Logo Die Sachsen News
Nachrichten / Wissensland

Wie Fette ihren Weg in der Zelle finden

Ein frühes Endosom – die Sortierzentrale im Zellinneren – mit seinen Membrankonturen und dem orange markierten Fett Sphingomyelin. Dresdner Forschende haben es erstmals so detailliert abgebildet.
Orange leuchtet das Fett Sphingomyelin in der Sortierzentrale einer Zelle – sichtbar gemacht mit der neuen Dresdner Methode Lipid-CLEM. © H. Mathilda Lennartz/MPI-CBG
Von: Wissensland
Jede unserer Zellen ist von einer Hülle aus Fetten und Eiweißen umgeben. Wie genau sich die Fette darin verhalten, war lange ein Rätsel. Dresdner Forschende haben jetzt eine Technik entwickelt, die das ändert und damit die Tür zu neuem Wissen über Krankheiten öffnet.

Unser Körper besteht aus etwa 37 Billionen Zellen. Jede einzelne davon ist von einer Hülle umgeben, die sie schützt und steuert, was hinein- und herauskommt. Diese Hülle, die Zellmembran, ist aus Fetten und Eiweißen aufgebaut. Doch wie genau die Fette darin organisiert sind, war bislang kaum zu erforschen. Forschende am Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik (MPI-CBG) in Dresden haben jetzt eine Methode entwickelt, die das ändert.

Das Kernproblem war bisher simpel und doch schwer zu lösen. Fette, sogenannte Lipide, bewegen sich in der Zellmembran extrem schnell. Mit bisherigen Methoden ließ sich kaum feststellen, wo genau sie sich befinden. Das Dresdner Team um Gruppenleiter André Nadler und Mathilda Lennartz löste dieses Problem mit einem cleveren Trick. Sie nutzten winzige, leicht veränderte Fettmoleküle als eine Art GPS-Marker. Diese Marker werden in lebende Zellen eingebracht, dann mit Licht an Ort und Stelle fixiert und anschließend mit einem Leuchtstoff markiert. So lässt sich verfolgen, wo sich bestimmte Lipide befinden, ohne die Zelle dabei stark zu verändern oder zu stören. Für die Bildgebung kombinierten die Forschenden zwei Mikroskopie-Verfahren. Die Lichtmikroskopie zeigt, wo die markierten Fette sitzen. Die Elektronenmikroskopie liefert feinste Details der Membranstruktur. Die Verbindung beider Techniken nennt das Team "Lipid-CLEM". 

Mehr aus dieser Kategorie

Unterschiedliche Wege

Um zu testen, wie gut ihre Methode funktioniert, untersuchten die Forschenden einen ganz bestimmten Ort in der Zelle, sogenannte frühe Endosomen. Sie kann man sich wie eine Art Verteilstation im Inneren der Zelle vorstellen. Stoffe, die dort ankommen, werden sortiert und weitergeschickt. Bisher war vor allem bekannt, dass Eiweiße hier getrennt und auf verschiedene Wege verteilt werden. Die neue Methode zeigt nun: Das gilt auch für Fette.

Die Forschenden haben das Fettmolekül Sphingomyelin genauer untersucht. "Mit Lipid-CLEM haben wir beobachtet, dass ein bestimmtes Lipid, das Sphingomyelin, in kleinen Vesikeln im Inneren des Endosoms häufiger vorkommt und in röhrenförmigen Membranbereichen seltener", sagt Lennartz. Sphingomyelin und ein bestimmtes Eiweiß kommen zwar gemeinsam an, werden dann aber unterschiedlich weiterverteilt. Fette und Eiweiße nehmen also nicht denselben Weg durch die Zelle.

Prozess direkt beobachten

Seit Jahren versuchen Forschende weltweit, besser zu verstehen, wie Fette in Zellmembranen organisiert sind. Das ist schwierig, weil sich diese Moleküle sehr schnell bewegen und mit vielen bisherigen Methoden nur ungenau sichtbar sind. Es gibt zwar bereits verschiedene Ansätze, etwa mit besonders hochauflösenden Mikroskopen oder speziellen Markierungen. Doch meist zeigen diese Verfahren nur einen Teil des Geschehens.

Die Dresdner Methode geht nun einen Schritt weiter: Sie macht sichtbar, wo sich bestimmte Fettmoleküle genau befinden und zwar dreidimensional und im Zusammenhang mit der feinen Struktur der Zellmembran. Neu ist also weniger die Idee, dass Fette sortiert werden, sondern dass man diesen Prozess jetzt direkt beobachten kann.


Originalpublikation:
H. Mathilda Lennartz, Suman Khan, Weihua Leng, Kristin Böhlig, Gunar Fabig, Yannick Kieswald, Falk Elsner, Nadav Scher, Michaela Wilsch-Bräuninger, Ori Avinoam, André Nadler: Visualizing sub-organellar lipid distribution using correlative light and electron microscopy. Nat Cell Biol (2026)

Wissensland
Artikel von

Wissensland

Wissensland ist für die Inhalte selbst verantwortlich. Es gilt der Kodex der Plattform. Die Plattform prüft und behandelt Inhalte gemäß den gesetzlichen Vorgaben, insbesondere nach dem NetzDG.

METIS