Nachtschicht über den Gleisen: Dresdens Brücken-Neubau nimmt Form an
Dresden. Es ist die Sorte Arbeit, die nur nachts geht. In der Nacht von Donnerstag, dem 9. Juli, auf Freitag, den 10. Juli, hob ein Autokran die fünf neuen Brückenträger der Fabricestraße an ihren Platz - jeder von ihnen ein Verbundbauteil von rund 30 Tonnen. Damit das sicher gelang, wurde die darunterliegende Bahnstrecke komplett gesperrt und die Oberleitung abgeschaltet.
Viel Spielraum gab es nicht. Wegen der engen Platzverhältnisse lieferte die Spezialfirma drei der fünf Träger auf Abruf an - der Schwerlast-Lkw hob sie direkt vom Anhänger an ihren Einbauort. Anschließend koppelten die Arbeiter alle fünf Träger miteinander, damit sie sicher in Position blieben. Am Morgen rollten die Züge wieder.

Der nächste Schritt sind Bewehrung und Betonage der Anschlussbereiche zwischen den Widerlagern und den neuen Trägern. Danach folgen die Fahrbahnplatte samt Abdichtung und die Betonage der Brückenränder. Nach Angaben der Stadt laufen aktuell alle Arbeiten im Plan. Fertig sein soll die Brücke im Februar 2027.
Vom Abriss bis heute: der Weg der Baustelle
Begonnen hatte alles im Januar 2026 - zunächst mit einer Behelfsbrücke für Fußgänger und Radfahrer, die seit Mitte Februar in Betrieb ist. Dann wurde die alte Brücke vollständig abgetragen: erst der Überbau ausgehoben, danach die Widerlager an den Enden abgebrochen. Bis etwa Mitte Juli entstanden die neuen Widerlager.
Parallel wurden die Träger vorbereitet: beim Stahlbauer gefertigt, mit Korrosionsschutz versehen und ins Betonfertigteilwerk gebracht. Dort erhielten die Stahlträger einen Betonflansch, der später als Schalung für die Fahrbahnplatte dient. Fertig eingehoben sind sie nun.
Warum überhaupt neu gebaut wird
Der Grund für den Aufwand: Die alte Bahnüberführung wurde den wachsenden Verkehrsbelastungen nicht mehr gerecht. Die neue Brücke bekommt eine sieben Meter breite Fahrbahn und beidseitig 2,50 Meter breite Fußwege; auch die angrenzenden Kreuzungen zur Elisabeth-Boer-Straße und zur Magazinstraße werden erneuert. Die Kosten liegen bei rund 3,39 Millionen Euro, finanziert aus Eigenmitteln der Stadt, Landes-Steuermitteln und Mitteln der Deutschen Bahn.
Bis zur Fertigstellung bleibt die Fabricestraße weitgehend voll gesperrt; der Verkehr wird westlich über die Magazinstraße umgeleitet. Fußgänger und Radfahrer nutzen weiterhin die Behelfsbrücke.