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Kostenloser Talk in Dresden: Streit um Auto-Zukunft und Raumfahrt-Visionen

Zweiteilige Collage: Links der ältere Wiener Verkehrsplaner Hermann Knoflacher mit weißem Haar und blauem Sakko, rechts der TU-Professor Martin Tajmar im dunklen Anzug mit Krawatte vor weißem Hintergrund.
Zwei Blickwinkel auf Mobilität (v.l.): Verkehrsplaner Hermann Knoflacher und Raumfahrt-Prof. Martin Tajmar diskutieren am 29. September im Verkehrsmuseum Dresden darüber, was Bewegung heute mit Fortschritt zu tun hat. Fotos: Oliver Killig, TUD/Michael Kretzschmar
Er erfand das „Gehzeug“ und vergleicht Autos mit Krankheitserregern. Nun trifft der 86-jährige Kult-Verkehrsplaner Hermann Knoflacher in Dresden auf TU-Prof Martin Tajmar, der an neuartigen Raumfahrt-Antrieben forscht. Warum dieser Schlagabtausch gewaltigen Zündstoff verspricht.

Dresden. Das Verkehrsmuseum Dresden bringt am Dienstag zwei Männer zusammen, die kaum unterschiedlicher auf Bewegung blicken könnten. Um 19 Uhr diskutieren der Wiener Verkehrsplaner Hermann Knoflacher und Martin Tajmar, Professor für Raumfahrtsysteme an der TU Dresden, über die Frage, was Mobilität heute noch mit Fortschritt zu tun hat. Der Eintritt ist frei.

Knoflacher trifft Tajmar im Verkehrsmuseum Dresden

Knoflacher kämpft seit Jahrzehnten gegen die autogerechte Stadt. 1975 baute er das „Gehzeug", einen Holzrahmen, den sich Fußgänger umhängen, um so viel Fläche zu beanspruchen wie ein Autofahrer. Bei den Klimaprotesten der vergangenen Jahre tauchte die Konstruktion wieder auf. In seinem Buch „Virus Auto" vergleicht der emeritierte Wiener Professor das Auto mit einem Krankheitserreger. Es dränge die Menschen in abgedichtete Wohnungen mit Lärmschutzfenstern und überlasse den Außenraum dem Krach und den Abgasen. Geboren 1940, gibt er sein Wissen mit 86 Jahren noch international weiter. 

Tajmar kommt von der anderen Seite. Der Professor forscht an Antrieben, mit denen Sonden eines Tages zu fernen Sternen fliegen könnten, und nimmt sich dabei auch Konzepte vor, die viele Physiker für unmöglich halten. Sein Team überprüfte den umstrittenen „EmDrive", einen vom britischen Ingenieur Roger Shawyer ersonnenen Antrieb, der angeblich ohne Treibstoff auskommt und elektrische Energie über Mikrowellen in Schub verwandeln soll. Auf einer hochpräzisen Waage zeigte sich: Der vermeintliche Schub war ein Messfehler und verschwand, sobald die Forscher genauer maßen. 

Forum Mobilität am 29. September: Anmeldung und Livestream

Der Titel des Abends, „Fortfahren statt Fortschritt?", spielt mit einem Widerspruch: Technischer Fortschritt sollte das Leben leichter machen, so die These des Museums, treibe heute aber oft Entfremdung an. Wir kommen schneller von Ort zu Ort, parken dafür Städte zu und verbrauchen Energie. Ob mehr Tempo wirklich mehr Fortschritt bedeutet, sollen Knoflacher und Tajmar vor Publikum ausfechten. Es moderiert die Journalistin Hanna Gersmann, die lange für die taz über Umwelt- und Wirtschaftspolitik berichtete und regelmäßig Podien und Konferenzen moderiert..

Das Forum Mobilität beginnt am 29. September um 19 Uhr im Verkehrsmuseum an der Augustusstraße 1. Die Plätze sind begrenzt, das Museum empfiehlt eine Anmeldung über seine Website. Wer nicht vor Ort dabei sein kann hat die Möglichkeit, das Gespräch im Livestream auf dem YouTube-Kanal des Hauses zu verfolgen.