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Dresden staunt über 28-Meter-Bohrer auf der Königsbrücker: Was hier entsteht

Steffen Lohmann (links) in gelber Warnjacke und Alexander Richter mit weißem Bauhelm blicken gemeinsam hinter einer rot-weißen Absperrung in einen Bauplan. Im Hintergrund erstreckt sich die Königsbrücker Straße in Dresden mit Häuserfassaden und Bohrturm.
Blick in die Pläne für den Strom der Straßenbahnen: Steffen Lohmann (l., DVB) und Alexander Richter (Projektleiter der ARGE) vor dem Bohrturm an der Königsbrücker Straße. Hier entsteht für 56 Mio. Euro das unterirdische Unterwerk GUW 58. Foto: CdH
Ein Riesen-Bohrgerät bohrt in der Neustadt 98 tiefe Pfähle in den Boden: Warum die DVB ihr neues Gleichrichterunterwerk komplett unter der Erde verstecken muss.

Dresden. Seit diesem Montag dreht sich an der Königsbrücker Straße ein Drehbohrgerät in den Boden, 28 Meter hoch, kaum zu übersehen für jeden, der zwischen Albertplatz und Schauburg unterwegs ist. Die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) bauen hier ihr 58. Gleichrichterunterwerk. Das klingt sperrig, hat aber einen einfachen Zweck: Ohne diese Technik fährt keine Straßenbahn.

Steffen Lohmann von der DVB bringt die Aufgabe des Bauwerks auf einen Satz. Von der SachsenEnergie kommen 20 Kilovolt Mittelspannung an, das Unterwerk macht daraus 600 Volt Gleichspannung und speist sie in die Fahrleitung ein. Künftig hängen daran die Linien 7 und 8 zwischen Albertplatz und Stauffenbergallee. Fällt ein Nachbarwerk für eine Wartung aus, springt das GUW 58 ein, ohne dass Bahnen langsamer oder seltener fahren.

Warum das Unterwerk unter die Erde wandert

Oberirdisch, wie zum Beispiel an der Oskarstraße, wäre einfacher gewesen. Nur passte das hier nicht hin. Das Bauwerk ist so groß wie ein Zweifamilienhaus, und zwischen Schwepnitzer und Eschenstraße ist dafür kein Platz. Also verschwindet die Technik im Boden. Zu sehen bleibt nur ein kleines Einstiegsbauwerk am Fußweg, etwa 12 Quadratmeter groß und einen Meter hoch, mit einer Treppe nach unten. Unterirdische Unterwerke betreibt die DVB unter anderem schon am Bahnhof Mitte und am Postplatz. Das am Postplatz stammt aus der Zeit nach der Flut 2002 und ist deutlich größer, das neue an der Königsbrücker Straße ähnelt eher dem am Bahnhof Mitte.

Unter der Erde misst das GUW 58 rund 110 Quadratmeter, ist 26,65 Meter lang und 4,60 Meter hoch. Hinein kommen zwei Transformatoren und die komplette Schalttechnik.

98 Bohrpfähle, kein Millimeter Lücke

Damit die Technik trocken bleibt, zieht die Baufirma eine Wand aus 98 Bohrpfählen rund um die künftige Grube, jeder 13 Meter lang. Die Pfähle überschneiden sich, sodass zwischen ihnen keine Lücke bleibt und kein Grundwasser durchkommt. Dafür bohrt das Gerät zuerst jeden zweiten, unbewehrten Pfahl. Die Pfähle dazwischen werden anschließend hineingebohrt und schneiden die ersten an. Erst in sie kommt die Stahlbewehrung.

Zweiteilige Foto-Collage einer Baustelle an der Königsbrücker Straße in Dresden: Links steht ein hoher, schwarzer Bohrturm hinter Bauzäunen. Rechts ist der orangefarbene Bohrkopf eines Kettenfahrzeugs im Erdreich neben bereits gesetzten Rohren zu sehen.
28 Meter hoch und kaum zu übersehen: Ein Drehbohrgerät setzt an der Königsbrücker Straße 98 Bohrpfähle für das neue unterirdische Gleichrichterunterwerk der DVB. Die Spezialtechnik sichert den Strom für die Straßenbahnlinien 7 und 8. Fotos: CdH

Die obersten Meter jedes Pfahls werden später wieder abgestemmt, von Hand, mit Hammer und Meißel. Der Beton ganz oben taugt nichts, weil beim Betonieren von unten Wasser und Sand nach oben steigen. Für die Anwohner heißt diese Phase vor allem Lärm. Das Ausschütteln des Bohraushubs lässt sich technisch nicht leise machen.

Ein Zeitplan, der vom Frost abhängt

Drei Pfähle am Tag, das ist das Ziel. Jedes Bohrloch schluckt rund 7,9 Kubikmeter Beton. Alexander Richter, Projektleiter der Arbeitsgemeinschaft aus Eurovia, Strabag und Wolf & Müller, rechnet für alle 98 Pfähle mit etwa 33 Werktagen. Läuft das Wetter mit, ist das Bohrgerät bis Mitte Dezember wieder weg. Beton setzt beim Aushärten selbst Wärme frei, erst strenger Dauerfrost würde die Arbeiten stoppen. Viel später hätte man nicht anfangen dürfen, sagt Richter.

Der eigentliche Aushub beginnt erst im Januar, abschnittsweise. Nach und nach muss eine horizontale Aussteifung hinein, sonst geben die Wände nach. Der Rohbau soll bis Ende Mai stehen, dann rückt die Technik ein. Vor allem die Transformatoren bremsen den Zeitplan: Von der Bestellung bis zur Lieferung vergehen rund 15 Monate. In Betrieb gehen soll das GUW 58 Mitte 2028.

Das Unterwerk gehört zum Umbau der Königsbrücker Straße, der am 7. September begonnen hat. Neben der DVB bauen hier SachsenEnergie, die Stadtentwässerung sowie Telekom und Vodafone mit. Seit September sind am Albertplatz und an der Antonstraße neue Gleise und eine Weiche verlegt worden, am Bischofsweg laufen Vorbereitungen für eine große Trinkwasserleitung.