Wie aus gesunden Zellen Krebs entsteht, ist noch immer nicht vollständig verstanden. Eine Forschungsgruppe aus Dresden arbeitet daran, genau diese Prozesse besser sichtbar zu machen. Ihr Werkzeug ist ein Gel.
Prof. Daniela Lössner und ihr Team am Leibniz-Institut für Polymerforschung Dresden haben ein sogenanntes Hydrogel entwickelt. Das ist ein weiches, wasserreiches Material, das sich ähnlich verhält wie echtes Körpergewebe. In dieses Gel betten die Forschenden Krebszellen ein und beobachten, was passiert. So entsteht ein Modell, das wichtige Eigenschaften eines echten Tumors nachbildet.
Bessere Tests, neue Möglichkeiten
Dieser Ansatz könnte auch praktische Vorteile haben. Wenn Medikamente nicht nur an einfachen Zellkulturen, sondern an realistischeren Gewebsmodellen getestet werden, könnten die Ergebnisse besser auf den menschlichen Körper übertragbar sein. Das könnte helfen, Therapien gezielter zu entwickeln und Tierversuche zu reduzieren. In der Krebsforschung gewinnen dreidimensionale Gewebemodelle zunehmend an Bedeutung. Viele klassische Zellkulturen bilden die komplexe Umgebung eines Tumors nur unzureichend ab. Hydrogele gelten deshalb als interessante Werkstoffe, weil sie Eigenschaften menschlichen Gewebes nachahmen können. Forschende erhoffen sich davon genauere Einblicke in das Verhalten von Tumoren und bessere Möglichkeiten, neue Medikamente unter realistischeren Bedingungen zu untersuchen.
Der Förderverein des IPF hat die Arbeit der Gruppe nun mit dem Innovationspreis 2025 ausgezeichnet. Daniela Lössner forschte gemeinsam mit Dr. Ali Nadernezhad, Dr. Sandra Hauser und Dr. Verena Kast. Die Auszeichnung würdigt einen Ansatz, der Materialwissenschaft und Krebsforschung miteinander verbindet, um Tumorprozesse genauer untersuchen zu können.