Mit Backtradition und Rhythmus: Ruth Liebscher ist das 32. Dresdner Stollenmädchen
Das Geheimnis der Dresdner Weihnachtszeit ist gelüftet: Ruth Liebscher ist das 32. Dresdner Stollenmädchen. Die 18jährige repräsentiert in der kommenden Advents- und Weihnachtszeit die Handwerkstradition des Dresdner Christstollens – und führt damit zugleich eine Familientradition fort. Denn Ruth Liebscher ist in einer Bäckerfamilie aufgewachsen und kennt das Handwerk nicht nur aus ihrer Ausbildung, sondern seit ihrer Kindheit.
Ihre Eltern Tina und Karsten Liebscher führen die 1970 gegründete Bäckerei Liebscher. „Ich bin in einer Bäckerei aufgewachsen – der Duft von frischem Gebäck gehört seit meiner Kindheit zu meinem Leben“, sagt Ruth Liebscher. Ihr Vater habe ihr früh vermittelt, was echtes Handwerk bedeute und wie viel Herzblut darin stecke. Dass sie diese Leidenschaft inzwischen selbst in ihrer Ausbildung und als Dresdner Stollenmädchen nach außen tragen könne, mache sie „unheimlich stolz“.
Ausgebildet wird Ruth Liebscher allerdings nicht im elterlichen Betrieb, sondern in der Bäckerei & Konditorei Claus in Neusörnewitz bei Coswig. Der Betrieb wurde 1985 gegründet und ist nach Angaben des Schutzverbandes Dresdner Stollen für meisterliches Bäckerhandwerk und regionale Verbundenheit bekannt. Coswig gehört zum definierten Schutzgebiet des Schutzverbandes Dresdner Stollen. Damit erfüllt auch der Ausbildungsbetrieb eine wichtige Voraussetzung für die Herstellung des Dresdner Christstollens: Der geschützte Begriff steht nicht nur für eine bestimmte Rezeptur, sondern auch für Herkunft, handwerkliche Herstellung und festgelegte Qualitätskriterien. Stollenmädchen
Für Ruth Liebscher schließt sich damit ein Kreis. Schon als Kind habe sie das Kleid des Stollenmädchens fasziniert. „Dass ich diese Tradition nun selbst verkörpern und den Dresdner Christstollen repräsentieren darf, fühlt sich noch immer unglaublich an.“ Besonders freut sie sich auf die kommenden Wochen, die Begegnungen mit Menschen und die Atmosphäre der Adventszeit in Dresden.

Sportlicher Ausgleich: Tanzen
Dabei bringt die 18jährige neben ihrer Ausbildung im Bäckerhandwerk eine eher ungewöhnliche zweite Leidenschaft mit: den Tanzsport. Bei der Arriba Dance Company in Coswig tanzt sie im Weltkampfsportbereich mit dem Schwerpunkt Showdance. Dass darin einiges an Talent und Disziplin steckt, bewies sie gemeinsam mit ihrem Team im vergangenen Jahr bei einem Wettbewerb in Mailand. Die Tanzgruppe wurde dort Weltmeisterin – für Liebscher ein emotionaler Höhepunkt, der allerdings auch eine Verbindung zu ihrer neuen Aufgabe schafft. Bei ihrer Präsentation im Stollenkleid wird sie deshalb von Tänzerinnen ihres Teams begleitet. Die neue Stollensaison beginnt für sie gewissermaßen mit einem tänzerischen Schwung.
Langweilig dürfte es Ruth Liebscher in den kommenden Wochen ohnehin nicht werden. Mit der offiziellen Vorstellung beginnt eine intensive Zeit mit mehr als 50 Terminen in ganz Deutschland. Dazu gehören Medienauftritte, die Begleitung von Stollenprüfungen des Schutzverbandes, Veranstaltungen rund um den Dresdner Christstollen und zahlreiche Begegnungen mit Stollenfans. Bis Weihnachten steht das Stollenmädchen damit im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses rund um das Dresdner Original.
Einer der wichtigsten Termine ist das Dresdner Stollenfest am Samstag, 5. Dezember 2026. Zum 31. Dresdner Stollenfest wird Ruth Liebscher als Schirmherrin den Festumzug durch die historische Dresdner Altstadt anführen und anschließend die Zeremonie rund um den Riesenstollen begleiten. Für sie ist das Fest ein besonderer familiärer Bezugspunkt: „Ich kenne die Faszination für die Umzüge schon von klein auf durch meinen Papa und war deshalb auch schon auf einigen Stollenfesten.“ Nun selbst als Schirmherrin dabei zu sein, sei für sie und ihre Familie ein „riesiges Highlight“.
Auch für den Schutzverband Dresdner Stollen ist die Wahl mehr als eine Personalie. Andreas Wippler, Vorstandsvorsitzender des Schutzverbandes, verweist darauf, dass mit der Vorstellung des Stollenmädchens jedes Jahr ein sichtbares Zeichen für den Beginn der neuen Stollensaison gesetzt werde. Das Stollenmädchen verkörpere dabei die Verbindung von jahrhundertealtem Brauchtum und einer jungen Generation. Dass Ruth das Bäckerhandwerk bereits durch ihr Elternhaus kenne und gleichzeitig als Sportlerin Disziplin und Bühnenpräsenz mitbringe, mache sie zu einer passenden Botschafterin.
Karoline Marschallek, Geschäftsführerin des Schutzverbandes Dresdner Stollen, betont ebenfalls die fachliche Seite der Auswahl. Das Stollenmädchen sei weit mehr als eine sympathische Symbolfigur. Es stehe für die rund 100 Bäckereien und Konditoreien der Region, die den Dresdner Christstollen unter den Vorgaben des Schutzverbandes herstellen. Vor ihrer Wahl habe Ruth deshalb unter anderem zeigen müssen, dass sie die Kandidatenkriterien erfülle. Überzeugt habe sie schließlich mit ihrem Handwerksverständnis und ihrer sympathischen Art. Sie könne die Werte des Verbandes mit einer Mischung aus Tradition und Dynamik vermitteln.
Dass Ruth Liebscher ihre Ausbildung in der Bäckerei & Konditorei Claus absolviert, freut auch deren Geschäftsführer Lukas Claus. "Dass das Stollenmädchen der Saison aus unserem Betrieb kommt, erfüllt das gesamte Team mit Stolz", sagte er. Für eine Ausbildung im Bäckerhandwerk brauche es neben Fachwissen vor allem Begeisterung für die Produkte und Empathie im Umgang mit den Kunden. Ruth bringe diese Eigenschaften mit, sagt Claus. Der Betrieb wolle sie bei ihrer Aufgabe unterstützen und freue sich darauf, gemeinsam mit ihr in die Stollensaison zu starten.