Kälteschutz in Dresden: Stadt stockt Notbetten auf und öffnet Cafés
Dresden. Mit sinkenden Temperaturen beginnt für wohnungslose Menschen die gefährlichste Zeit des Jahres. Die Stadt Dresden hat ihre Notfallkapazität für die kalte Jahreszeit deshalb auf 50 Plätze aufgestockt. Zusätzlich öffnen ab Sonntag, 1. November, die ökumenischen Nachtcafés. „Wer bei Kälte draußen lebt und schläft, ist besonderen gesundheitlichen Gefahren ausgesetzt”, sagt Sozialbürgermeisterin Kristin Klaudia Kaufmann. Wichtig sei die Botschaft an die Betroffenen: „Es gibt Hilfe, und niemand muss sich dafür schämen, sie anzunehmen.”
Wie man einen Notschlafplatz bekommt
Für einen städtischen Schlafplatz ist grundsätzlich eine Zuweisung des Sozialamts nötig. Betroffene erhalten sie während der Sprechzeiten bei der Wohnungslosenhilfe des Sozialamts an der Junghansstraße 2, telefonisch unter 0351 4884981. Außerhalb dieser Zeiten hilft die Notaufnahme des Übergangswohnheims Hechtstraße 10 weiter, erreichbar unter 0351 30980195; sie vermittelt bei akutem Bedarf in einen Notschlafplatz.
Weil die 50 Plätze auf mehrere Standorte verteilt sind, sollten Betroffene oder Helfer vorher anrufen und nicht unangekündigt bei einem Heim erscheinen.
Das reguläre Hilfesystem
Über die Notschlafplätze hinaus gibt es in Dresden ein festes Netz: In zwölf Heimen stehen 420 Betten bereit, in 33 Wohnungen weitere 71 Plätze. Derzeit nutzen 435 Menschen diese Angebote. Dazu gehören nicht nur ein Schlafplatz, sondern auch Aufenthaltsmöglichkeiten am Tag, Duschen und Küchen sowie Beratung, die helfen soll, die eigene Situation zu stabilisieren und wieder eine Perspektive auf eigenen Wohnraum zu entwickeln.
Nachtcafés: Wärme und Gemeinschaft bis Ende März
Von 1. November 2026 bis 31. März 2027 öffnen sieben Dresdner Kirchgemeinden im täglichen Wechsel ihre Nachtcafés. Erwachsene Wohnungslose können dort die Nacht an einem geschützten Ort verbringen – auch wenn sie die städtischen Angebote nicht nutzen möchten. Es gibt eine warme Mahlzeit und Frühstück, je nach Standort auch Duschen und Waschmaschinen. Getragen wird das Angebot von Ehrenamtlichen, unterstützt von der Diakonie Dresden. Die wechselnden Standorte und Öffnungszeiten stehen unter www.kirche-dresden.de.
Bevor die Wohnung weg ist: früh Hilfe holen
Die Stadt wirbt zugleich dafür, Wohnungslosigkeit gar nicht erst entstehen zu lassen. Oft kündigt sich eine Krise vorher an - durch Mietrückstände, eine Kündigung oder eine drohende Räumung. „Warten Sie nicht, bis die Räumung vor der Tür steht”, appelliert Sozialamtsleiter Christian Knappe. Wer Mietschulden habe oder seine Wohnung zu verlieren drohe, solle sich früh ans Sozialamt wenden. Dort werde zu Hilfen beraten, bei Anträgen zur Übernahme von Mietschulden unterstützt und bei der Wohnungssuche geholfen.
Beratungsstellen in vier Stadtteilen
Ergänzend stehen vier vertrauliche und kostenfreie Kontakt- und Beratungsstellen freier Träger bereit, finanziert von der Stadt:
- Pieschen: Stadtmission Dresden, Mohnstraße 43, Tel. 0351 8038728
- Striesen: Gesellschaft Striesen Pentacon, Ludwig-Hartmann-Straße 40, Tel. 0351 3122423
- Löbtau: Radebeuler Sozialprojekte, Schillingstraße 7 (Eingang Reisewitzer Straße), Tel. 0351 4207831
- Plauen: Verein für Soziale Rechtspflege, Karlsruher Straße 36, Tel. 0351 4020822
Tagestreffs, Bahnhofsmission und Kältestreife
Darüber hinaus fördert die Stadt Tagestreffs, Streetwork und die Bahnhofsmission:
- Tagestreff „Schorsch” (Diakonie), Mohnstraße 43, Pieschen: Aufenthalt, Duschen, Wäsche, Kleiderkammer. Mo und Fr 8–13 Uhr, Mi 10–18 Uhr. Tel. 0351 8038728
- Begegnungscafé der Heilsarmee, Reicker Straße 89, Reick: Frühstück, Mittagessen, Beratung, Duschen, Lebensmittelausgabe. Mo–Fr 10–14 Uhr. Tel. 0351 3179246. Im Winter ist zudem eine Kältestreife mit warmen Getränken und Suppe im Stadtgebiet unterwegs.
- Straßensozialarbeit „Safe DD” (SZL-Suchtzentrum), St. Petersburger Straße 14: Di 12.30–15 Uhr, Do 11–12.30 Uhr; in Gorbitz (Amalie-Dietrich-Platz 3) Do 14–16 Uhr. Tel. 0351 48436969
- Ökumenische Bahnhofsmission, Wiener Platz 4 (Zugang Bayrische Straße 15, Südseite Hauptbahnhof): Hilfe in akuten Notlagen ohne Anmeldung. Mo–Fr 9.30–18 Uhr. Tel. 0351 45195990
Was jeder tun kann
Zum Schluss richtet sich die Stadt an alle Dresdner - denn bei Kälte kann Aufmerksamkeit Leben retten. Wer jemanden draußen schlafen sieht, kann respektvoll fragen, ob Hilfe gebraucht wird, und gemeinsam eine Beratungsstelle oder Unterkunft kontaktieren. Entscheidend ist der Umgang mit echten Notfällen: Ist eine Person bewusstlos, nicht ansprechbar oder zeigt Anzeichen einer Unterkühlung, sollte sofort der Rettungsdienst unter 112 gerufen werden - nicht abwarten.
Hilfe vermitteln lässt sich über die Wohnungslosenhilfe (0351 4884981) oder außerhalb der Dienstzeiten die Notaufnahme (0351 30980195). „Fragen Sie nach, hören Sie zu und holen Sie Unterstützung, wenn jemand sie braucht”, so Bürgermeisterin Kaufmann. „Oft ist genau das der erste Schritt aus einer akuten Notlage.”