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Wie Dresdens Kinder den Oberbürgermeister löcherten

Dresdens OB Dirk Hilbert im blauen Anzug verteilt in einem hellen Saal Autogramme an eine Gruppe von Grundschulkindern, die geduldig im Kreis um ihn anstehen und gespannt warten.
Autogramme vom Stadtchef: Nach der intensiven Fragerunde im Dresdner Stadtforum umlagern die Hortkinder Oberbürgermeister Dirk Hilbert. Der Rathauschef verteilte geduldig Unterschriften an seine jungen Gäste. Foto: CdH
Von: Cornelius de Haas
Ein Zebrastreifen vor der Schule, sicherere Wege an der Schäferstraße und die Frage, warum der Rathauschef eigentlich ein „Namensschild“ um den Hals trägt: Beim Ferienprogramm im neuen Stadtforum stellte sich Oberbürgermeister Dirk Hilbert den Fragen der jüngsten Bürger

Dresden. Eigentlich sollte es ein ganz entspannter Ferientermin werden, doch die rund 40 Jungen und Mädchen machten schnell klar, dass sie mit einer ganz konkreten Agenda ins Stadtforum gekommen waren. Eingeladen waren Mädchen und Jungen aus zwei Dresdner Horten sowie weitere interessierte Kinder. Allesamt im Grundschulalter zwischen der 1. und 4. Klasse – also gerade einmal 7 bis 11 Jahre alt. Doch wer dachte, die Steppkes schüchternen vor dem Chef der Landeshauptstadt ein, der irrte gewaltig. Dirk Hilbert, der selbst durch die Runde führte, musste Rede und Antwort stehen.

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„Lebensgefährlich“: Wenn Siebenjährige ihren Schulweg planen

Es sind die alltäglichen Wege, die den Kindern im Stadtverkehr Sorgen bereiten. Und sie artikulierten ihre Wünsche erstaunlich präzise. „An der Schäferstraße gibt es keinen sicheren Übergang. Deshalb kann ich nicht allein nach Hause gehen“, schilderte ein Kind die Situation vor Ort. Ein anderes forderte dringend einen Zebrastreifen vor der 48. Grundschule.

Großer Stuhlkreis im Stadtforum: Kinder und Betreuer sitzen um einen Stadtplan mit Lego-Modellen auf dem Boden. Im Hintergrund steht OB Dirk Hilbert mit goldener Amtskette vor einer gelben Wand.
Kinder planen ihren Schulweg: Im großen Stuhlkreis diskutieren die Sieben- bis Elfjährigen mit OB Dirk Hilbert über gefährliche Kreuzungen. Auf dem Boden liegt ein großer Stadtplan mit ihren eigenen Ideen und Modellen. Foto: CdH

Besonders eine Stelle an der Walterstraße sorgt bei den Grundschülern für Diskussionsstoff: Wer dort aus der Straßenbahn der Linie 1 aussteigt, steht direkt auf der Straße - ohne Ampel. „Wenn ein Autofahrer einen Fußgänger nicht sieht, der gerade aus der Bahn kommt, ist das lebensgefährlich“, so die eindringliche Warnung aus der Runde. Hilbert nahm die Vorschläge für mehr Zebrastreifen und Ampeln direkt als Hausaufgabe mit ins Rathaus.

Mehr als nur Verkehr: Wie wird Dresden sicherer?

Doch die Sicherheit war für die 7- bis 11-Jährigen nicht nur ein Thema auf dem Asphalt. Ein Kind wollte ganz direkt wissen: „Was können wir tun, damit die Stadt sicherer wird?“

Hilbert erklärte den sichtlich interessierten Grundschülern, dass Sicherheit ein „sehr komplexes Thema“ sei, das an vielen Stellschrauben hänge. Die Stadt setze zum einen auf Präsenz: „Am Wiener Platz haben wir zum Beispiel eine City-Wache eingerichtet“, so der OB mit Verweis auf die Zusammenarbeit von Ordnungsamt und Polizei an neuralgischen Punkten. Zum anderen spiele aber auch die Stadtplanung eine Rolle: Gute Beleuchtung helfe, Kriminalitätsschwerpunkte gar nicht erst entstehen zu lassen. Und ganz wichtig sei die Sozialarbeit, um Probleme an der Wurzel zu packen.

