbauen wolle, finde hier Arbeit mit Wirkung, heißt es.

Der Name auf dem Dach reiht sich damit in eine ganze Sichtbarkeitsoffensive ein. Seit Anfang September schickt das Unternehmen eine auffällig gestaltete Straßenbahn durch Dresden - und eine zweite soll bald folgen. Ebenfalls, um bekannter zu werden und Fachkräfte zu gewinnen.