Nach zwei schweren Unfällen in Sachsen und Thüringen, bei denen Senioren vermutlich Hauptverursacher waren, ist erneut eine Diskussion um die Fahrtüchtigkeit von älteren Menschen entbrannt. In der vergangenen Woche war eine 84-jährige Frau in Niesky (Sachsen) in eine Krippengruppe gefahren, ein Erzieher und ein Mädchen wurden dabei verletzt. Anfang des Monats überfuhr eine 88-Jährige beim Zurücksetzen auf einem Parkplatz zwei Menschen, ein 75 Jahre alter Mann und seine 71 Jahre alte Frau starben.
Muss ich als älterer Autofahrer also bald eine erneute Überprüfung der Fahrtüchtigkeit ablegen?
Nein, in Deutschland gibt es keine solche Pflicht - und sie ist auch nicht geplant. Die ganze Debatte ist nicht neu. Schon 2023 hatte die EU-Kommission eine Reform der Verkehrsvorschriften angestoßen, in der Folge wurde vor allem über die Aspekte medial diskutiert, in denen es um die Fahrtüchtigkeit von Senioren ging.
Deutschlands damaliger Verkehrsminister Volker Wissing (damals FDP) positionierte sich wegen möglicher Altersdiskriminierung deutlich gegen verpflichtende Überprüfungen der Fahrtauglichkeit. Auch die EU entschied sich schließlich gegen eine regelmäßige Erneuerung des Führerscheins bei älteren Autofahrern. Vor allem von Versicherern wird die Fahrtüchtigkeit von Senioren aber immer wieder thematisiert.
Sind ältere Menschen wirklich häufiger in Unfälle verwickelt?
Dabei kommt es stark auf die Interpretation der Statistiken an. In den vergangenen Jahrzehnten ist der Anteil der verunglückten Personen, die älter als 65 Jahren sind, deutlich angestiegen. In Sachsen etwa nach Daten des Statistischen Landesamtes von 5,89 Prozent im Jahr 1995 auf 17,81 Prozent im vergangenen Jahr. Gleichzeitig wuchs aber auch der Anteil der älteren Menschen in der Bevölkerung insgesamt. Die größte Gruppe bei den Verunglückten machten im vergangenen Jahr Menschen zwischen 25 und 44 Jahren aus: 28,7 Prozent.
Gemessen an ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung sind ältere Menschen laut Statistischem Bundesamt seltener in Autounfälle verstrickt als jüngere. Darauf weist auch der ADAC hin.
Der über die Jahre beobachtete Anstieg von Autofahrern und -fahrerinnen ab 75 Jahren, die bei Unfällen mit Todesfolge als Hauptverursacher erfasst wurden, habe zwei Gründe: Zum einen sei die Zahl der Menschen mit Führerschein in diesem Alter gestiegen, zum anderen wachse ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung. 2023 waren laut Tüv-Verband 25 Prozent der Autofahrer 65 Jahre und älter, 2015 waren es erst 17 Prozent.