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Wahrzeichen an der A4 verschwunden: Was jetzt auf dem Dresdner Kult-Dach steht

Dreiteilige Collage der Dresdner Hochspannungshalle: Links oben historische Siemens-Logo-Montage von 1992, links unten Ansicht mit Siemens-Schriftzug hinter Rapsfeld, rechts aktuelle Außenansicht mit neuem HIGHVOLT-Logo.
Zeitenwende im Bild: Von der historischen Siemens-Montage 1992 über den jahrzehntelangen Blick von der A4 bis zum neuen HIGHVOLT-Schriftzug. Dresden verabschiedet eine Ära auf Europas einst größtem monolithischen Industriebau. Fotos: Highvolt (2), Holger Schütze
Millionen Autofahrern ist der gigantische Schriftzug auf der Hochspannungshalle im Dresdner Nordwesten vertraut. Seit September prangt dort ein neuer Name. Warum Siemens von der Autobahn verschwindet und welche Technik-Schmiede das Dach übernimmt.

Dresden. Wer auf der A4 an der Stadt vorbeifährt, hat den Schriftzug über Jahrzehnte im Blick gehabt: SIEMENS, in großen Lettern auf dem Dach der markanten Hochspannungshalle im Nordwesten. Seit Anfang September ist er weg. An seiner Stelle steht nun HIGHVOLT.

Totale Aufnahme der imposanten, denkmalgeschützten Hochspannungshalle Dresden mit neuen HIGHVOLT-Schriftzügen auf dem Dach und an den Fabrikgebäuden vor leicht bewölktem Himmel.
Europäisches Industriedenkmal im neuen Gewand: Seit September zieren die neuen HIGHVOLT-Logos auf Dach und Fassade des Prüffeldgebäudes an der Overbeckstraße. Foto: Holger Schütze

Dahinter stecken zwei Entwicklungen, die zufällig zusammenfallen. Die Dachfläche war über eine langjährige Vereinbarung an Siemens vergeben. Diese ist ausgelaufen, und damit setzt jetzt die Firma ihren Namen aufs Dach, die in der Halle tatsächlich arbeitet: die HIGHVOLT Prüftechnik Dresden GmbH. Der frühere Schriftzug gehörte zum Transformatorenwerk auf dem Gelände, das zu Siemens Energy zählt. Der Konzern wiederum legt den Namen Siemens ohnehin ab. Mitte Juli kündigte Siemens Energy an, künftig als Omterra aufzutreten, weil die Lizenz für die Siemens-Marke 2030 ausläuft. Der Wechsel spart dem Konzern nach Medienberichten rund 300 Millionen Euro Lizenzgebühren im Jahr und beginnt Ende 2026 schrittweise.

Der größte monolithische Industriebau Europas

Die Halle selbst ist eine Wucht. 55 Meter lang, 40 Meter breit, 29 Meter hoch, mit einer Montagegrube in der Mitte, die die nutzbare Höhe auf 34 Meter bringt. Als die Architekten Paul Michael und Paul Voges sie Anfang der 1950er Jahre errichteten, war sie der größte monolithische Industriebau Europas. Gebraucht wurde der Platz, um Prüfanlagen für die höchsten Spannungen ihrer Zeit zu bauen und zu testen. Heute steht das Gebäude als Industriedenkmal der Nachkriegszeit unter Denkmalschutz.

Schwarz-Weiß-Aufnahme des VEB Transformatoren- und Röntgenwerk in Dresden mit TuR-Logo auf dem Dach, im Vordergrund rauchende Schornsteine sowie parkende DDR-Oldtimer und Mopeds.
Historischer Rückblick: Die Hallen in den 1950er-Jahren als Teil des VEB Transformatoren- und Röntgenwerk (TuR). Auf dem Parkplatz vor der „Professor-Dr.-Stamm-Gedächtnishalle“ stehen vor allem Trabis und einige Mopeds. Quelle: Deutsche Fotothek

Unter den Beschäftigten hieß sie lange „Professor-Dr.-Stamm-Gedächtnishalle", benannt nach Hans Stamm, der das Werk von 1946 bis 1953 leitete. Auf dem Gelände lag ursprünglich der Kaditzer Flugplatz, bis kurz vor dem Zweiten Weltkrieg eine Fabrik für Röntgengeräte und Transformatoren einzog. Nach dem Krieg wurde daraus der VEB Transformatoren- und Röntgenwerk.

Was in der Halle passiert

Bekannt ist die Halle vielen, ihr Inhalt kaum. HIGHVOLT entwickelt und prüft hier Systeme, mit denen Transformatoren, Schaltanlagen und Hochspannungskabel ihre Bewährungsprobe bestehen, bevor sie ans Netz gehen. Rund 95 Prozent davon gehen laut Unternehmen in den Export. Die Firma wurde 1995 aus dem Siemens-Bereich Hochspannungsprüftechnik ausgegründet und gehört seit 2002 zur Reinhausen-Gruppe. Mit einem neuen Produktionsstandort in Klipphausen und zusätzlichem Personal wächst sie mit der weltweiten Energiewende.

Der Schriftzug ist auch eine Stellenanzeige

Den neuen Schriftzug versteht das Unternehmen ausdrücklich als Einladung. HIGHVOLT sucht Ingenieure, Monteure, Wickler und Servicetechniker, wer an der Energiewende mitbauen wolle, finde hier Arbeit mit Wirkung, heißt es.

Zwei Handwerker heben auf einem Flachdach das riesige, blau-weiße Buchstabenelement V mit sichtbaren LED-Platinen an, um das neue HIGHVOLT-Logo auf der Hochspannungshalle in Dresden zu montieren.
Handarbeit auf dem Dach: Techniker montieren das riesige, mit LEDs bestückte V des neuen HIGHVOLT-Schriftzugs auf der Dresdner Hochspannungshalle. Die Aktion ersetzt das alte Siemens-Logo und dient auch der Fachkräftegewinnung. Foto: Highvolt

Der Name auf dem Dach reiht sich damit in eine ganze Sichtbarkeitsoffensive ein. Seit Anfang September schickt das Unternehmen eine auffällig gestaltete Straßenbahn durch Dresden - und eine zweite soll bald folgen. Ebenfalls, um bekannter zu werden und Fachkräfte zu gewinnen.