Am Nachtisch schieden sich die Geister, und zwar entlang der Geschlechterlinie: während die Frauen meinten, dass Anchovis in einem Dessert nichts zu suchen haben, lobte der sie begleitende Mann die Salzigkeit – eben jenen salzigen Kick des fermentierten Fischs als Tüpfelchem auf dem i, um es dem sauren Rhabarber und der süßen Brioche zu geben. Ein klassischer Fall von Kopfkino übrigens, denn wäre es kein Dessert, sondern ein Zwischengang, wäre es völlig in Ordnung gewesen – sagten die Frauen. Nun stand zwar nirgendwo das Wort Dessert, aber am Ende eines mehrgängigen Menüs ist das eben die Erwartungshaltung, ein Hauch Udo Jürgens (Aber bitte mit Sahne!) inklusive, notfalls auch Schokolade. Aber im Restaurant Kaagman & Kortekaas ist so ein Bruch mit Konventionen natürlich gewollt.
Giel Kaagman und Bram Kortekaas haben ihr gemeinsames Restaurant im September 2015 in der Sint Nicolaasstraat im Herzen von Amsterdam eröffnet. Als Koch (Kaagmann) und Sommelier (Kortekaas) waren die Beiden der Amsterdamer Feinschmeckergemeinde schon vorher bekannt – getrennt und auch zusammen (im seinerzeit angesagten Restaurant Bordewijk im Jordaan). Seit der Eröffnung ist ihr Laden immer voll – und das bei nicht wirklich wenig Plätzen. Die offene Küche bildet den Mittelpunkt, es gibt einen Bereich links und einen rechts der Küche – sowie Plätze an der Theke und im Keller. Da hat der Service gut zu tun! Aber, Spoiler: es klappt alles vorzüglich – standardmäßig auf englisch, einmal sogar („ich habe gehört, ihr seid Deutsche?„) im heimischen Idiom. Allen gemeinsam, mal wieder, die Herzlichkeit, die Freundlichkeit, der Gastgebergedanke.