Neuer Ansatz gegen Migräne: Studie mit 1.000 Teilnehmenden startet
Morgens, 7 Uhr. Der Wecker klingelt. Aber statt aufzustehen, zieht sich der Schmerz wieder wie ein Schraubstock um den Kopf zusammen. Licht schmerzt, Geräusche auch. Wer Migräne kennt, weiß: Das ist kein gewöhnlicher Kopfschmerz. Zwei von drei Erwachsenen in Deutschland leiden zumindest zeitweise unter Kopfschmerzen. Rund 18 Millionen von ihnen sind von Migräne betroffen. Trotzdem bekommen viele keine Behandlung, die wirklich zu ihrer Situation passt. Ein neues Forschungsprojekt will das ändern. Das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden ist daran beteiligt.
Das Projekt heißt MIGRA-MD. Es erprobt eine strukturierte Behandlung für Migräne-Patienten, die verschiedene Therapieformen kombiniert und digitale Hilfsmittel nutzt. In den kommenden anderthalb Jahren sollen bundesweit 1.000 Betroffene teilnehmen. Gefördert wird das Projekt mit über fünf Millionen Euro vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA). Geleitet wird es vom LMU Klinikum München.
"Dieses Projekt mit multimodalem Ansatz und Nutzung von digitalen Anwendungen hat das Potenzial, die Versorgung von Menschen mit Migräne deutlich zu verbessern", sagt Prof. Gudrun Goßrau, Leiterin des Kopfschmerzzentrums am Universitätsklinikum Dresden.
So funktioniert das Programm
Teilnehmende führen ein digitales Kopfschmerztagebuch über eine Smartphone-App der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. Ärzte können diese Daten bereits vor dem Termin einsehen und die Behandlung gezielter planen. Ergänzend gibt es eine Online-Plattform mit kurzen Videos und Audios zu Migräne, Auslösern und Behandlungsmöglichkeiten, etwa Stressreduktion, Entspannungsübungen oder Bewegung.
Die Teilnahme dauert 13 Monate und umfasst drei persönliche Facharzttermine. Die Teilnehmenden werden per Zufall einer Gruppe mit sofortigem oder um drei Monate verzögertem Behandlungsbeginn zugeteilt. Dieses Verfahren nennt man Randomisierung und sorgt für wissenschaftlich verlässliche Ergebnisse.
Wer kann teilnehmen?
Teilnehmen können gesetzlich Krankenversicherte mit Migräne, die regelmäßig zwischen vier und 25 Kopfschmerztage pro Monat haben. Außerdem dürfen bisher höchstens zwei vorbeugende Medikamente ohne Erfolg ausprobiert worden sein. Patienten aus der Region Dresden und Ostsachsen können am Kopfschmerzzentrum des Universitätsklinikums Dresden behandelt werden. Die Teilnehmenden werden per Zufall einer Gruppe zugeteilt. Eine beginnt sofort mit der Behandlung, die andere erst drei Monate später. Dieses Verfahren nennt man Randomisierung. Es sorgt dafür, dass die Ergebnisse der Studie wissenschaftlich zuverlässig sind.
Die Durchführung der Studie wird vom Koordinierungszentrum für Klinische Studien der TU Dresden begleitet. „Wir freuen uns, mit unserer Arbeit einen Beitrag für eine gute Datenqualität zu leisten, damit aussagekräftige Studienergebnisse erzielt werden können", sagt dessen Leiterin Dr. Xina Grählert. Zeigt die Studie klare Verbesserungen – etwa bei der Häufigkeit der Kopfschmerzen oder der Belastung im Alltag –, könnte das neue Modell künftig in die normale medizinische Versorgung übernommen werden. Davon würden langfristig viele Migräne-Betroffene profitieren.
Weitere Informationen zum Projekt gibt es hier.