100 Jahre Sachsenring: Historische Dokumente online
Dresden. Unter dem Titel 100 Jahre Sachsenring machen der ADAC Sachsen und die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) die Geschichte der Rennstrecke digital zugänglich. Zum Jubiläum 2027 werden historische Programme und weitere Dokumente seit 1927 erfasst, digitalisiert und online veröffentlicht. Die Unterlagen aus den Jahren 1927 bis 1990 sind nach Angaben der Projektpartner bereits über sachsen.digital kostenlos abrufbar. Dokumente von 1990 bis heute sollen in den kommenden Wochen folgen.
Was ADAC Sachsen und SLUB digitalisieren
Das gemeinsame Projekt läuft im Landesdigitalisierungsprogramm für Wissenschaft und Kultur des Freistaates Sachsen. Einige Originalprogramme übergibt der ADAC Sachsen der SLUB Dresden außerdem als Schenkung. Damit werden sie nicht nur online verfügbar, sondern auch dauerhaft in den Sammlungen der Bibliothek bewahrt.
Die digitalisierten Quellen zeigen, wie sich Rennstrecke und Motorsport in Sachsen über ein Jahrhundert verändert haben. Dazu gehören die frühen Straßenrennen, die Entwicklung während des Nationalsozialismus und der DDR, das Ende der alten Naturrennstrecke 1990 sowie der Neustart auf dem heutigen Kurs. Für Fans liefern die Programme Namen, Starterfelder und zeitgenössische Gestaltung. Forschende, Schulen und Heimatvereine können die Unterlagen zugleich nutzen, ohne mit den empfindlichen Originalen arbeiten zu müssen.
Vorgestellt wird das Projekt am 20. Oktober im Digitalisierungszentrum der SLUB Dresden. Zu den Gesprächspartnern gehören SLUB-Generaldirektorin Katrin Stump, der Vorsitzende des ADAC Sachsen, Klaus Klötzner, sowie Fachleute des Landesdigitalisierungsprogramms und des Digitalisierungszentrums. Das Projekt verbindet damit die Bestände des ADAC mit der technischen Infrastruktur und der Langzeitarchivierung der SLUB.
Warum historische Rennprogramme wichtig sind
Die Schau 100 Jahre Sachsenring ist mehr als ein nostalgischer Rückblick. Historische Rennprogramme dokumentieren Sport-, Wirtschafts- und Alltagsgeschichte. Sie zeigen, welche Fahrer antraten, wie Veranstaltungen beworben wurden und wie sich Gestaltung, Sprache und gesellschaftlicher Kontext wandelten. Solche Details können Zusammenhänge sichtbar machen, die in späteren Rückblicken verloren gehen.
Die Online-Bereitstellung schützt die Originale vor häufigem Gebrauch und eröffnet Menschen unabhängig von Wohnort und Öffnungszeiten den Zugang. Forschende können Jahrgänge vergleichen, Familien nach Namen suchen und Schulen regionale Geschichte anhand von Originalquellen vermitteln. Die Digitalisierung ersetzt allerdings nicht die fachgerechte Aufbewahrung der Originale. Beide Aufgaben verursachen dauerhaft Kosten und benötigen qualifiziertes Personal.
Digitalisierung in Sachsen unter Finanzierungsdruck
Die Veröffentlichung fällt in eine Phase, in der die Finanzierung der Kulturgut-Digitalisierung in Sachsen diskutiert wird. Bibliotheken und Museen warnten zuletzt, geplante Kürzungen im Doppelhaushalt 2027/28 könnten neue Vorhaben erschweren. Nach Angaben der SLUB wurden über das Landesprogramm bislang mehr als 18 Millionen Textseiten und Bilder frei zugänglich gemacht. Hinzu kommen mehr als 110.000 Minuten digitalisierter Ton- und Filmaufnahmen. Mehr zu der Debatte steht im Beitrag „Kürzungen gefährden Digitalisierung von Kulturgut in Sachsen“.
Das Landesdigitalisierungsprogramm wird von der SLUB Dresden koordiniert. Es unterstützt Bibliotheken und andere Kulturerbeeinrichtungen bei der Digitalisierung wertvoller Bestände nach einheitlichen technischen Standards. Die Ergebnisse werden frei zugänglich bereitgestellt und digital langzeitarchiviert. Gerade kleinere Einrichtungen profitieren davon, weil sie eigene Scanner-, Speicher- und Präsentationssysteme häufig nicht wirtschaftlich betreiben können.
100 Jahre Sachsenring: Von 1927 bis heute
Am 26. Mai 1927 kamen nach Angaben des Fahrsicherheitszentrums rund 130.000 Zuschauer zum ersten Badberg-Viereck-Rennen rund um Hohenstein-Ernstthal. Seit 1937 trägt der Kurs den Namen Sachsenring. Die 8,7 Kilometer lange Naturrennstrecke wurde bis 1990 genutzt. Auf dem neuen Kurs kehrte der hochklassige Motorsport 1996 zurück.
Die Motorrad-Weltmeisterschaft gastiert weiterhin am Sachsenring und ist vertraglich bis mindestens 2031 gesichert. Damit verbindet sich die historische Sammlung mit einer bis heute lebendigen Rennsporttradition. Das Jubiläum 100 Jahre Sachsenring im Jahr 2027 bietet nun den Anlass, diese Entwicklung in Originaldokumenten nachzuvollziehen. Die bereits digitalisierten Programme sind frei zugänglich; weitere Jahrgänge sollen das Online-Angebot schrittweise ergänzen.