Post aus Greifendorf. Der Schmied hat geschrieben, ich solle den Termin nicht vergessen. Wie niedlich: der Schmied! In Wirklichkeit war’s natürlich der Koch Norbert Hohmann (oder jemand aus dem Team) – und wie sollte ich es vergessen, hatten wir doch mit großer Vorfreude die Pläne für den Sonntagsausflug nach Mittelsachsen geschmiedet! In der ältesten noch erhaltenen und original eingerichteten Dorfschmiede in Sachsen, deren ältester Teil aus dem 17. Jahrhundert stammt, ging’s uns allerdings nicht um Hammer und Amboss oder darum, heiße Eisen im Feuer zu schmieden: wir waren gekommen, um zu genießen. Obwohl: zwischen pochiertem Landei und Herrenschokolade machte es nebenan im Hauptraum vor dem Feuer dann doch plötzlich Poch, poch und bing, bing: die Gesellschaft dort hatte zu ihrer Feier einen Hobbyschmied hinzugebucht…
Für den ersten Gang war Estragonschaumsuppe plus Sauerrahm gesetzt – und je nach der Entscheidung „mit“ oder „ohne“ bestand die durchaus geschmackgebende Garnitur aus Forellen- oder Auberginenkaviar. Da eine Aubergine keine Eier hat, aber die Optik deutlich näher an den Forellenkaviar herankam als an den gerne orientalisch gewürzten Brotaufstrich, rätselten wir kurz herum: wie hat er das gemacht (alternativ: wo hat er das gekauft)? Aber wir gaben die Suche nach einer Antwort schnell auf, denn als dieser Auberginenkaviar dann auch noch leicht knackigen Biss hatte, fassten wir es einfach und unprofessionell zusammen: verrückt! Die Suppe, von der wir durch das Kaviararrangement auf dem Tellerrand (mehr davon gab’s am Schmand zur Suppe) abgelenkt waren, passte dann auch.
Beim Zwischengang hieß es dann Kabeljau oder pochiertes Landei? Wie gut, dass wir zu zweit waren und vergleichen konnten, wie doof, dass auch nach dem Vergleich keine Variante zum Sieger gekürt werden konnte, weil beide gut waren. Also: der Fisch saftig und als dem Ei in der Form nahe kommender Batzen serviert. Obenauf kleine farbige Blüten und – wenn ich mich nicht ganz verschmeckt habe – der Pfeffer-Salz-Mix vom Brotangebot. Nun ja, macht man ja eigentlich nicht, solche Wiederholungen, passte aber vom Geschmack her. Das Ei erwies sich als ebenfalls perfekt auf den Punkt gegart, das Eigelb floss nach dem Öffnen heraus und reicherte die Sauce an. Gerstenrisotto als Beilage war uns nicht neu, ist aber immer wieder überraschend gut (wenn so korrekt gegart wie wir es bekommen hatten).