„Schlecht kochen kann jeder. Aber stolz darauf sein: das kann nur die deutsche Hausfrau!“ Das ist ein (leider unbelegtes, weil nur aus der Erinnerung gekramtes) Zitat von Wolfram Siebeck. Gelesen habe ich das vor geschätzten 40 Jahren, wahrscheinlich in der ZEIT oder im Feinschmecker. Denn dort schrieb Siebeck mit einer fröhlichen Unverblümtheit und gerne mit viel Sarkasmus über die schönen Dinge des Lebens: übers Essen in seinen beiden Urformen selber machen (vulgo: kochen) oder ausgehen. Und während die Rezepte von ihm immer gierig nachgekocht wurden, ersetzten die Restaurantkritiken (vor allem: die Verrisse) die Besuche in Restaurants, die wir uns als Student oder Journalisten in den Anfangsjahren nicht leisten konnten. Der Siebeck hat sich also eingenistet in unseren Ganglien – und manchmal denkt man dran zurück, so im üblichen Altersmodus: ja daaaahmaaaaahls…
Es gibt einen aktuellen Grund, die Erinnerungen hervorzukramen: eine Biographie über den am 7. Juli 2016 im Alter von 87 Jahren gestorbenen Siebeck ist jetzt erschienen. Erstaunlicherweise ist es die erste über den Gastrokritiker, der wie kein anderer den Deutschen die Feinheiten des Genießens beigebracht hat. Das Buch ist seit Juni auf dem Markt – und auf den Tag genau zum zehnten Todestag des grandiosen Gastrokritikers war der Autor Christoph Wirtz nach Dresden gereist, um in der SLUB (das ist kurz für Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek) aus seinem Buch zu lesen und mit Prof. Andreas Rutz über das Buch und über Siebeck zu reden.
