Der Festakt zur Eröffnung der Leipziger Buchmesse ist normalerweise eine ruhige Veranstaltung mit gediegenen Reden zum Zustand der Literaturbranche. Doch diesmal wurde es laut im Leipziger Gewandhaus. Teile des Publikums buhten Kulturstaatsminister Wolfram Weimer aus. Auch die Begrüßung durch den Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung fiel frostiger aus als sonst, wie Weimer selbst vermerkte: «Normalerweise begrüßen Sie mich als: Da kommt der Leipzig-Freund. Das habe ich heute nicht gehört.»
Hintergrund ist der Wirbel um den Deutschen Buchhandlungspreis, der eigentlich im Rahmen der Buchmesse hätte verliehen werden sollen. Nach seiner Entscheidung, drei linke Buchläden von der Liste der Preisträger zu streichen, erfuhr Weimer so viel Gegenwind, dass er die ganze Verleihung absagte.
Auch eine zweite Ansage löste in der Messestadt Empörung aus: Weimer legte den seit acht Jahren mit einem Aufwand von sieben Millionen Euro geplanten Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek am Standort Leipzig überraschend auf Eis.