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18 Schüler aus 9 Nationen auf dem Brett: Dresdens coolster Lehrer im Einsatz

Blick von oben auf den Kiessee Leuben: Ein Schüler startet am Seilzug auf dem Wasser, während am Steg Mitschüler in Schwimmwesten und ein Betreuer in bunter Jacke das Geschehen beobachten.
Action am Kiessee Leuben: Unter den Blicken ihrer Mitschüler und Anlagenbetreiber Martin Riedel (r.) wagen sich die Jugendlichen an die Wasserski-Anlage. Dank Absicherung dürfen Dresdner Klassen Wakeboarden jetzt fest als Schulsport buchen. Foto: CdH
Wenn Jugendliche aus aller Welt gemeinsam über das Wasser flitzen: Wie Sportlehrer Torsten Helm mit Wakeboarding am Kiessee Leuben echten Zusammenhalt schafft - und warum sein Projekt in Dresden Geschichte schreibt.

Dresden. Ein paar Wolken, viel Sonne, 18 Grad im Wasser. Am Kiessee Leuben zieht ein Schüler hinter dem Seil seine erste Runde, fällt, klettert aufs Brett, zieht die nächste. Vom Ufer feuern die anderen ihn an. 18 Jugendliche der 121. Oberschule stehen hier an diesem Donnerstag auf dem Wakeboard, drei Tage hintereinander, und die Stimmung ist blendend.

Neu ist dabei nicht das Wakeboarden mit Schülern. Seit die Anlage Cable Dresden 2005 eröffnet wurde, kommen Ausflugsklassen an den Kiessee, sagt Betreiber Martin Riedel vom Unternehmen WAKE UP! Concept. Auch Sportlehrer Torsten Helm war früher schon privat hier. Die Idee, das Wakeboarden über eine ganze Woche und mit Bewertungsschlüssel als benoteten Schulsport anzulegen, brachte vor zwei Jahren Eric Meinhardt mit, Sportlehrer der 32. Oberschule.

Neu ist der feste, abgesicherte Rahmen, der mit dem Schuljahr 2026/2027 gilt: Klassen können Wasserski und Wakeboard als Bestandteil des Schulsports buchen. Das Interesse ist da, schon im Mai sahen sich 18 Lehrkräfte bei einer Voreinführung das Angebot an. Die Patenschaft übernahm Sport- und Bildungsbürgermeister Jan Donhauser, der sich den Kurs am Donnerstag ansah. Der Schulsport entwickle sich seit Jahrzehnten weiter und nehme zu Recht neue Sportarten auf, sagte er.

Landesamt und Versicherung sichern das Angebot ab

Der Knackpunkt war die Absicherung. Lange war offen, ob ein solcher Ausflug über die Schülerunfallversicherung abgedeckt ist, weshalb viele Schulen zögerten oder nur auf eigenes Risiko kamen. In Abstimmung mit dem Landesamt für Schule und Bildung und der Landesversicherungskasse Meißen ist das nun geklärt. Bedingung ist ein Rettungsschwimmer mit Silberabzeichen neben der Lehrkraft, fehle einer, lasse er sich über die DLRG organisieren, so Riedel.

Das Angebot richtet sich an Klassen von der fünften Stufe bis zur gymnasialen Oberstufe, Voraussetzung ist, dass alle schwimmen können. Anmelden müssen sich Klassen mindestens zwölf Tage vorher, die Ausrüstung von der Schwimmweste bis zum Lernwakeboard stellt die Anlage.

Zweigeteiltes Bild: Links steht Sportlehrer Torsten Helm in Neoprenanzug und roter Schwimmweste startbereit auf dem Wakeboard, rechts zieht er im Wasser Gischt hinter sich her.
Geht selbst aufs Brett: Sportlehrer Torsten Helm von der 121. Oberschule zeigt seinen Schülern am Kiessee Leuben, wie es geht. Ab dem Schuljahr 2026/2027 gehört Wakeboarden offiziell zum benoteten Schulsport in Dresden. Fotos: CdH

Dass viele Schulen zögern, liegt auch an der Sorge um die Sicherheit. Betreiber und Lehrer halten dem ihre Erfahrung entgegen. Viel könne gar nicht geschehen, sagt Riedel: „Die fallen alle nur ins Wasser und schwimmen zurück." In über 20 Jahren sei bei Schulgruppen nichts passiert. Helm, der die Gruppe drei Tage am Stück begleitet, zieht dieselbe Bilanz: „Weder ein Handgelenk noch sonst etwas, niemals." Zum Vergleich führt er das Skilager an, von dem regelmäßig jemand verletzt zurückkomme. Am See sei das die Ausnahme.

