Campuslinie Dresden: Neuer Kompromiss für Wasaplatz soll Förderung sichern
Die Stadt Dresden hat eine neue Lösung für den umstrittenen Ausbau der Campuslinie am Wasaplatz vorgestellt. Der Kompromiss soll den Radverkehr stärken, den Nahverkehr stabil halten und gleichzeitig eine Millionenförderung sichern.
Der Entwurf wurde dem Ausschuss für Stadtentwicklung am Mittwoch präsentiert und reagiert auf jahrelange Kritik an der bisherigen Planung. Im Fokus steht eine Neuaufteilung des Straßenraums – mit spürbaren Änderungen für Autos, Straßenbahnen und Radfahrer.
Wasaplatz bleibt kritischer Verkehrsknoten
Der Wasaplatz gilt als einer der am stärksten belasteten Knotenpunkte der Stadt. Bereits heute fahren dort rund 66 Bahnen und Busse pro Stunde. Mit der Campuslinie soll die Zahl auf etwa 78 Fahrten steigen.
Ohne eine angepasste Verkehrsführung würde dieser zusätzliche Verkehr den Knoten überlasten. Straßenbahnen, Busse und Autos würden sich häufiger gegenseitig behindern, Rückstaus wären die Folge. Solche Engpässe könnten nicht nur den Verkehrsfluss erheblich beeinträchtigen, sondern auch das Genehmigungsverfahren verzögern – und damit die an das Gesamtprojekt gebundenen Fördermittel gefährden.
Kompromiss: Mehr Platz fürs Rad – weniger Trennung für Bahnen
Kern der neuen Planung ist ein Tausch von Verkehrsflächen:
- In der Caspar-David-Friedrich-Straße entstehen neue Radwege
- Straßenbahnen fahren dort künftig gemeinsam mit Autos im Mischverkehr
- Eigene Gleiskörper entfallen
Um den Verkehr dennoch zu stabilisieren, wird die Lockwitzer Straße umgebaut. Stadteinwärts soll der Autoverkehr auf rund 70 Metern aus dem Haltestellenbereich verlagert werden.
Zusätzlich:
- Linksabbiegen in die Wasastraße bleibt möglich
- Lannerstraße wird für Autos in beide Richtungen geöffnet
Damit soll Ausweichverkehr in Wohnstraßen verhindert werden. Nach Angaben der Stadt wurden mehr als 20 Varianten untersucht. „Am Ende muss jede Verkehrsart mit einem Kompromiss leben“, hieß es aus der Verwaltung. Die Leiterin des Straßen- und Tiefbauamtes, Simone Prüfer, betonte: „Wir haben mehrfach simuliert, ob die Lannerstraße das verkraftet. Mehrere Versuche haben gezeigt, dass das die beste Lösung ist.“
145 Millionen Euro Förderung stehen auf dem Spiel
Die Campuslinie ist eines der wichtigsten Verkehrsprojekte Dresdens. Sie soll die Technische Universität besser anbinden und die stark belastete Buslinie 61 entlasten.
Insgesamt stehen rund 145 Millionen Euro an Fördermitteln von Bund und Land im Raum. Diese sind jedoch an das Gesamtprojekt gebunden. Scheitert der Abschnitt am Wasaplatz, könnten auch bereits laufende Bauprojekte gefährdet sein.
Baustart frühestens 2029
Ein schneller Baubeginn ist nicht zu erwarten. Nach aktuellen Planungen könnte frühestens 2029 gebaut werden.
Der Stadtrat steht nun vor einer Grundsatzentscheidung: Zustimmung zum Kompromiss – oder das Risiko, zentrale Teile der Dresdner Verkehrswende und Förderung zu verlieren.