Krebs ist nicht gleich Krebs. Rund 90 Prozent aller Krebserkrankungen sind sogenannte solide Tumore. Das sind Wucherungen, die festes Gewebe bilden, etwa in der Lunge, der Brust oder im Darm. Genau diese Tumore sind besonders schwer zu behandeln. Bisherige Immuntherapien scheitern oft daran, in das dichte Tumorgewebe einzudringen. Ein Team an der TU Dresden arbeitet jetzt an einem neuen Ansatz und erhält dafür 2,5 Millionen Euro aus Brüssel.
Die Forschenden am Zentrum für Regenerative Therapien Dresden (CRTD) setzen auf Makrophagen. Das sind Immunzellen, die Krankheitserreger erkennen und beseitigen. Das Problem bisher: Konventionelle Makrophagen ließen sich nicht in großen Mengen herstellen und verloren im Tumorgewebe schnell ihre Wirkung. Das Team um Prof. Michael Sieweke hat diese Zellen nun so modifiziert, dass sie Krebszellen effektiv und nachhaltig angreifen.
Vom Labor in die Praxis
Weltweit wird intensiv daran geforscht, das Immunsystem gezielt gegen Krebs einzusetzen. Bei einigen Formen von Blutkrebs funktioniert das bereits gut. Bei festen Tumoren, etwa in Lunge oder Darm, ist das deutlich schwieriger. Das Gewebe ist dicht, und viele Immunzellen kommen nicht tief genug hinein oder verlieren dort schnell ihre Wirkung. Deshalb richten sich neue Ansätze auf Makrophagen, Abwehrzellen, die von Natur aus in solches Gewebe eindringen können. Erste Studien dazu laufen bereits. Das Dresdner Projekt gehört zu diesen neuen Entwicklungen. Es geht dabei nicht nur um die Idee selbst, sondern auch darum, die Therapie so herzustellen, dass sie später tatsächlich bei Patienten eingesetzt werden kann.
Das Projekt wird vom Europäischen Innovationsrat (EIC) gefördert. StemPhage ist eines von nur drei Projekten, die der EIC in Deutschland fördert und gehört zu den 40 ausgewählten Vorhaben aus insgesamt 611 europaweiten Anträgen. Ziel ist es, eine Zelltherapie in klinischer Qualität zu entwickeln und eine erste klinische Studie vorzubereiten. Das EliaCell-Team arbeitet zudem eng mit dem sächsischen Zukunftscluster für lebende Arzneimittel SaxoCell sowie mit klinischen Partnern am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden zusammen.