Ein Blick hinter die Kulissen des OB-Büros

Neben den ernsten Themen ging es vor allem um die Neugier auf den Job des Stadtchefs. Warum er eine runde Marke um den Hals trage, wollte ein Kind wissen. Hilbert ließ die Runde erst raten („Ein Dienstausweis?“), bevor er auflöste: Es ist seine elektronische Zugangskarte für die oberen Büroetagen des Stadtforums. Damit er sie nicht vergisst, trägt er sie immer umgehängt.

Eine Frau mit weißen Handschuhen hält ein großes, aufgeschlagenes Buch vor sitzenden Kindern. Auf den Seiten sind die Original-Unterschriften von Emmanuel Macron und Frank-Walter Steinmeier zu sehen.
Geschichte zum Anfassen: Eine Rathaus-Mitarbeiterin zeigt den Kindern das Goldene Buch der Stadt Dresden mit den echten Unterschriften von Emmanuel Macron und Frank-Walter Steinmeier. Foto: CdH

Auch die weiteren Fragen der Hortkinder waren erfrischend direkt:

  • Die Arbeitszeit: Zwischen 60 und 80 Stunden pro Woche ist Hilbert im Einsatz. Die Tage beginnen oft vor neun Uhr morgens und enden nicht selten erst spät am Abend.
  • Das Gehalt: Auf die Schätzung eines Kindes, ob er denn 50.000 Euro verdiene, entgegnete Hilbert schmunzelnd: „Im Jahr? Ein bisschen mehr ist es. Lassen wir es mal so stehen.“
  • Die schwerste Entscheidung: Für den OB sind es Katastrophensituationen wie Hochwasser, bei denen im Ernstfall die Evakuierung von Seniorenheimen oder Krankenhäusern ansteht.

Dresden im Wandel: Carolabrücke und die BUGA 2033

Dass die Schüler ein feines Gespür für das Stadtgeschehen haben, zeigte sich beim Thema Stadtentwicklung. Beim Rundgang durch das Stadtforum hatten sie bereits die vier Entwurfsmodelle für den Wiederaufbau der Carolabrücke unter die Lupe genommen. Hilbert betonte, wie wichtig ihm hierbei die Meinung der Dresdnerinnen und Dresdner sei, bevor der Stadtrat die finale Entscheidung trifft.

Oberbürgermeister Dirk Hilbert legt von der Seite einer schüchternen Grundschülerin in weißer Strickjacke die schwere goldene Amtskette Dresdens um den Hals. Im Hintergrund sitzen weitere Kinder.
Einmal Oberbürgermeister sein: Dirk Hilbert legt einem Mädchen im Stadtforum die schwere goldene Amtskette der Landeshauptstadt Dresden um. Ein ganz besonderer Moment beim Besuch der Hortkinder. Foto: CdH

Auch für den Klimaschutz und die Natur interessierten sich die Teilnehmer. Auf die Frage nach mehr unberührten Schutzgebieten erklärte Hilbert das Konzept der geplanten Bundesgartenschau (BUGA) 2033: „Es geht nicht nur um Blumenbeete, sondern darum, die ganze Stadt mit einem grünen Netz zu überziehen, in dem sich Tiere und Pflanzen entwickeln können. Wichtig ist auch, Wasser zurückzuhalten und zu schauen, welche Bäume mit dem veränderten Wetter zurechtkommen.“

Das historische Wahljahr 2029 im Visier

Spannend wurde es, als die Sprache auf das Thema Wahlen kam. Normalerweise wird ein Oberbürgermeister für sieben Jahre gewählt, der Stadtrat für fünf Jahre. Im Jahr 2029 allerdings steht Dresden ein echtes Novum bevor: Zum ersten Mal seit 35 Jahren fallen die OB-Wahl, die Stadtratswahl, die sächsische Landtagswahl sowie die Europa- und Bundestagswahl in ein einziges Jahr.

Ob Hilbert 2029 noch einmal antreten darf? Laut eigener Aussage rein rechtlich ja - die einzige Grenze sei das Ruhestandsalter bei der Aufstellung. Sollte es mit einer Wiederwahl nicht klappen, hat der gelernte Elektroniker und studierte Betriebswirt aber auch schon Ideen: „Vielleicht gehe ich in meinen Beruf zurück, vielleicht mache ich etwas ganz anderes, vielleicht gehe ich auf eine große Weltreise.“

Nach einer guten Stunde voller Fragen, Autogrammwünschen und sogar einem selbstgebastelten Geschenk für den Rathauschef - einem Armband - war klar: Dresdens Grundschulkinder haben nicht nur viele Wünsche, sondern auch den Mut, sie direkt an ganz oben zu richten. 

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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