Die Stimmung ist angespannt, die Warnungen sind unüberhörbar: Über dem Chemiepark in Böhlen ziehen Wolken aus den Anlagen von Dow Chemical auf. Es ist Wasserdampf, doch über der ostdeutschen Chemieindustrie liegt mehr als nur ein optischer Schleier.
Die Branche steckt in einer tiefen Krise, Produktion und Umsätze gehen zurück, Tausende Arbeitsplätze gelten als gefährdet. Beim «Chemiegipfel Ostdeutschland» südlich von Leipzig haben Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften deshalb eindringlich vor einem weiteren Niedergang gewarnt und rasches politisches Handeln gefordert.
Die ostdeutschen Sozialpartner der Chemieindustrie übergaben der Bundesregierung einen Fünf-Punkte-Plan zur Stabilisierung der Branche. «Wir brauchen einen Krisenfahrplan. Die Zeit des Redens ist vorbei – jetzt muss gehandelt werden», sagte Nora Schmidt-Kesseler, die Hauptgeschäftsführerin der Nordostchemie-Verbände.
Die Forderungen wurden an die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser (SPD), übergeben. Wie ernst die Lage eingeschätzt wird, machten die Sozialpartner auch symbolisch deutlich: Sie überreichten Kaiser einen Feuerlöscher. «Die Hütte brennt», sagte die Leiterin der Gewerkschaft IGBCE Nordost, Stephanie Albrecht-Suliak.