Paukenschlag am Theaterplatz: Das Italienische Dörfchen öffnet heute überraschend wieder
Dresden. Es ist einer der schönsten Flecken der Dresdner Innenstadt - und einer der stillsten. Unter schattigen Bäumen, mit Blick auf Elbe und Semperoper, lag der Garten des Italienischen Dörfchens zuletzt verwaist. Am Donnerstag, 11. Juni, kehrt hier das Leben zurück: Die „ElbaVista Terrassen am Italienischen Dörfchen" öffnen bei freiem Eintritt und bespielen den Platz bis zum 30. September.
ElbaVista Terrassen Dresden: Live-Musik, DJ-Sets und Fußball am Theaterplatz
Rund 200 Sitzplätze, drei Programmschienen und eine Festival-Lounge sollen aus dem Außenbereich einen neuen Treffpunkt machen. Unter dem Label ElbaVista-Sound reicht das Spektrum von nordischen Klängen über Balearic Rumba bis zu Americana und Jazz, ElbaVista-Beats bringt Clubkultur auf die Terrasse, ElbaVista-Live regionale und überregionale Künstler. Dazu kommen Übertragungen ausgewählter Fußball-WM-Spiele - etwa Deutschland gegen Curaçao am 14. Juni. „Der Ort am Theaterplatz unter den schattenspendenden Bäumen ist einmalig schön", wirbt Projektleiter Gustav Polenz und kündigt an, ihn den Dresdnerinnen und Dresdnern nicht länger vorzuenthalten.
Betreiber ist die KFA Kultur für alle gGmbH, bekannt als Veranstalterin des eintrittsfreien Palais Sommers. Wichtig zu wissen: Die KFA hat lediglich den Biergarten vorübergehend von der Hamburger Altmann GbR angemietet. Das eigentliche Haus bleibt geschlossen. Mitglieder der Unterstützer-Community Comuneo - rund 1.300 an der Zahl - erhalten einen Euro Rabatt auf jeden Gastronomie-Artikel.
Vom Fünf-Restaurant-Haus zum Sanierungsfall: die Geschichte des Italienischen Dörfchens
Dass an diesem Ort überhaupt Stille einkehren konnte, ist eine vergleichsweise junge Entwicklung. Der repräsentative Bau des Stadtbaurats Hans Erlwein entstand 1911 bis 1913, wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und Mitte der 1950er wiederaufgebaut. 1993 übergab die Landeshauptstadt das Italienische Dörfchen im Erbbaurecht an die Altmann GbR in Hamburg. Über Jahre vereinte das Haus mehrere Lokale unter einem Dach - sächsisch-regionale Küche neben italienischer, dazu die beliebten Elbterrassen und der Biergarten.
Dann kam der Bruch. 2019 übernahm der erfahrene Gastronom Maik Kosiol mit seiner Frau Janet das Traditionshaus. Corona-Pandemie, die Augustusbrücken-Baustelle und ein gewaltiger Investitionsstau am Pachtobjekt machten den Betrieb jedoch unmöglich. Ende 2023 schloss das Dörfchen - rund 110 Jahre nach seiner Fertigstellung. Seither sucht die Stadt nach einer Lösung. Im Juni 2026 zeichnet sie sich ab: Ausgerechnet die KFA will der Altmann GbR das Erbbaurecht abkaufen und das denkmalgeschützte Haus in einen Kultur-, Gastronomie- und Veranstaltungsort verwandeln. In einer ersten Phase sind rund 1,5 Millionen Euro Investitionen geplant, finanziert auch über Bürgerbeteiligungszertifikate; schon Anfang 2027 soll wieder Leben einziehen. Voraussetzung ist die Zustimmung des Stadtrats.