18 Schüler aus neun Nationen

Die Gruppe kam nicht im regulären Unterricht, sondern im Rahmen einer Projektwoche, bei der es darum geht, wieder mehr Bewegung in den Schulalltag zu bringen. Helm verweist darauf, dass die Sportstunde vor einigen Jahren gekürzt wurde und Schüler ab Klasse 7 nur noch zwei Stunden Sport pro Woche haben.

Von der 121. Oberschule, einer Schule mit hohem Anteil an Kindern nichtdeutscher Herkunftssprache, stehen hier 18 Schüler der Klassenstufen 8 bis 10 aus neun Nationen gemeinsam auf dem Brett. Über den Sport funktioniere ein Zusammenhalt, der im Alltag sonst schwerfalle, sagt Helm. Ihm gehe es weniger um Leistung als um Begeisterung: „Es geht nur noch darum, die Schüler zu motivieren." Dass das gelinge, zeige die Gruppe, die drei Tage hintereinander dabei sei: „Das gibt es bei uns im Sportunterricht sonst eigentlich nie."

Jugendliche in Neoprenanzügen und Schwimmwesten stehen mit Wakeboards am Holzsteg und hören aufmerksam ihrem Betreuer zu. Im Vordergrund sind Wakeboards zu sehen.
Vorbereitung am Steg: 18 Jugendliche der Dresdner 121. Oberschule lernen am Kiessee Leuben das Wakeboarden. Das Projekt bringt Schüler verschiedener Nationen zusammen und ist nun als offizieller Schulsport abgesichert. Foto: CdH

Helm unterrichtet seit 1989 an der Schule. Die frühere Sportlehrerin Annette Graf, die ihn seit vielen Jahren kennt, nennt ihn den coolsten und engagiertesten Lehrer, den sie kenne: „Sein Zuhause ist die Schule und seine Schüler." Auch Donhauser attestierte ihm diese Coolness.

Die Gruppe aus der Projektwoche gehört zu den letzten der Saison: Am Kiessee endet sie an diesem Wochenende, weiter geht es im Frühjahr 2027. Interessenten sollte sich am besten aber schon jetzt unter info@cable-dresden.de melden, emfpiehlt Riedel.

Was der Schulsport am Kiessee kostet

Beim Preis hilft ein Sponsor. Der Schulklassentarif liegt bei 150 Euro pro Stunde, Decathlon Dresden gibt jeder Klasse einmalig 100 Euro dazu. Eine Gruppe mit rund 20 Schülern zahlt für zwei Stunden damit 200 statt 300 Euro. An den Zuschuss ist die freiwillige Bitte geknüpft, den Sporttag mit einer Müllsammelaktion rund um den See zu verbinden, das Equipment stellt das Ortsamt Leuben. Sportlehrer können zudem einen Anfängerkurs buchen und bekommen die 59 Euro Gebühr gegen Dienstausweis erstattet.

Finanzieren lässt sich der Ausflug zum Beispiel über das Schulbudget. Nach Angaben des Landesamts für Schule und Bildung kann die Schulleitung dafür einen Projektantrag stellen, etwa als Maßnahme zur Ergänzung des Sportunterrichts, und die Teilnahme aus diesem Topf bezahlen. Für viele Schulen sei das eine naheliegende Option, da sie ihr Budget oft nicht ausschöpften und nicht genutztes Geld am Jahresende zurückfließe. 

Die Anlage liegt an der Pirnaer Landstraße 107, Informationen unter cable-dresden.de.