Nach jahrzehntelanger Forschung hat das Bach-Archiv Leipzig zwei bislang nicht zugeordnete Orgelwerke als Frühwerke Johann Sebastian Bachs identifiziert. Der Musikwissenschaftler und Archivdirektor Peter Wollny ordnete die beiden Chaconnen in d-Moll und g-Moll dem damals 18-jährigen Bach zu - über 30 Jahre, nachdem Wollny die Schriften erstmals entdeckt hatte, wie das Archiv bekanntgab. Ihr Autor war demnach mehr als 320 Jahre lang unbekannt geblieben.
Nun wurden die Stücke in der Thomaskirche zum ersten Mal seit der Entdeckung aufgeführt. «Lange habe ich nach dem fehlenden Puzzlestück für die Zuordnung der Kompositionen gesucht – jetzt offenbart sich das ganze Bild», sagte Wollny. Die entscheidenden Handschriften habe er bereits Anfang der 1990er Jahre in der Königlichen Bibliothek in Brüssel entdeckt. An Schriftmerkmalen habe er sofort erkannt, dass sie aus «Mitteldeutschland», vermutlich aus Thüringen, stammen müssten.