Strom für die Chipfabriken: Dresden rüstet sein Netz um
Dresden. Dresden macht sein Stromnetz fit für die Chipindustrie. Quer durch die Stadt, von Süden nach Norden, hat der Netzbetreiber SachsenNetze neue Hochspannungskabel ans Netz genommen, ein weiterer Schritt in einem Kraftakt, der Hunderte Millionen Euro kostet. Die neuen Kabel verbinden das erweiterte Umspannwerk Räcknitz im Süden mit den Umspannwerken Klotzsche und Dresden-Nord. Wirtschaftsbürgermeister Jan Pratzka besichtigte die Baustelle am Montag und nannte ein leistungsfähiges Netz eine Voraussetzung für den Wirtschaftsstandort.
Warum Dresden immer mehr Strom braucht
Hinter dem Umbau steht ein stark wachsender Bedarf. Nach Angaben von SachsenNetze wird sich der Stromverbrauch in Dresden bis 2030 voraussichtlich verdreifachen, bei privaten wie bei industriellen Nutzern. Der wichtigste Treiber ist die Halbleiterindustrie im Dresdner Norden. Die Stadt gehört zu den größten Mikroelektronik-Standorten Europas, und die neuen Chipfabriken, die dort entstehen, verbrauchen enorme Mengen Energie, rund um die Uhr und ohne Unterbrechung. Hinzu kommt die Energiewende, die mit Wärmepumpen und Elektroautos auch in Haushalten zusätzliche Last ins Netz bringt.

Ein Netz, das für den bisherigen Verbrauch ausgelegt war, stößt unter diesen Bedingungen an Grenzen. SachsenNetze verstärkt es deshalb an mehreren Stellen zugleich und schafft neue Verbindungen zwischen den großen Umspannwerken der Stadt.
Was genau in Betrieb gegangen ist
Kern des aktuellen Schritts ist das Umspannwerk Räcknitz. Die Hochspannungsfreileitung vom Umspannwerk Dresden-Süd, zwischen dem Abzweig Nöthnitz und Räcknitz, wurde verstärkt. Das Werk selbst erhielt eine neue, leistungsfähigere Schaltanlage zur Steuerung der Stromzuführung, dazu neue Leitungszuführungen und Transformatoren. Die Anlage ist bereits so ausgelegt, dass bei weiter steigendem Bedarf ein dritter Transformator angeschlossen werden kann.
Von Räcknitz aus wurden neue Hochspannungsverbindungen quer durch die Stadt geschaffen. Zunächst entstanden Leerrohrtrassen bis zum Gasturbinen-Heizkraftwerk Nossener Brücke und weiter zu den Umspannwerken Klotzsche und Dresden-Nord. In diese Rohre wurden anschließend die Kabel eingezogen, die jetzt unter Spannung stehen. Viele der beteiligten Firmen stammen nach Angaben des Unternehmens aus der Region.
50 Kilometer neue Kabel und ein Anschluss ans Höchstspannungsnetz
Die jetzt aktive Trasse ist Teil eines größeren Vorhabens. Bis 2028 will SachsenNetze rund 50 Kilometer neue Hochspannungskabel in Dresden verlegen, darunter zwei neue Erdkabeltrassen auf der rechtselbischen Seite. Die Arbeiten liegen nach Unternehmensangaben im Plan.
Parallel wird Dresden stärker an das überregionale Höchstspannungsnetz mit 380 Kilovolt angebunden. Dafür errichten der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz und SachsenNetze gemeinsam das neue Umspannwerk Altwilschdorf, als Teil der sogenannten Elbe-Oberlausitz-Leitung. Erst wenn dieses Werk ans Netz geht, entfalten die neuen Trassen ihre volle Wirkung und stellen die nötige Kapazität für den gestiegenen Bedarf bereit.
Vom offenen Graben zum Bau im laufenden Betrieb
Der Netzausbau für die Dresdner Industrie ist kein neues Thema. Er begann nach Darstellung des Unternehmens bereits in den 1990er-Jahren. Damals seien die ersten Hochspannungskabel noch in offenen Gräben über mehrere Kilometer verlegt worden, erinnert Steffen Klinger, Abteilungsleiter Assetmanagement Strom bei SachsenNetze. Heute laufe der Ausbau deutlich komplexer und kleinteiliger, mit moderneren Verfahren und mitten im laufenden Stadtbetrieb. Dass die Verstärkung rund um Räcknitz nun abgeschlossen sei, nennt er einen bedeutenden Schritt.
300 Millionen Euro in Dresden, Milliarden in Sachsen
Der Ausbau ist teuer. In die neuen Trassen und das Umspannwerk Altwilschdorf investiert SachsenNetze bis 2030 nach eigenen Angaben rund 300 Millionen Euro. Sachsenweit sind bis 2045 etwa 4,1 Milliarden Euro für den Netzausbau vorgesehen.
Pratzka betonte, Dresden sei als Industrie-, Technologie- und Forschungsstandort auf eine verlässliche Energieversorgung angewiesen, der Bedarf werde durch die Ansiedlungen im Norden weiter steigen. SachsenNetze-Geschäftsführer Steffen Heine verwies darauf, dass Strom überall und jederzeit gebraucht werde, zu Hause ebenso wie in Schulen, Krankenhäusern oder Betrieben. Die Netze müssten an die wachsenden Anforderungen einer dynamischen Region angepasst werden.