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Taiwan schickt eine ganz besondere Straßenbahn durch Dresden

Eine moderne, schwarz folierte Straßenbahn mit einem großen, goldenen Drachenkopf an der Seite steht an einem Platz vor einem historischen Sandsteingebäude. Passanten stehen davor und fotografieren das Fahrzeug.
„Join the Dragon Ride“: Zahlreiche Tram-Fans und Passanten bewundern die Bahn im taiwanischen Drachen-Design am Zwischenhalt an der Hofkirche. Foto: CdH
Von: Cornelius de Haas
Eine Straßenbahn im Design des Chipherstellers ESMC fährt jetzt durch Dresden. Bis die Bahn die Fabrik im Norden tatsächlich erreicht, dürften aber noch Jahre vergehen.

Dresden. Die ersten Fahrgäste waren Kinder: Schülerinnen und Schüler der internationalen Schule fuhren am Dienstag, dem 23. Juni, mit, als in Dresden eine Straßenbahn im Design des taiwanischen Chipherstellers ESMC ihre erste Fahrt antrat. Gesteuert vom Dresdner Straßenbahnfahrer und „Tramfluencer" Maik Zeuge fuhr die Bahn durch die Altstadt; am Zwischenhalt zwischen Hofkirche und Augustusbrücke warteten bereits zahlreiche Tram-Fans auf das Fahrzeug.

„Join the Dragon Ride": der Siegerslogan für die ESMC-Bahn

Den Slogan „Join the Dragon Ride" wählte ESMC unter 90 Vorschlägen aus der Belegschaft aus, wie Präsident Christian Koitzsch mitteilte. Der Name spielt auf den Drachen an, ein wiederkehrendes Motiv des Mutterkonzerns TSMC. Der Designer der Bahn habe an der Vorstellung krankheitsbedingt nicht teilnehmen können, sagte Koitzsch. Das Unternehmen wolle in Dresden ein guter Nachbar und Partner sein. Die Folierung macht ESMC im Stadtbild sichtbar, lange bevor die Fabrik im Norden Chips ausliefert.

Eine schwarz-gelbe Straßenbahn steht an einer gepflasterten Haltestelle. Auf der Fahrzeugseite prangt der Schriftzug „DRIVE FOR EXCELLENCE!“ vor einem goldenen Drachenschuppen-Muster. Mehrere Personen stehen wartend auf dem Gehweg daneben.
Branding im Stadtbild: Auf der Flanke der neuen DVB-Sonderbahn prangt gut sichtbar der Schriftzug „Drive for Excellence“. Das Fahrzeug macht den taiwanischen Investor ESMC in Dresden bekannter. Foto: CdH

Taiwan und Dresden betonen gemeinsame Werte

Zur Vorstellung war auch der Repräsentant Taiwans in Deutschland, Klement Gu, nach Dresden gekommen. Deutschland und Taiwan unterhalten keine offiziellen diplomatischen Beziehungen; Gu steht der Taipeh-Vertretung in Berlin vor. Man verbinde mit Dresden die gemeinsamen Werte Demokratie und Freiheit, sagte er, und ermutigte die Gäste, Taiwan zu besuchen. Oberbürgermeister Dirk Hilbert verwies auf die wachsende taiwanische Gemeinschaft in der Stadt. Ein taiwanischer Nachtmarkt habe zuletzt großen Andrang erlebt, sagte Hilbert. Er begrüße ESMC als neuen Partner und neue Mitbürgerinnen und Mitbürger.

DVB wirbt um Fahrgäste für Dresdens Nahverkehr

Die jungen Fahrgäste seien die Zukunft des Nahverkehrs, sagte Andreas Hemmersbach, Mobilitätsvorstand der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB). Fünf Tage lang sei die Bahn vor der Premiere unter Verschluss gehalten worden, damit die Öffentlichkeit sie nicht zu früh zu sehen bekomme, verriet Hemmersbach. Er wünschte der Bahn eine unfallfreie Fahrt und warb dafür, die Stadt aus Sicht des Nahverkehrs zu entdecken.

Linie 8 soll ESMC-Chipfabrik in Dresden anbinden

Vorerst fährt die Bahn im bestehenden Liniennetz. Eine direkte Anbindung der ESMC-Baustelle im Dresdner Norden gibt es noch nicht. Stadt und DVB planen dafür eine Verlängerung der Linie 8 über die bisherige Endhaltestelle in Hellerau hinaus bis zu den Werken im Airportpark. Geprüft werden mehrere Trassenvarianten. Die Vorplanung soll Ende 2026 abgeschlossen sein, anschließend entscheidet der Stadtrat über die Vorzugsvariante. Anwohner hatten bei einer Bürgersprechstunde im März zunehmenden Verkehr und fehlende Radwege beklagt. Koitzsch verwies darauf, es sei nicht Aufgabe eines Unternehmens, die Infrastruktur der öffentlichen Hand zu übernehmen.

ESMC-Baustelle in Dresden-Rähnitz: der aktuelle Stand

Auf der Großbaustelle in Rähnitz läuft der Rohbau, über dem Gelände drehen sich rund 24 Kräne. Derzeit arbeiten dort etwa 1000 Menschen, in Spitzenzeiten sollen es bis zu 5000 werden. Das Bürogebäude feierte am 4. Dezember 2025 Richtfest. Die Produktion soll 2027 beginnen, geplant sind rund 2000 Arbeitsplätze und monatlich 40.000 Wafer mit Strukturbreiten von 12 bis 28 Nanometern.

Drei Männer in eleganten Anzügen stehen lächelnd nebeneinander vor einer schwarz-gelb folierten Straßenbahn und zeigen gemeinsam den Daumen nach oben.
Starke Partnerschaft: Klement Gu (v.l.), OB Dirk Hilbert und ESMC-Präsident Christian Koitzsch freuen sich über das neue Design im Stadtbild. Foto: CdH

ESMC ist ein Gemeinschaftsunternehmen: TSMC hält 70 Prozent, die Partner Bosch, Infineon und NXP je zehn Prozent. Die Investition beziffert das Unternehmen auf etwa 10,5 Milliarden Euro, von denen der Bund rund fünf Milliarden trägt.

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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