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6,5-Millionen-Projekt in Dresden: Gift-Areal soll zur grünen Oase werden

Dr. Christine Laskov in orangefarbener Warnjacke hält eine metallene Injektionslanze. Daneben steht Florian Schramm mit weißem Bauhelm und einem Eimer mit dunklem Eisengranulat-Gemisch vor einem Bohrgerät auf der Baustelle an der Rosenstraße.
Vorbereitungen für die Mikroben: Dr. Christine Laskov (l., Fugro) hält die Injektionslanze, Florian Schramm (Züblin) das Eisengranulat-Gemisch. An der Rosenstraße beginnt für 6,5 Mio. Euro eine mikrobiologische Grundwassersanierung. Foto: Landeshauptstadt Dresden/Laura Kirsten
Nach 20 Jahren Kampf gegen die Verseuchung zieht die Stadt neue Register: Warum der Boden an der Rosenstraße liegen bleibt und wie Bakterien helfen.

Dresden. Auf dem Grundstück Rosenstraße 77 in der Wilsdruffer Vorstadt hat die Stadt Anfang Oktober eine neuartige Grundwassersanierung vorbereitet. Auf dem Gelände eines früheren Chemiehandels sollen Mikroorganismen die Schadstoffe direkt im Untergrund abbauen. Bis Ende 2027 will die Stadt die Fläche wieder sicher und uneingeschränkt nutzbar machen.

Erst sauerstofffrei, dann kommen die Mikroben

Bevor die Mikroorganismen arbeiten können, muss im Grundwasser ein sauerstofffreies Milieu entstehen. Dafür bringen Fachleute ein Gemisch aus Eisengranulat und Nährstoffen in acht bis 15 Meter Tiefe ein, über eine Injektionslanze, die den Wirkstoff direkt in den Boden drückt. Bis sich die nötigen Bedingungen einstellen, dauert es etwa vier Monate.

Im Frühjahr 2027 folgt der eigentliche Schritt. Dann kommen die Mikroorganismen in den Untergrund und bauen dort leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe ab, mit denen Boden und Grundwasser verunreinigt sind. Begleitend entnehmen Fachleute regelmäßig Proben, um den Abbau zu verfolgen. Im Herbst 2027 soll eine erste belastbare Einschätzung möglich sein, wie lange die Sanierung insgesamt dauert.

Weniger Aushub, geringere Kosten

Das Umweltamt hat mehrere Verfahren geprüft und das mikrobiologische acht Monate lang vor Ort erprobt. Weil der Boden weitgehend liegen bleiben kann, entfallen große Teile des Aushubs und die damit verbundenen Transport- und Entsorgungskosten. Das Verfahren sei zugleich wirtschaftlicher als ein großflächiger Bodenaustausch, so die Stadt.

Nahaufnahme des massiven Fußes eines Raupenbohrgeräts auf matschigem Untergrund. Eine Injektionslanze wird senkrecht in den Boden gedrückt, während ein Druckschlauch das Eisengranulat-Gemisch direkt in das Erdreich zuführt.
Einspritzung in bis zu 15 Meter Tiefe: Über diesen Schlauch wird das Nährstoff-Gemisch in die Lanze geleitet, um den Sauerstoff im Grundwasser abzubauen. Erst danach können ab 2027 Mikroorganismen die Altlasten abbauen. Foto: Landeshauptstadt Dresden/Laura Kirsten

„Bis Ende 2027 wollen wir hier am Standort Rosenstraße ein zukunftsfähiges Areal mit Grünfläche entwickeln”, sagt René Herold, Leiter des Umweltamts. Seit über 20 Jahren bemühe sich das Amt, diesen Grund in der Stadtmitte wieder nutzbar zu machen, schon bevor die Fläche der Stadt gehörte.

Alte Reinigungsanlage soll abgeschaltet werden

Bisher behandelt eine Anlage das Grundwasser, die die Schadstoffe herausfiltert. Seit rund 20 Jahren läuft sie, doch wie lange sie noch nötig ist und was das kostet, lässt sich nicht verlässlich absehen. Die mikrobiologische Sanierung soll die Schadstoffe direkt im Untergrund abbauen, damit die Anlage am Ende abgeschaltet werden kann.

Die Gesamtkosten liegen bei rund 6,5 Millionen Euro. Aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung kommen 4,8 Millionen, dazu unterstützen der Freistaat und die EU das Vorhaben.

Ein Altlastenfall seit den 1960ern

Die Belastung reicht weit zurück. Seit 1962 hatte das rund 15.000 Quadratmeter große Gelände mehrere Eigentümer und diente lange als Lager- und Umschlagplatz für Chemikalien. Boden, Grundwasser und Gebäudeteile wurden dadurch erheblich belastet. Nach der Insolvenz des Unternehmens Potsdamer Chemiehandel und dem Hochwasser 2002 begann die Stadt, gegen das giftige Chemie-Erbe des Grundstücks vorzugehen. 2025 ließ sie die alten Lager- und Bürogebäude abreißen und die Fundamente entfernen.