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Klare Botschaft Richtung Berlin: Warum die EuroPride nach Dresden zieht

Zahlreiche bunte Menschen ziehen bei einer Parade für die queere Community durch die Straße. Sie schwenken Regenbogenfahnen und tragen Regenbogen-Accessoires, darunter ein junger Mann mit grünem Haar und ein Mann mit Hut und Brille.
Dresden sichert sich den Zuschlag für die EuroPride 2029. Das europäische Großevent für die queere Community bringt Tausende Menschen auf die Straße und soll ein starkes Zeichen für Vielfalt in Sachsen setzen. Symbolbild: pixabay/Surprising_Media
Die Wahl des Austragungsorts ist kein Zufall: Mitten in politisch stürmischen Zeiten im Osten setzen Aktivisten aus ganz Europa ein unübersehbares Zeichen in Sachsen.

Dresden. Für einige Tage im Jahr 2029 rückt die Stadt ins Zentrum des queeren Europas. Dresden richtet die EuroPride aus, eines der größten Pride-Feste des Kontinents, zum ersten Mal seit Hamburg 2004 wieder in Deutschland. Geholt hat sie der CSD Dresden, und das Rathaus freut sich: Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) nannte den Zuschlag eine tolle Nachricht für die Stadt.

Entschieden haben das die Mitgliedsorganisationen der European Pride Organisers Association (EPOA) auf ihrer Jahreshauptversammlung in Magdeburg. Einen echten Wettbewerb gab es dabei nicht, Dresden war die einzige Bewerberstadt. Das sei kein Zufall, hatte EPOA-Präsident Patrick Orth schon im Sommer gesagt. Zuvor war die EuroPride in Deutschland nur in Berlin, Köln und Hamburg zu Gast.

2029 verbindet Stonewall und Friedliche Revolution

Das Datum ist kein Zufall. 2029 liegt der Aufstand in der New Yorker Bar Stonewall, der Beginn der queeren Bewegung, 60 Jahre zurück, die Friedliche Revolution in der DDR 40 Jahre. Aus beidem formt der CSD Dresden sein Leitmotiv: „Turn Walls into Bridges”, Mauern zu Brücken. Bleiben soll die Pride nicht in Dresden, sie soll durch ganz Sachsen ziehen.

„Wir wollen zeigen, was möglich ist, wenn eine Community nicht nur Mauern beschreibt, sondern Brücken baut. Zwischen Ost und West”, sagt Ronald Zenker, der die Bewerbung geleitet hat. Dass die EuroPride in den Osten geht, ist dem Verein wichtig. Den Christopher Street Day gibt es in Dresden seit 1990, kurz nach der Wende.

Tausende Gäste und volle Hotels: Was auf Dresden zukommt

Wie groß das Fest wird, hängt an der Stadt und lässt sich noch nicht beziffern. Valletta auf Malta zählte 2023 gut 38.000 Teilnehmer, Rom 2011 schätzungsweise eine Million, Paris 1997 über 300.000. Auf Dresden dürfte ein großer Andrang aus ganz Europa zukommen, mit vollen Hotels, aber auch mit Arbeit für Polizei, Nahverkehr und Stadt.

Genau darauf setzt die Stadt und wirbt offensiv. Die EuroPride sei eine riesige Chance, sagt Corinne Miseer von der Dresden Marketing GmbH, Dresden werde sich offen und lebendig zeigen. Für die Bewerbung hatten prominente Fürsprecher geworben, unter ihnen die Dresdner SPD-Landtagsabgeordnete Sophie Koch, zugleich Beauftragte der Bundesregierung für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt, Sachsens stellvertretende Ministerpräsidentin Petra Köpping (SPD) und DJ Felix Jaehn.

EuroPride als politisches Signal in Sachsen

Hinter dem Fest steckt eine Botschaft. Die EuroPride geht oft dorthin, wo queeres Leben unter Druck steht, 2022 ins serbische Belgrad. Dass sie nun in ein Land kommt, in dem die AfD stark ist, verstehen die Veranstalter als genau dieses Signal. Man wolle an der Seite der queeren Menschen in Dresden und Sachsen stehen, sagt Orth, und wenn Aktivisten aus ganz Europa anreisten, lasse sich politischer Druck aufbauen, bis nach Berlin.

Im Mittelpunkt steht, wie beim Dresdner CSD, der große Demonstrationszug, der EuroPride March, dazu Kultur, internationale Vernetzung und eine Menschenrechtskonferenz. Fest steht davon noch wenig, weder Termine noch Orte. Drei Jahre bleiben, um aus dem Zuschlag ein Fest zu machen, das die queere Szene im Osten über 2029 hinaus stärken soll.