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Dresden plant gigantische Flusswärmepumpe - doch es gibt Zoff um den Platz

Ein modernes, quaderförmiges Gebäude mit einer Fassade aus hellen Klinkern und rasterartigen Metallelementen steht an einer gepflasterten Promenade mit Bäumen. Im Hintergrund ist eine steinerne Bogenbrücke zu sehen.
So soll das 18-Meter-Bauwerk aussehen: Der Siegerentwurf des Büros ZILA erinnert an Dresdner Industriearchitektur und soll ab 2031 rund 45.000 Haushalte mit grüner Fernwärme versorgen. Visualisierung: ZILA
Von: Cornelius de Haas
92 Millionen Euro teuer und ein Schlüsselprojekt für die Energiewende: An der Marienbrücke soll die größte Wärmepumpe der Region entstehen. Während Grüne das Projekt verteidigen, fordert ein bekannter Verein den Baustopp für eine ganz andere Vision.

Dresden. Das eine Bauwerk soll 18 Meter hoch werden und klimafreundliche Wärme liefern, das andere existiert bis heute nur auf alten Planungskarten. An der Marienbrücke stoßen beide aufeinander: Die Gesellschaft Historischer Neumarkt (GHND) lehnt den Standort der geplanten Flusswasserwärmepumpe ab, weil dort einst eine dritte Elbbrücke entstehen sollte, wie der Verein am Mittwoch mitteilte. Die Grünen-Stadträtin Susanne Krause hält die Brücke für längst erledigt und verteidigt das Projekt.

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Wärme aus der Elbe für 45.000 Haushalte

SachsenEnergie stellte die Pläne am Freitag in der Dresdner Gestaltungskommission vor. Die Anlage solle dem Flusswasser thermische Energie entziehen und ab 2031 bis zu 45.000 Haushalte mit Fernwärme versorgen. Das entspreche rund 16 Prozent der Dresdner Fernwärme, die dann CO2-frei erzeugt werde. Knapp die Hälfte der Haushalte in der Stadt heize derzeit mit Fernwärme. SachsenEnergie bezeichnet das Vorhaben als Schlüsselprojekt für die Dekarbonisierung der Fernwärme.

Mit 50 Megawatt wäre es die bisher größte Wärmepumpe des Unternehmens. Sie solle dem Fluss etwa 2,5 Kubikmeter Wasser pro Sekunde entnehmen, das rund drei Grad kälter zurückfließe. Auf die Temperatur der Elbe habe das keine spürbare Auswirkung, die genutzte Menge entspreche etwa einem Prozent des Flusses. Die Kosten beziffert SachsenEnergie auf rund 92 Millionen Euro, von denen der Bund über die Förderung für effiziente Wärmenetze 30 bis 35 Millionen übernehmen solle. Das Gebäude solle 18 Meter hoch, 50 Meter lang und 35 Meter breit werden. Den Wettbewerb gewann das Leipziger Büro ZILA, dessen Entwurf mit einer Fassade aus Klinker und Streckmetall an die Dresdner Industriearchitektur anknüpft. Zum Elberadweg hin sei eine überdachte Sitzgelegenheit geplant, die heute versiegelte Parkfläche werde teils entsiegelt und begrünt. Die Planungen laufen seit 2023 und sollen bis 2028 dauern.

Verein will den Platz für eine Brücke sichern

Die GHND begrüßt das Projekt grundsätzlich, hält den Standort aber für falsch. Die Stadt solle alternative Flächen prüfen und das Areal für eine dritte Elbbrücke freihalten, fordert der Verein. Diese sei in Verkehrskonzepten seit 1991 vorgesehen und solle den Durchgangsverkehr aus der Innenstadt halten. neumarkt-dresden

SachsenEnergie hält dem entgegen, der Standort sei alternativlos. Nur unterhalb der Marienbrücke an der Kreuzung Ostra-Ufer und Pieschener Allee lägen die Wärmequelle Elbe und das Fernwärmenetz nah genug beieinander. Für die wegfallenden Parkplätze hätten Versorger und Stadt einen Ausgleich erarbeitet.

Umstritten ist zudem der Planungsstand der Brücke selbst. Sie taucht im Verkehrsentwicklungsplan 2025+ auf, den der Stadtrat 2014 beschloss. Der bislang nicht beschlossene Mobilitätsplan 2035+ sieht sie nicht mehr vor. Die dritte Marienbrücke ist damit kein laufendes Projekt, sondern eine Option, die in älteren Plänen steht und im aktuellen Entwurf fehlt. 

Stadträtin: Die Brücke ist Geschichte

Krause widerspricht der GHND deutlich. Die dritte Marienbrücke sei mit dem Bau der Waldschlösschenbrücke faktisch beerdigt, erklärte die Stadträtin. Konzepte für einen verdoppelten Innenstadtring seien überholt, zumal an der Freiberger Straße bereits ein Berufsschulzentrum entstanden sei. Ein Brückenbau würde zudem den Weißeritzgrünzug zerschneiden, eine Erholungszone für Löbtau und Friedrichstadt. Das Gebäude der Wärmepumpe werde hinter den Bäumen der Pieschener Allee von Aussichtspunkten wie der Molenbrücke kaum wahrnehmbar sein.

Eine Stadt mit reichlich Brückenbaustellen

Der Streit fällt in eine Zeit, in der Dresden ohnehin mit seinen Elbquerungen beschäftigt ist. Seit dem Teileinsturz der Carolabrücke in der Nacht zum 11. September 2024 plant die Stadt einen Ersatzneubau, über dessen Entwürfe noch bis zum 19. Juli 2026 öffentlich abgestimmt werden kann. Auch das Blaue Wunder wird bis Ende 2030 saniert. 2026 investiert die Stadt nach eigenen Angaben mehr als 108 Millionen Euro in Straßen und Brücken, davon 48,5 Millionen allein in Brücken, so viel wie nie zuvor. Und dann gibt es ja auch noch die derzeit einer Notreparatur unterzogenen Brücke Budapester Straße. Die Debatte dreht sich also um den Platz für eine Brücke, die der aktuelle Plan nicht vorsieht, während die Stadt den Ersatz einer eingestürzten Brücke stemmt.

Wie die Dresdnerinnen und Dresdner den Standort sehen, deutet eine nicht repräsentative Instagram-Umfrage von Sächsische.de an: Dort hielten am Freitagvormittag 67 Prozent das Bauwerk an dieser Stelle für vertretbar, 27 Prozent lehnten es ab, sechs Prozent enthielten sich. Über den Bau entscheiden muss am Ende der Stadtrat.

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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