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Die letzte kleine Kläranlage am Rande der Stadt

Die letzte kleine Kläranlage am Rande der Stadt
Täglich achtet das Team der Eschdorfer Kläranlage darauf, dass die Anlage zuverlässig funktioniert. Hier ist Abwassermeister Pedro Kämpffe (M.) mit den Klärwerksmaschinisten Christian Retzler (l.) und Gerd Ziegenbalg bei einer kurzen Absprache an einem Belebungsbecken der biologischen Reinigung. Fotos (2): Peter Hilbert
Von: Meißen News
Fast das gesamte Dresdner Abwasser wird nach Kaditz geleitet. Warum die Eschdorfer Kläranlage noch betrieben wird und wie sie arbeitet.

Ein Bericht von Peter Hilbert

Abwassermeister Pedro Kämpffe von der Stadtentwässerung Dresden ist an diesem Tag in Eschdorf vorbeigekommen, bespricht mit den Klärwerksmaschinisten Gerd Ziegenbalg und Christian Retzler kurz einige Details. Der 63-Jährige und der 36-Jährige betreiben die Anlage des rund 600 Einwohner zählenden Dorfs am östlichsten Zipfel von Dresden. Nach der Absprache geht’s gleich weiter zur täglichen Probetour. Dabei wird auch das Schlammvolumen im Belebungsbecken der modernen biologischen Anlage ermittelt.  

Gerd Ziegenbalg nimmt mit seinem Schöpfbecher einen Schwapp Abwasser und füllt ihn in die Probeflasche. Im Labor in einen Messzylinder abgefüllt, setzt sich der Schlamm ab, sodass der Anteil genau bestimmt werden kann. Genau das prüft Ziegenbalgs Kollege Retzler im Labor. „Ist es zu viel, können die Bakterien nicht ordentlich arbeiten, die die Hauptarbeit bei der Abwasserreinigung leisten“, erklärt der Fachmann. Dann wird der überschüssige Schlamm aus dem Becken abgepumpt.

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Das ist Alltag in der Eschdorfer Anlage. „im Normalfall führen wir morgens um 6.20 Uhr ein telefonisches Gespräch, da mein Hauptsitz in der Kläranlage Ottendorf-Okrilla ist“, erläutert der Abwassermeister. Denn sie wird auch von der Stadtentwässerung betrieben. Dabei wird kurz abgestimmt, was anliegt. Das Eschdorfer Team sei gut eingespielt. „Auf meine Leute kann ich mich immer verlassen. Da brauche ich mich nicht viel darum kümmern“, sagt Kämpffe.


Christian Retzler prüft im Labor den Schlammgehalt der Probe aus dem Belebungsbecken.

In Eschdorf ist noch die einzige kleine Kläranlage, die neben dem Kaditzer Werk in Dresden betrieben wird. Zuletzt waren im Schönfelder Hochland die nach der Wende gebauten Kläranlagen in Schönfeld 2014 und in Malschendorf 2020 stillgelegt worden. Von dort aus wird jetzt das Abwasser mit Pumpwerken in Richtung Kaditz befördert.

Die Eschdorfer Kläranlage entspricht modernen Anforderungen. Gerd Ziegenbalgs Berufsweg ist eng mit ihr verbunden. Der gebürtige Eschdorfer hatte einst Elektromonteur gelernt und zu Wendezeiten seinen Job im Asbestzementwerk Porschendorf verloren. „1991 habe ich als ABM-Kraft bei der Gemeinde angefangen“, erzählt er. Damals habe jedes Grundstück im Dorf noch seine eigene Abwassergrube gehabt. Für Eschdorf wird eine Kläranlage geplant. Ziegenbalg absolviert einen Klärwärter-Grundkurs. 1992 geht die Anlage in Betrieb, an die auch die umliegenden Orte angeschlossen werden.

Der Familienvater von zwei Söhnen, der heute bereits vier Enkel hat, muss sich mit 38 Jahren noch einmal auf die Schulbank setzen, um den Facharbeiterabschluss für Ver- und Entsorgung zu absolvieren. „Für mich war es sehr hart, die neuen bundesdeutschen Gesetze zu erlernen und zu verstehen – vom Recht bis hin zur Chemie“, berichtet er. Zumal er die nötige Zeit für den Abschluss auch herausarbeiten muss. „Damals habe ich die Lehrbücher sogar mit zum Urlaub an die Ostsee genommen.“ Im November 2000 ist es geschafft, Ziegenbalg hat seinen zweiten Facharbeiterbrief in der Tasche.

Die Anforderungen werden höher. 2009 bekommt Eschdorf die moderne biologische Kläranlage, die die alte ersetzt. Diese erreicht wie in Kaditz die dritte Reinigungsstufe. Damals war die verschlissene alte Kläranlage des Forschungszentrums Rossendorf aus den 1950er-Jahren stillgelegt worden“, erklärt er. „Hierher fließen die Abwässer aus Eschdorf, Rossendorf, Schullwitz, aber auch aus dem nahe gelegenen Helmholtz-Zentrum und dem Rossendorfer Gewerbegebiet. Mit seinen 4.650 Einwohnerwerten hat das kleine Klärwerk eine ausreichende Kapazität.  

An trockenen Tagen fließen 250 bis 300 Kubikmeter Abwasser zur Eschdorfer Kläranlage. Bei langanhaltendem starkem Regen können es hingegen bis zu 2.000 Kubikmeter sein. Das gereinigte Abwasser fließt ins Rossendorfer Wasser, das direkt an der Anlage vorbeifließt.

„Der Klärschlamm ist hier etwa 25 Tage im Belebungsbecken“, erklärt Ziegenbalg. Dann wird er im Speicher gesammelt. Zehnmal im Jahr wird der Schlamm in der Zentrifuge, die wie eine große Wäscheschleuder funktioniert, entwässert und letztlich in Containern abtransportiert. So kommen etwa 150 Tonnen jährlich erst zur Kompostierung. Danach können sie beim Landschaftsbau eingesetzt werden.

Bei ihren täglichen Rundgängen kontrollieren Gerd Ziegenbalg und Christian Retzler auch, dass die Werte am Ablauf stimmen und den Vorschriften entsprechen, unter anderem der Phosphor- und Nitratanteil. Geprüft wird das im kleinen eigenen oder im größeren Kaditzer Labor. Zudem haben die Klärwerksmaschinisten die Anlagen im Blick, so das Pumpwerk oder die Rechen und den Sandfang am Zulauf. Dabei mussten sie schon Schlüpfer aus den Pumpen holen. Damenbinden seien eher der Alltag. „Auf dem Dorf ist das aber viel weniger als in der Stadt“, weiß Ziegenbalg aus Erfahrung. „Denn die Grundstücksbesitzer achten viel mehr darauf, dass kein Unrat in ihre Rohrleitungen und somit ins Kanalnetz kommt.“

„Die Arbeit macht mir auch nach vielen Jahren noch Spaß“, versichert Klärwärter Ziegenbalg. Denn er könne den Weg vom verschmutzten bis hin zum gut gereinigten Abwasser verfolgen. Und dafür leistet der Eschdorfer täglich seinen Beitrag.

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