Logo Die Sachsen News

Abhörsicher im All: Tech-Riese übernimmt Spezialisten aus Dresden

Vier Männer in Business-Kleidung stehen nebeneinander vor einem blauen Hintergrund mit dem Logo von Rohde & Schwarz: Thomas Bohne, Kai-Uwe Storek, Robert Wünsche und Steffen Bittner blicken in die Kamera.
Stärken den Standort Dresden (v.l.): Thomas Bohne (Rohde & Schwarz), Kai-Uwe Storek (Neosat), Robert Wünsche (Phytronic) und Steffen Bittner (Inradios). Der Konzern übernimmt beide Firmen für Satellitenkommunikation. Foto: PR/Rohde & Schwarz
Chips für Drohnen, Militärflugzeuge und Satelliten: Mit Phytronic und Neosat verleibt sich Rohde & Schwarz zwei aufstrebende Entwicklerteams aus Dresden ein. Warum der Deal für die Bundeswehr und deutsche Satelliten-Souveränität wegweisend ist.

Dresden. Der Münchner Technologiekonzern Rohde & Schwarz übernimmt die Dresdner Firma Phytronic und das Unternehmen Neosat. Beide entwickeln Technik für sichere Satellitenkommunikation, wie der Konzern mitteilte. Wirksam ist die Übernahme nach seinen Angaben zum 22. September. Beide Firmen werden hundertprozentige Töchter von Rohde & Schwarz, ihre Namen bleiben vorerst bestehen. Zusammen beschäftigen sie rund 40 Mitarbeiter.

In Dresden zu Hause ist Phytronic. Gründer Robert Wünsche baute die Dresdner Firma 2023 auf. Sie entwickelt sogenannte Wellenformen, also Verfahren, mit denen sich Daten in Luft- und Raumfahrt sicher übertragen lassen, und entwirft dafür auch eigene Chips. Solche Systeme werden etwa in Militärflugzeuge, Satelliten und Drohnen eingebaut. Neosat wurde dagegen 2018 an der Universität der Bundeswehr München gegründet und hat in Dresden eine Niederlassung. Das Unternehmen arbeitet an Satellitensystemen mit mehreren Antennen, an der Vernetzung von Maschinen und Sensoren über Satellit sowie an Kommunikations-Nutzlasten.

Warum es um Souveränität geht

Sichere Satellitenkommunikation gilt als Schlüsseltechnologie, auf die Bundeswehr, Sicherheitsbehörden und Betreiber kritischer Infrastruktur angewiesen sind. Wer sie beherrscht, ist bei Verbindungen im All nicht auf Anbieter aus anderen Staaten angewiesen. „Sichere Satellitenkommunikation ist eine kritische Fähigkeit für die Bundeswehr, zivile Sicherheitsbehörden sowie Betreiber kritischer Infrastrukturen und ein zentraler Baustein technologischer Souveränität", erklärte Thomas Bohne, bei Rohde & Schwarz Vice President für den Bereich Space. Mit der Übernahme stärke der Konzern zugleich den Standort Dresden.

Nicht der erste Zukauf in Dresden

Rohde & Schwarz ist in Dresden schon länger aktiv. Nahe dem Postplatz betreibt der Konzern einen Entwicklungsstandort, der aus der TU-Ausgründung Airrays hervorging. Diese wurde 2019 von Xilinx übernommen, das später zu AMD kam. 2023 holte Rohde & Schwarz das Dresdner Team zu sich, das seither von 40 auf rund 90 Beschäftigte gewachsen ist. Dort arbeiten die Ingenieure unter anderem an Funklösungen für Behörden und Militär. Dazu kommt die auf Satellitenkommunikation spezialisierte Tochter Inradios, ebenfalls in Dresden. Gemeinsam mit Inradios sollen durch die beiden Zukäufe zusätzliche Synergien entstehen, weil sich die Kompetenzen ergänzten, teilte der Konzern mit.

Was die übernommenen Firmen erwarten

Für die beiden jungen Unternehmen ist der Verkauf ein großer Schritt. Mit Rohde & Schwarz gewinne man einen Partner mit langer Ingenieurserfahrung und eigener Fertigung, sagte Neosat-Geschäftsführer Kai-Uwe Storek. So ließen sich die eigenen Lösungen schneller zu fertigen Systemen zusammenführen. Phytronic-Chef Robert Wünsche nannte die Aufnahme in den Konzern nach der Firmengründung den wichtigsten Schritt der noch jungen Unternehmensgeschichte.

Rohde & Schwarz ist ein Familienunternehmen mit Sitz in München und beschäftigt weltweit mehr als 15.000 Menschen. Im Geschäftsjahr 2024/25 setzte der Konzern 3,16 Milliarden Euro um. Zum Kaufpreis äußerte sich das Unternehmen nicht.