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„Nichtstun hilft keinem“: VCD attackiert Gegner der Campuslinie

Ein gelber Bus der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) passiert den Wasaplatz. Im Hintergrund sind historische Gebäude der Caspar-David-Friedrich-Straße und Oberleitungen der Straßenbahn zu sehen.
Nadelöhr Wasaplatz: Während der VCD Dresden eine schnelle Entscheidung für den Ausbau der Campuslinie fordert, warnt die Politik vor den Folgen einer Teilsperrung der Lockwitzer Straße. Foto: CdH
Von: Cornelius de Haas
Mit scharfen Worten reagiert der VCD auf die Debatte um die Campuslinie. Während Grüne und SPD dafür werben, attackieren CDU, AfD und Team Zastrow das Projekt.

Dresden. Eigentlich ist die Sache seit Jahren entschieden: Die Campuslinie soll gebaut werden, von Löbtau bis Strehlen, als Ersatz für die überfüllte Buslinie 61. Zwei Abschnitte sind fertig, ein dritter beginnt im Sommer. Nur am Wasaplatz hakt es — und dort hakt es schon so lange, dass der VCD Dresden jetzt die Geduld verliert.

VCD Dresden fordert schnelle Bestätigung

In einer Stellungnahme vom Montag fordert der Verkehrsclub den Stadtrat auf, den Kompromissvorschlag der Verwaltung für den Abschnitt an der Caspar-David-Friedrich-Straße ohne weitere Verzögerung zu bestätigen. Der Ton ist ungewohnt direkt. Die Argumente konservativer Fraktionen gegen die geplante Teilsperrung der Lockwitzer Straße seien „fadenscheinig und wenig stichhaltig", die Debatte insgesamt eine „destruktive Agendapolitik gegen vermeintliche Nachteile des Autoverkehrs".

Dabei zeigten sich dieselben Fraktionen bei anderen Projekten durchaus spendabel: beim Fernsehturm etwa, einem Nostalgieprojekt ohne verkehrlichen Nutzen, oder beim Carolabrücken-Neubau, wo sie nicht müde würden zu betonen, wie wichtig ein zügiger Baustart zur Kostendämpfung sei  - ein Prinzip, das bei der Campuslinie offenbar nicht gelten solle. Widersprüchlich wirke zudem die gleichzeitige Forderung nach Einsparungen beim DVB-Liniennetz: Eine Investition, die nachweislich Betriebskosten senke, nun liegenzulassen, sei „unglaubwürdig".

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„Es wird Zeit, dass wir in Dresden wieder zu einer lösungsorientierten Verkehrspolitik zurückkehren. Nur auf Probleme zu zeigen und als Alternative Nichtstun anzubieten, hilft keinem", sagte Fabian Schmiedt von der Ortsgruppe.

Verwaltung prüfte mehr als 20 Varianten

Der Kompromissvorschlag, den Baubürgermeister Stephan Kühn dem Ausschuss für Stadtentwicklung, Bau, Verkehr und Liegenschaften am 15. April präsentierte, sieht vor, dass Straßenbahn und Autoverkehr künftig eine Fahrspur in der Caspar-David-Friedrich-Straße teilen — dafür entstehen dort Radverkehrsanlagen.

Auf der Lockwitzer Straße wird der stadteinwärtige Kfz-Verkehr auf einem rund 70 Meter langen Abschnitt im Haltestellenbereich herausgehalten, die Lannerstraße soll zum Ausgleich für beide Fahrtrichtungen geöffnet werden. Die Verwaltung hatte nach eigenen Angaben mehr als zwanzig Varianten geprüft, bevor sie diesen Vorschlag vorlegte.

Wasaplatz-Engpass und Förderbindung

Der Hintergrund ist der Engpass am Wasaplatz, der bereits heute zu den am stärksten belasteten Haltepunkten der Stadt gehört. Rund 66 Busse und Bahnen passieren ihn in Spitzenzeiten stündlich, mit der Campuslinie steigt diese Zahl auf etwa 78. Ohne angepasste Verkehrsführung wäre der Knoten nicht mehr funktionsfähig — und das hätte nicht nur betriebliche Folgen. Die Förderung von 129,6 Millionen Euro Bundesmitteln sowie 15,7 Millionen Euro des Freistaats ist an die Umsetzung der Campuslinie als Gesamtprojekt gebunden.

Die politischen Reaktionen auf den Vorschlag fallen erwartbar gegensätzlich aus. Auf Ablehnung stößt der Vorschlag bei AfD, CDU und Team Zastrow. AfD-Stadtentwicklungssprecher Thomas Ladzinski bezeichnete ihn als nicht zustimmungsfähig: Die Verwaltung plane den Wegfall von Anwohnerparkplätzen in der Heinrich-Zille-Straße und der Lannerstraße, der gesamte Verkehr werde durch den Ortskern Altstrehlen geführt. Holger Zastrow vom Team Zastrow wurde grundsätzlicher: „Was als angeblich einzig mögliche Lösung am Wasaplatz vorgeschlagen wird, ist eine einzige Provokation." Das Projekt solle beerdigt werden.

Parteien bewerten den Kompromiss unterschiedlich

CDU-Stadtrat Veit Böhm schloss sich inhaltlich an: „Wir halten vom Abklemmen der Lockwitzer Straße nichts. Wir werden keiner Lösung zustimmen, die nicht funktioniert." Böhm bezweifelte zudem, ob sich Dresden das Vorhaben angesichts dringenderer Verkehrsinfrastrukturprobleme und eines Baustarts, der frühestens 2029 realistisch ist, überhaupt leisten könne.

Die Bündnisgrüne Fraktion bewertet den Kompromiss dagegen als tragfähig, knüpft ihre Zustimmung aber an Bedingungen: Tempo 30 auf der Caspar-David-Friedrich-Straße sowie zwei Umfahrungsrouten über die Hildebrandstraße und die Heinrich-Zille-Straße. Beim Parken schlägt die Fraktion Kurzzeitparkplätze in der Lannerstraße vor und verweist auf eine dort vorhandene, bislang wenig ausgelastete Tiefgarage. „Wir dürfen nicht zulassen, dass die irrationale Auto-first-Politik von Zastrow eines der wichtigsten ÖPNV-Projekte in Dresden ausbremst und uns zwingt, Millionen von Fördergeldern zurückzuzahlen", sagte Mobilitätssprecherin Ulrike Caspary. Stadtbezirksbeirätin Julia Günther (Prohlis) ergänzte: „Eine neue Straßenbahnlinie zu bauen und dann im Stau stehen zu lassen ergibt keinen Sinn."

Die SPD warnt vor den förderrechtlichen Konsequenzen eines Scheiterns. Verkehrssprecher Stefan Engel verwies darauf, dass Campuslinie und Neubau der Nossener Brücke als Gesamtpaket behandelt werden. „Nachverhandlungen mit dem Fördermittelgeber gleichen einem Himmelfahrtskommando", sagte Engel. Insgesamt - also nicht nur für den Bereich des Wasaplatzes - stünden über 163 Millionen Euro auf dem Spiel.

Ob die nötigen Mehrheiten im Stadtrat zustande kommen, ist angesichts der konservativen Mehrheitsverhältnisse fraglich.

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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